Thomaskirche: Bärbel Spilker aus Engershausen vergoldet Kreuz und Wetterhahn
„Es wird ein emotionaler Moment“

Espelkamp/Preußisch Oldendorf (WB). Die Flammen, die am 9. März 2018 aus dem Dachstuhl der Thomaskirche züngelten, haben nicht nur den Turm schwer beschädigt. Auch das Kreuz und der Wetterhahn, unverkennbare Symbole der Thomaskirche, hielten der Hitze nicht stand.

Mittwoch, 03.06.2020, 19:00 Uhr aktualisiert: 03.06.2020, 19:20 Uhr
Die beiden Gemeindepfarrer Friedrich Stork (links) und Katharina Blöbaum (rechts) haben sich auf den Weg nach Engershausen gemacht. Dort haben sie die Werkstatt von Bärbel Spilker besucht, die das Kreuz der Thomaskirche vergoldet hat. Foto: Silke Birkemeier

Daher mussten Kreuz und der Wetterhahn erneuert werden. Dazu gehörte auch eine neue Vergoldung. In enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt konnte dieser besondere Auftrag an eine Vergoldermeisterin in der Region vergeben werden. Die beiden Pfarrer der Martins-Kirchengemeinde, Katharina Blöbaum und Friedrich Stork, haben Bärbel Spilker in ihrer Werkstatt im Preußisch Oldendorfer Stadtteil Engershausen besucht.

Showroom

Durch die große gläserne Eingangstür zum Showroom glänzt es strahlend auf dem Werktisch: das neu angefertigte und frisch vergoldete Kreuz der Thomaskirche. Man muss kein Pfarrer sein um beim Anblick dieses Werkstückes Bewunderung und Freude zu empfinden. Denn das, was in etwa 90 Arbeitsstunden und aus 1500 Stück Blattgold entstand, ist ein wahres Meisterstück. Bärbel Spilker, seit 20 Jahren Vergoldermeisterin, hat sich Zeit genommen, um den Gemeindepfarrern die beiden außergewöhnlichen Werkstücke zu zeigen und die Besonderheiten der Arbeit zu erläutern.

„Die große Kunst bei Vergoldungen dieser Art liegt im Aufbau des Beschichtungssystems“, erläutert die Handwerkerin und streicht sanft mit dem Fingerrücken über die glatten Flächen des Wetterhahns. Sie hat ein voroxidiertes Öl aufgetragen, das nun, nach zwölf Stunden des Antrocknens, die perfekte Basis bildet, um das Blattgold anzulegen. Das schmiegt sich vor den Augen der Gäste förmlich an die fachfraulich vorbereiteten Flächen. Die hauchdünnen Blätter, die lange Zeit vor Wind und Wetter schützen sollen, sind nur 1/5000 Millimeter stark, damit aber doppelt so dick wie das Material, das sie für Rahmen- und Möbelvergoldungen nutzt.

Vorbereitung

Für den Espelkamper Auftrag hat sie etliche Goldblätter in Sondermaßen anfertigen lassen und auch sonst viel Aufwand betrieben, damit die beiden sichtbaren Wahrzeichen der Kirche auch in 100 Jahren noch strahlen. Insbesondere beim Wetterhahn aus Kupfer war ihre Expertise gefragt, denn die neue Grundierung soll verhindern, dass sich Kupfersalze bilden und die Oberfläche zerstören. Den systemgerechten Aufbau und somit die optimale Vorbereitung für die spätere Grundierung der beiden unterschiedlichen Metalloberflächen von Wetterhahn und Kreuz hat sie mit Unterstützung der Firma Schling aus Lübbecke und in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt hergestellt.

So wird auch das aus Edelstahl neu gebaute Kreuz optisch im gleichen Gold glänzen. Eine Aufgabe, die offensichtlich nicht mehr viele Vergolder beherrschen. Zu diesem Ergebnis ist auch der zuständige Architekt Thomas Schwiertz gekommen. Er begleitet das Projekt. Auf der Suche nach einem Fachbetrieb kam er ins Gespräch mit Pfarrer Friedrich Stork. Dieser wiederum hatte erst vor wenigen Jahren die Vergoldung des Wetterhahns im Blasheim organisiert und weiß um die Kompetenz und das Erfahrungsspektrum der Werkstatt von Bärbel Spilker.

Davon haben sich alle Beteiligten während des Besichtigungstermins in Engershausen überzeugt. Dort hat die Vergolderin seit einiger Zeit Werkstatt und Atelier unter dem Dach einer exklusiven Tischlerei vereint. Die Handwerkerin erläuterte die unterschiedlichen Arbeitsweisen an Rundungen und ebenen Flächen, demonstrierte die Arbeitsgänge und Werkzeuge und erklärte den Kirchenvertretern die Vorteile des Materials.

Meilenstein

Für Pfarrer Friedrich Stork, der die Espelkamper Pfarrstelle seit Februar 2019 leitet, sowie für die Gemeinde seien die beiden Werkstücke „ein wichtiger Meilenstein zur Fertigstellung der Kirche. Es ist für Espelkamp sicher etwas Besonderes, weil man sieht, dass es voran geht. Der Freitag wird ein emotionaler Moment!“, sagte er. Genau wie Katharina Blöbaum betrachtete er die Werkstücke von allen Seiten, bewunderte die gold-glänzenden Oberflächen und die Akribie, mit der Bärbel Spilker die letzten Arbeiten verrichtete. Am Donnerstag, 4. Juni, werden Wetterhahn und Kreuz von der Firma Grewing, die das Kreuz hergestellt hat, abgeholt und am Freitagmorgen, 5. Juni, aufgestellt.

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