Angebote des Hexenhauses sind zurzeit sehr gefragt
Frauenhilfe in Espelkamp ist systemrelevant

Espelkamp (WB). Wenn die Menschen wegen der Corona-Regeln zwangsläufig mehr Zeit zuhause verbringen, kann das auch zu Stress und Konflikten in den Familien führen. Die Annahme liegt nah, dass auch die Fälle häuslicher Gewalt zunehmen könnten. Sehr gefragt sind jedenfalls in der Zeit der Pandemie die Angebote des Hexenhauses in Espelkamp, also Hilfen und Beratungen in Krisensituationen. „Das Frauenhaus, die Teilstationären Einrichtungen und das Ambulant Betreute Wohnen sind voll und unsere Beratungsangebote werden sehr stark nachgefragt“, sagt Hexenhaus-Geschäftsführerin Elke Schmidt-Sawatzki auf Anfrage.

Dienstag, 05.05.2020, 22:00 Uhr
Die Angebote des Espelkamper Hexenhauses an Hilfen für Menschen in Krisensituationen sind in der Corona-Krise sehr gefragt. Frauenhaus, teilstationäre Einrichtungen, ambulant betreutes Wohnen und die Beratungen werden intensiv genutzt. Foto: Felix Quebbemann

Dabei arbeiten natürlich auch die Mitarbeiter des Hexenhauses zurzeit unter den erschwerten Bedingungen aufgrund der Kontaktbeschränkungen. Keine Arbeitskreise, keine Außenkontakte, Austausch nur über Telefon- oder Videokonferenzen. Erschwerend sei auch, dass einige Hexenhaus-Mitarbeiterinnen wegen geschlossenen Kitas zum Teil im Schichtdienst arbeiten müssten, damit die Kinderbetreuung gewährleistet sei. „Bei den Beratungen läuft vieles per Telefon, persönliche Gespräche ‚Face to Face‘ sind nur unter entsprechenden Abstands- und Hygieneauflagen möglich.“ Sehr stark sei daher aktuell die Nachfrage nach Online-Beratung. „Über einen Button auf unserer Homepage ( www.hexenhaus-espelkamp.de ) kann ein Chat gestartet werden“, erklärt sie.

Schon früh einen Pandemie-Plan entwickelt

Das Hexenhaus habe schon relativ früh einen Pandemie-Plan erarbeitet, betont Schmidt-Sawatzki. „Und sehr schnell haben wir von Seiten der Politik das Signal bekommen: Wir sind systemrelevant“, sagt Schmidt-Sawatzki. Es sei das erste Mal, dass dem Frauenschutz und der psychosozialen Beratung offiziell eine so große Bedeutung beigemessen werde. „Da hat die Bundesfamilienministerin gut reagiert“, sagt die Hexenhaus-Geschäftsführerin.

Die Probleme der Klienten des Hexenhauses in Zeiten der Corona-Pandemie sind laut Schmidt-Sawatzki sehr vielschichtig. „Es gab Berichte aus China, die von einem Anstieg der Fälle häuslicher Gewalt auf das Drei- bis Vierfache berichteten. Entsprechendes können wir zwar nicht direkt zahlenmäßig belegen. Aber man muss bedenken, dass die soziale Kontrolle innerhalb der Familie auch größer ist, wenn alle gemeinsam zuhause sind“, sagt Schmidt-Sawatzki. So würden üblicherweise die meisten Frauen, die das Frauenhaus aufsuchen, zu Zeiten kommen, wenn ihr Mann bei der Arbeit sei. Das Hexenhaus ermutige aber auch Nachbarn, die Polizei zu benachrichtigen, wenn sie Gewalt in Familien wahrnähmen.

Polizei verzeichnet keinen Anstieg häuslicher Gewalt

Auf Nachfrage dieser Zeitung bei der Kreispolizei kann Pressesprecher Thomas Bensch eine Zunahme der angezeigten Fälle häuslicher Gewalt im Kreis nicht bestätigen. „Die uns vorliegenden Zahlen für diesen März liegen mit 32 Fällen sogar deutlich niedriger als in den Vergleichsmonaten 2018 (41) und 2019 (47). Man muss sehen, wie sich die Zahlen im April entwickeln. Solche Werte sind mit Vorsicht zu betrachten.“ Da ja auch die Nachbarn zuhause seien, sei die soziale Kontrolle von daher eventuell sogar größer als üblich.

Auch die finanzielle Lage der Familien trage zu Stresssituationen bei: „Die Existenzängste bei den Ratsuchenden haben sich verstärkt.“ Viele würden etwa mit 450-Euro-Jobs ihr Budget aufstocken. „Das fällt jetzt bei vielen weg.“ Selbst diejenigen, die in sogenannten Arbeitsgelegenheiten wie beim Espelkamper Einladen nur etwa 100 Euro verdienten, treffe dieser Verlust hart. „Der Einladen hat aber jetzt auch wieder geöffnet und dort werden nun auch Masken genäht“, sagt Schmidt-Sawatzki.

Häufig sind auch Kinder betroffen

Elke Schmidt-Sawatzki betont, dass es bei häuslicher Gewalt nicht nur um Frauen gehe, häufig seien auch Kinder betroffen. „Problematisch sind da die geschlossenen Schulen und Kitas. Sie sind oft die Institutionen, die auf häusliche Gewalt aufmerksam machen. Diese Kontrollfunktion im Bezug auf Kindeswohl fehlt damit aktuell“, sagt sie.

Schmidt-Sawatzki ist insgesamt besorgt über die Folgen der Corona-Krise für die Klientel des Hexenhauses. Sie befürchte, dass die „Chancenspaltung“ noch stärker werde. „Mit Kindern darf man nicht auf Spielplätze gehen, das ist offenbar weniger wichtig als die Bundesliga“, sagt sie.

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