Espelkamperin ist Ehrenbürgerin der Stadt
Karin Gauselmann wird 85 Jahre

Espelkamp (WB). Karin Gauselmann feiert am Donnerstag, 2. April, ihren 85. Geburtstag. Die gebürtige Berlinerin war nicht nur als langjähriges Mitglied des Aufsichtsrates der Gauselmann AG an strategischen Entscheidungen beteiligt, sondern ist auch heute noch als Mitglied des Stiftungsbeirates eng mit dem Familienunternehmen verbunden. Zudem ist die Espelkamperin gesellschaftlich stark engagiert, unter anderem als Vorsitzende des Kuratoriums der Paul und Karin Gauselmann Stiftung.

Mittwoch, 01.04.2020, 21:00 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 17:00 Uhr
Karin Gauselmann feiert heute ihren 85. Geburtstag. Dank ihres sozialen und kulturellen Engagements ist die gebürtige Berlinerin seit 2015 eine Ehrenbürgerin der Stadt Espelkamp.

In 85 Jahren hat sie viel erlebt: den Zweiten Weltkrieg, den frühen Verlust des Vaters, die Nachkriegszeit und den Aufbau der Bundesrepublik Deutschland. Aber auch für sie sind die Corona-Pandemie und ihre Folgen neu. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich dieses Land noch einmal in einem solchen Ausnahmezustand erleben würde“, sagt sie. Dennoch strahlt sie Zuversicht aus: „Ich weiß, was Menschen leisten können, wenn sie an etwas glauben, tatkräftig anpacken und als Gemeinschaft zusammenhalten.“

Karin Gauselmann trägt als Patin zum kulturellen Leben bei

Dieser Zusammenhalt macht Karin Gauselmann Mut und hat ihn, so oft es ging, gefördert – auf sozialer und kultureller Ebene. Als Kuratoriumsvorsitzende der Paul und Karin Gauselmann Stiftung (Stiftungsvermögen aktuell 16,2 Millionen Euro) ist es ihr eine Herzensangelegenheit, das Miteinander im Altkreis Lübbecke zu stärken. „Es war immer mein Anliegen, den Menschen etwas von unserem Unternehmenserfolg zurückzugeben“, sagt sie.

Viele Schulen, Vereine, Institutionen und Initiativen werden jedes Jahr von der Stiftung unterstützt. Karin Gauselmann trägt zudem seit Jahren als Patin und Sponsorin zum kulturellen Leben bei. Besonders liegen ihr die Espelkamper Frauen-Kulturtage am Herzen, weil sie zeigen, dass Frauen nicht nur in Familie und Beruf, sondern auch und gerade in der Kultur „ihren Mann“ stehen.

Für dieses nachhaltige Engagement wurde Karin Gauselmann 2015 mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Espelkamp belohnt. Wie tief die 85-Jährige mit der Region verbunden ist, zeigt sich auch auf Schloss Benkhausen, das ihr Mann Paul Gauselmann vor dem Verfall rettete und aufwändig sanieren ließ. Schloss und Garten erstrahlen nun in neuem Glanz. Auch dank Karin Gauselmann hat sich das Schloss sozial und kulturell zu einem Kleinod entwickelt.

Faible für das britische Flair

Diese Liebe zum Mühlenkreis ist nicht selbstverständlich. Denn Karin Bahlow, so ihr Mädchenname, wurde 1935 in Berlin geboren und wuchs in Frohnau auf. Trotz Bombenangriffen und einer von Hunger und Kälte geprägten Nachkriegszeit blieb man im Hause Bahlow immer optimistisch. Selbst als der Vater, ein Bankbeamter, 1947 überraschend an einem Schlaganfall starb, ließ sich die Familie nicht unterkriegen. Die Mutter, die als Bilanzbuchhalterin arbeitete, übernahm die Rolle des Ernährers und sorgte für ihre zwei Kinder im Teenageralter.

Karin Gauselmann lernte den Beruf Industriekauffrau und verbrachte ein Jahr als Au-pair-Mädchen in England. Bis heute hat sie ein Faible für britisches Flair und eine Liebe zur englischen Sprache bewahrt. Als Angestellte war sie zunächst bei verschiedenen Unternehmen wie AEG, Stiftung Warentest oder Röhm & Haas, Berlin, tätig, bis sie 1967 beschloss, eine neue berufliche Herausforderung in Darmstadt anzunehmen.

Doch vorher machte sie einen Skiurlaub im österreichischen Hintertux, der Ausgangspunkt für ein völlig neuen Leben werden sollte. Nach dem ersten Augenkontakt und einem Tänzchen beim Hotelball überreichte Paul Gauselmann der jungen Berlinerin seine Visitenkarte und ermutigte sie, sich einmal bei ihm zu melden. In vielen Telefongesprächen kamen sich beide näher. Bei einem Wiedersehen und einem Ausflug nach Heidelberg erfuhr die junge Frau, dass Paul Gauselmann Witwer und Vater von drei Söhnen im Alter von fünf, elf und 13 Jahren war. Das war eine Überraschung und eine große Herausforderung, die Karin Gauselmann annahm. Sie kündigte in Darmstadt vor Ende der Probezeit und zog nach Espelkamp. Am 1. Dezember 1967 wurde die Hochzeit in Berlin gefeiert.

Den Anforderungen als Unternehmergattin wurde sie gerecht

Den neuen Anforderungen als Mutter und Hausfrau sowie als Unternehmergattin wurde Karin Gauselmann vollends gerecht. Und 1969 bekam die junge Familie nochmals Nachwuchs: Paul und Karins gemeinsamer Sohn Karsten wurde geboren. Als er in den Kindergarten kam, bildete sich Karin Gauselmann zur Hauswirtschaftsmeisterin fort und bot fortan jungen Mädchen eine Berufsausbildung an. Eine ihrer damaligen Auszubildenden arbeitet heute wieder bei ihr.

Verbindlichkeit und Verbundenheit sind ist dem Geburtstagskind wichtig. Die Hobby-Autorin hält seit Jahrzehnten mit Briefen zu vielen Menschen Kontakt und dokumentiert zudem die zahlreichen Familienereignisse. Die Wochenenden gehörten trotz der Firma dem Familienleben – zum Beispiel mit Fahrrad- oder Wandertouren durchs Wiehengebirge, Spieleabende oder Ausflüge mit dem Auto. „Unser Familienleben hat auch meinem Mann, der bis dahin einige Schicksalsschläge im Leben erlitten hatte, immer viel Kraft gegeben.“

Nachdem die Kinder aus dem Haus waren, freute sich Karin Gauselmann schon bald über die ersten Enkelkinder, die das Haus oft mit neuem Leben erfüllten. Inzwischen sind es neun – sieben Mädchen und zwei Jungen (zwölf bis 37 Jahren alt). Dazu gibt es inzwischen zwei Urenkel – einer davon ist erst drei Tage alt. Karin Gauselmann begleitet den Werdegang eines jeden einzelnen gern und mit großem Interesse.

Ihre Liebe zur Natur zeigt sich in ihrem Garten

Ihre Liebe zur Natur zeigt sich in ihrem Garten. Ihre Lieblingsblume ist die Tulpe, ihre Lieblingstiere sind ihre Katzen. Trotz vieler Verpflichtungen nehmen sich Paul und Karin Gauselmann für eines immer Zeit: Jeden Sonntag spielen sie Streit-Pacience und Rommé-Cup. Eine Leidenschaft des Paare sind Kreuz- und Flussfahrten. Dabei sind sie seit den 80er-Jahren etappenweise rund um die Welt gekommen.

Ihr Ehemann schätzt aber auch die Sicht seiner Ehefrau auf die Automatenbranche. „Er weiß, dass ich immer sage, was ich denke“, sagt sie. Im Unternehmen aktiv mitgearbeitet hat Karin Gauselmann erst, nachdem die Kinder ihre eigenen Wege gingen. Seit 1990 ist sie im Aufsichtsrat der Gauselmann AG. 2008 trat sie den Sitz an ihren Sohn Karsten ab, der im gleichen Jahr mit seiner Familie nach Süddeutschland zog und dort ein Seminarhotel hat. „Uns war es wichtig, dass er dem Unternehmen verbunden bleibt.“ Im Beirat der Familienstiftung kümmert sich Karin Gauselmann weiter aktiv um die Geschicke der Gauselmann-Gruppe.

Innerlich reich – so lässt sich Karin Gauselmann wohl durchaus treffend beschreiben. An der Seite ihres Mannes mit Herz und Verstand, stilvoll, aber niemals abgehoben und stets den Sinn fürs Praktische im Blick. Jeder auf seine Weise, aber doch gemeinsam haben Karin und Paul Gauselmann ihr Lebenswerk in 53 Jahren geschaffen. Es ist geprägt von einer umsichtigen und solidarischen, aber auch zuversichtlichen und tatkräftigen Grundhaltung, die es in Zeiten wie diesen besonders braucht.

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