Unabhängigen-Fraktion: 67-Jähriger kandidiert für das Bürgermeisteramt
Paul-Gerhard Seidel macht es

Espelkamp (WB). Paul-Gerhard Seidel will Bürgermeister werden. Das hat der Fraktionsvorsitzende der Unabhängigen gestern während einer Pressekonferenz erklärt. An der nahmen auch die Unabhängigen-Mitglieder Sigrid Klemme und Bernd Selig teil. Damit ist Seidel der vierte Kandidat, der die Nachfolge des amtierenden Bürgermeisters Heinrich Vieker antreten will.

Donnerstag, 05.03.2020, 21:00 Uhr
Paul-Gerhard Seidel (vorne rechts, mit Sigrid Klemme und Bernd Selig am Schmelztiegelbrunnen) hat während einer Pressekonferenz erklärt, für das Bürgermeisteramt kandidieren zu wollen. Er erläuterte die Ziele der Unabhängigen-Fraktion. Foto: Felix Quebbemann

Schwerpunkte

Die Unabhängigen setzen dabei nicht ohne Grund auf die Erfahrung des 67-Jährigen, die dieser aufgrund seiner Jahrzehnte langen Ratsmitgliedschaft hat. „Man muss auch einen Teil Erfahrung mitbringen“, sagte Seidel und spielte darauf an, dass er gegenüber den drei anderen Bürgermeisterkandidaten – Henning Vieker (CDU), Melanie Detering-Vehlber (SPD) und Florian Craig (Grüne) – der Erfahrenste sei.

Seidel hat klare Vorstellungen, welche Schwerpunkte er und seine Fraktion im Kommunalwahlkampf setzen wollen. Dazu zählen die Stadtentwicklung, der Klimaschutz und die Mobilität. Die Entscheidung, dass die Unabhängigen einen eigenen Kandidaten aufstellen wollen, sei Ende Februar während der Klausurtagung der Fraktion gefallen, so Seidel. Da seien die Personalfragen diskutiert worden – unter anderem die „19 sehr guten Direktkandidaten“ für die einzelnen Wahlbezirke, wie Seidel ausführte.

Bei den Bürgermeisterkandidaten von CDU, SPD und Grüne hätte jedoch der unabhängige Gedanke gefehlt. Seidel erläuterte dies am Beispiel von Melanie Detering-Vehlber. Sie sei zwar die parteilose Kandidatin der SPD. „Sie ist aber bei Weitem nicht unabhängig von der SPD.“

Das Amt

Sollte er gewählt werden, würde Seidel zunächst einmal dafür sorgen, dass der Rat als höchstes Gremium der Stadt mehr Impulse setze. Dies sehe auch die Gemeindeordnung so vor, wenn sie schreibt, dass für die Belange der Stadt als erstes der Rat zuständig sei. Seidel sagte deutlich: „Die Position des Bürgermeisters wird an der ein oder anderen Stelle überschätzt.“ Der Bürgermeister sei nicht der alleinige Repräsentant der Stadt.

Mit seiner Erfahrung sehe Seidel zudem die Möglichkeit, in einer fünfjährigen Amtszeit den Übergang für einen Generationswechsel einleiten zu können.

Die Verwaltung sieht der 67-jährige Fiesteler organisatorisch gut aufgestellt. Er lobte die Fachkompetenz und sagte, dass die Verwaltung darauf achten müsse, das Personal zu halten. Dies sei für eine kleinere Stadt wie Espelkamp schwer genug.

Gemeinsame Aktion

Seidel möchte auch eine gemeinsame Aktion aller Ratsfraktionen zur Erhöhung der Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl initiieren. Eine hohe Wahlbeteiligung sei ein Beweis für ein demokratisches und weltoffenes Espelkamp.

In sämtlichen Bereichen verfolge Seidel wie seine Fraktion eine „Politik mit Augenmaß“. Im Klimaschutz müsse Espelkamp vorangehen, wenn auch in dem Bereich schon einiges passiert sei. Er sehe die Notwendigkeit, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) auszubauen und fahrradfreundlicher zu werden. Aber Seidel sagte deutlich. „Auf absehbare Zeit werden wir im ländlichen Raum nicht auf das Auto verzichten können.“

Der 67-Jährige erklärte, dass der Flächenverbrauch verringert werden müsse. Andererseits betonte er die Notwendigkeit, die Wirtschaft weiter zu entwickeln. Es sei aber möglich, diese gegensätzlichen Positionen zu vereinen, betonte er.

Beim Klimaschutz nahm er auch die Gesellschaft als Ganzes in die Pflicht. „Um nachhaltigen Klimawandel herbeizuführen, bedarf es eines Umdenkens in der Gesellschaft.“ Die Politik werde dafür die Rahmenbedingungen setzen.

Er nannte als Beispiel die „gute alte Zeit“, in der man sich noch nachbarschaftlich geholfen habe. Der Solidaritätsgedanke und die Rücksichtnahme seien jedoch etwas verloren gegangen.

Ehrenamt

Parteikollege Bernd Selig fügte an, in der Gesellschaft müsse es mehr miteinander statt gegeneinander geben. Ansätze dafür sieht Paul-Gerhard Seidel unter anderem bei der Mitfahrbank in Gestringen.

Seidel sprach ebenfalls die Stärkung des Ehrenamtes an. Dem Quartiersmanagement, das es in Espelkamp seit knapp einem Jahr gibt, sei dies gelungen. Daher sprach sich Seidel dafür aus, diese Idee auch über die drei geplanten Jahre fortzuführen und noch auszuweiten – auf alle Quartiere der Innenstadt und auf die Ortsteile Espelkamps.

Der Stadtentwicklung komme laut Seidel in den nächsten Jahren eine entscheidende Bedeutung zu. Dabei wollen die Unabhängigen „das Rad nicht neu erfunden.“ Die vorhandenen Konzepte sollen weiter entwickelt werden. Er nannte als zentralen Punkt einen Plan für die Innenstadt und für den Wilhelm-Kern-Platz. Dabei sei auch darauf zu achten, dass vorhandene Mittel nicht immer für externe Berater ausgegeben werde. Man müsse auch den Experten in der Verwaltung vertrauen.

Das Internet

Beim Internet müsse darauf geachtet werden, dass alle Haushalte an das schnelle Netz angeschlossen werden. „Auch wenn wir dafür Geld in die Hand nehmen müssen“, betonte Seidel.

Er versprach zudem im Falle eines Wahlerfolges, unangemessen hohe finanzielle Lasten für die Bürger zu vermeiden.

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