Radverkehrssicherheitskonzept: Experten erläutern Situation an General-Bishop-Straße
„Mehr Schutzraum für die Radler“

Espelkamp (WB). „Verwirrung“ und „Unsicherheit“ herrscht bei vielen Radfahrern, seitdem es heißt: „Die Radler sollen innerorts möglichst auf der Fahrbahn fahren.“

Mittwoch, 04.03.2020, 23:00 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 15:24 Uhr
Die General-Bishop-Straße ist von den Neuregelungen beim Fahrradverkehr betroffen. Auf dem Weg hinauf zur Brücke sind auf der nördlichen Seite Piktogramme aufgebracht. Die Radler dürfen aber auch die Seitenanlage im südlichen Bereich nutzen. Foto: Andreas Kokemoor

Und diese „Verwirrung“ wollen Marco Hennig, Leiter des Ordnungsamtes, und Peter Kleine-Beek, zuständiger Experte in der Verwaltung, Stück für Stück auflösen. Allgemeine Erläuterungen haben sie bereits vor einigen Tagen gegeben (wir berichteten). Ein besonderes Augenmerk richteten die beiden auf die General-Bishop-Straße (GBS).

Kreisverkehr

Dort hat sich in der jüngeren Vergangenheit einiges geändert. Zum einen wurde an der Einmündung Tütenbeke ein Kreisverkehr angelegt. Innerhalb des Kreisverkehrs biete sich den Fahrradfahrern nur die Möglichkeit, auf der Fahrbahn zu fahren.

An der Brücke ist zukünftig geplant, dass die Nebenanlage in beiden Fahrtrichtungen genutzt werden darf. Aufgrund der Kritik aus der Bürgerschaft hat die Stadtverwaltung dort diese weitere Option mit der Bezirksregierung Detmold abgestimmt.

In einer Bürgerfragestunde im Rat hatte ein älterer Radfahrer erklärte, er fühle sich dort auf der Fahrbahn nicht sicher. Aufgrund seines Alters traue er sich nicht unbedingt zu, den Weg die Brücke hinauf ohne Absteigen zu bewältigen. „Daher haben wir Optionen geprüft und mit der Bezirksregierung Detmold abgestimmt, die an dieser Stelle den Radfahrern in beiden Fahrtrichtungen die Wahlmöglichkeit zwischen der Fahrbahn und der Nebenanlage geben“, sagte Hennig.

Brückenbereich

Der Brückenbereich der GBS nehme eine besondere Situation ein. Sie müsse gesondert bewertet werden. Daher solle dort auch die Wahlmöglichkeit für die Radfahrer eingeführt werden. Hennig zeigte sich erfreut darüber, dass in Gesprächen mit der Bezirksregierung gelungen ist, „eine solche Ausnahmesituation zu schaffen. Wir stehen in engem Austausch mit der Bezirksregierung.“

Für die General-Bishop-Straße gibt es eine weitere Besonderheit – am Ortsausgang. Die erläuterten Hennig und Kleine-Beek genauer. Radfahrer müssten auf der GBS nämlich einmal die Straßenseite wechseln. Dies sei notwendig, da der innerörtliche Bereich ende. Außerorts sei die Nutzung des Fahrradweges nach der Straßenverkehrsordnung im Regelfall Pflicht. Somit müssten die Pedalritter von der rechten Fahrbahnseite auf die gegenüberliegende Nebenanlage wechseln. Für eine sichere Querung soll eine Aufstellfläche entstehen.

Die beiden Verwaltungsexperten betonten, dass sie sich über konstruktive Kritik und Hinweise aus der Bürgerschaft freuen würden, sollte es an einer Stelle Verbesserungsbedarf bei der Radverkehrsführung geben. „2018 hatten wir einige Beschwerden“, erklärte Hennig. In der jüngeren Vergangenheit aber habe es keine mehr gegeben.

Kleine-Beek und Hennig verstehen, dass die neue Situation für die Radfahrer ungewöhnlich sei. Die Stadt setze aber nur die Vorgaben der geltenden Gesetze um, und dies im Rahmen des baulich und finanziell Machbaren. „Wir können nicht auf einen Schlag alle Geh- und Radwege hochnehmen“, so Kleine-Beek.

Beschluss

Der Beschluss zum Radverkehrssicherheitskonzept sei im März 2018 vom Ausschuss für Sicherheit, Ordnung und Feuerschutz gefasst worden, so Hennig. Daher habe er sich schon über einen Antrag der Grünen auf Erstellung eines Radverkehrskonzeptes gewundert, der im Juni 2018 eingereicht wurde – ebenfalls zum Thema Radverkehrssicherheit. Im Antrag seien auch ökologische Aspekte angesprochen worden. „Unser politischer Auftrag zur Erstellung eines Radverkehrssicherheitskonzeptes bezog sich lediglich auf die Sicherheit. Ökologische Aspekte waren nicht Bestandteil dieses Auftrags.“ Es werde aber ein Gesamtverkehrskonzept erstellt, in dem auch ökologische Aspekte behandelt werden können.

Ihm sei bereits mehrfach aufgefallen, dass es bei der Begrifflichkeit ab und an „kreuz und quer“ gehe. Er wisse, dass es keine böse Absicht sei, betonte aber, dass das Radverkehrssicherheitskonzept nur ein Teilaspekt eines allgemeingültigen Verkehrskonzeptes für Espelkamp sei.

Missverständnisse

Um weitere Missverständnisse zu vermeiden, sei es möglich, Hennig und Kleine-Beek für Informationen zum Konzept einzuladen. „Wir kommen gerne. Aber wir äußern uns nur zu Sachthemen.“ Mit dem neuen Konzept setze die Stadt rechtliche Vorgaben um. Das schließe aber nicht aus, dass es in zehn Jahren ganz andere Vorgaben gebe.

Ohne der politischen Entscheidung vorweggreifen zu wollen, erklärte Kleine-Beek, es sei unter anderem geplant, auf der GBS von der Isenstedter Straße zur Straße In der Tütenbeke einen 1,85-Meter breiten Radfahrstreifen anzulegen. „Wir würden dadurch die Breite der Fahrbahn verringern.“ Das bedeutet weniger Platz für die Autofahrer, mehr Platz für die Radler. Dies sei ohne Probleme möglich. „Wir haben enorme Breiten.“ Der Radfahrstreifen sei von den Fahrradfahrern zu nutzen und dürfe von Kraftfahrzeugen nicht befahren werden. Hennig sprach in diesem Zusammenhang von einer „sehr sicheren Rad-Führung“.

Im weiteren Verlauf der Straße reiche die Breite für eine solche Maßnahme jedoch nicht mehr aus. Vor der Brücke komme es dann zu der Option mit der eingangs erläuterten Wahlmöglichkeit. Dort könne der Radler die Brücke sowohl auf der Fahrbahn als auch linksseitig auf der Nebenanlage befahren. Auf der Nebenanlage wird dies mit dem Detmolder Piktogramm – dem Symbol von Fußgängern und Radfahrern, nicht von einem Kreis eingerahmt – deutlich.

Schutzraum

Hennig und Kleine-Beek betonten, dass es bei der künftigen Regelung auf der GBS „mehr Schutzraum für die Fahrradfahrer“ gebe.

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