Start-Up-Unternehmen vertritt Deutschland beim Bildungstechnologie-Wettbewerb
Der „Deutschfuchs“ startet durch

Espelkamp (WB). Nein, beim Deutschfuchs handelt es sich nicht um ein seltenes Tier. Der Deutschfuchs ist ein vor kurzem gegründetes Unternehmen, ein so genanntes Start-Up, das aber schon erstaunliche Erfolge zu verzeichnen hat. Am 23. Januar vertritt das Start-Up-Unternehmen mit Hauptsitz in Bielefeld die Bundesrepublik beim weltweit größten Startup-Wettbewerb rund um das Thema Bildungstechnologie – nämlich beim Global EdTech Startup Award (GESA) in London.

Donnerstag, 09.01.2020, 22:00 Uhr
Carolin und Simon Aschemeier sind die Gründer von „Deutschfuchs“. Beim Namen habe man darauf geachtet, dass das Wort „Deutsch“ enthalten sein sollte. „Und der Fuchs ist halt ein intelligentes Wesen“, sagt Carolin Aschemeier. Foto: Felix Quebbemann

Die Wurzeln

Die Unternehmensgründer Carolin und Simon Aschemeier, dessen Wurzeln in Espelkamp und Lübbecke liegen, haben den „Deutschfuchs“ gegründet. Dabei war die Idee, den Unterricht für Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache mit den digitalen Möglichkeiten zu verknüpfen. Lehrer wie Schüler sollen davon profitieren.

Als die ehemalige Lehramtsstudentin Carolin Aschemeier im Jahr 2016 aus Paris zurückgekehrt ist, begann sie, Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten – unter anderem online über Skype. Aber sie musste feststellen: „Es gab gar nichts an Unterrichtsmaterialien.“

Die Idee wurde geboren, in diesem Bereich etwas Neues zu entwickeln. „Wir fangen damit an“, erinnert sich die heute 27-Jährige, die am Söderblom-Gymnasium ihr Abitur gebaut hat. Es war ihr und ihrem Ehemann, Softwareentwickler Simon, klar, dass das Programm neben Inhalten auch Lernspaß vermitteln muss. Software und App wurden von Simon entwickelt.

Werkzeugkasten

Für den Lehrer halte der „Deutschfuchs“ eine große Anzahl an Materialien bereit – ein Werkzeugkasten für den Lehrer quasi. Jedem Schüler können Aufgaben individuell zugewiesen werden. Jeder Schüler hat die Möglichkeit, sich auf dem Portal einzuloggen. Nach der Bearbeitung kann der Lehrer die Lösungen bewerten.

„Es ist sehr individualisiert. Der Unterricht kann aber auch in kleinen Gruppen erfolgen“, sagt Simon Aschemeier, der gebürtig aus Lübbecke kommt. Ein weiterer Vorteil in der Gruppenarbeit liegt darin, dass der Lehrer den Schülern die Aufgaben einzeln zuweisen kann. Der Schüler kann selbst entscheiden, wie schnell er die Zuweisungen löst. Da zeigen sich die Stärken vom „Deutschfuchs“ – die individuelle Förderung. Das Produkt kann ganz gezielt starke und schwache Schüler auf ihrem jeweiligen Niveau unterrichten.

Der 30-jährige Simon Aschemeier betont, dass die Software den Lehrer nicht ersetzen soll, sondern ihm vielmehr helfen soll, „damit er seine Leistung besser einsetzen kann“. Er bezeichnet „Deutschfuchs“ als „sinnvolle Unterstützung für den Lehrer, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.“

Das digitale Lehrwerk umfasst die Deutsch-Niveaustufen A1 bis B1 sowie Zusatzfunktionen, didaktisierte Sprachspiele, ein inte-griertes Korrekturprogramm, einen Konjugationstrainer und einen interaktiven Vokabelkasten.

In elf Sprachen wurde das Programm übersetzt – unter anderem ins Französische und ins Arabische. „Es wird alles von Profis übersetzt. Alle Vokabeln sind vertont“, sagt Carolin Aschemeier. Ein Illustrator hat zudem sechs Protagonisten für das Lehrwerk entworfen.

Buchmesse

Simon Aschemeier hat „Deutschfuchs“ programmiert. Dabei habe er das Rad jedoch nicht neu erfunden. Das Konzept hält neben dem Lernwert auch den Unterhaltungswert hoch. Alle Übungen seien interaktiv.

Ende Januar des vergangenen Jahres begann die Testphase mit ausgewählten Lehrern. Die Markteinführung geschah im September 2019. Nur wenig später hat sich das Ehepaar auch auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert. Im September schließlich gewann „Deutschfuchs“ in Berlin den Vorentscheid zum Global EdTech Start-Up Award. „Damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Carolin Aschemeier.

Beide wissen, dass auch künftig der Markt für den Bereich Deutsch als Fremdsprache boomen werde. Als Grund dafür nennen Carolin und Simon Aschemeier unter anderem die Nachfrage nach fehlenden Fachkräften in Deutschland, zum Beispiel im Bereich der Pflege.

Eigentlich, so Carolin Aschemeier weiter, sei der „Deutschfuchs“ dem Markt in Deutschland ein Stück weit voraus. Denn für das Lehrwerk benötige der Lehrer einen Online-Zugang. Es gebe zwar Schulen in Deutschland, die die technischen Voraussetzungen hätten. Oft aber höre die 27-Jährige, dass man in einem Jahr wieder Kontakt mit ihr aufnehmen wolle. Im Vergleich zu den deutschen Schulen seien zum Beispiel viele Bildungseinrichtungen in der Türkei weitaus besser ausgestattet.

Das Ehepaar betont, dass man in der heutigen Zeit jedoch nicht nur digital unterrichten müsse, nur um der Digitalisierung Willen. „Dort, wo es Sinn macht, muss man auch digitale Hilfsmittel einsetzen. Man sollte aber nicht alles digital machen.“

Die Chancen

Nun fiebert das Ehepaar dem 23. Januar, dem GESA-Finale in London, entgegen. Insgesamt werden 1200 Besucher erwartet. Ihre Chancen auf den Gewinn will Carolin Aschemeier nicht zu hoch bewerten. Schließlich sei der „Deutschfuchs“ ein Produkt, „das ausschließlich Deutschland nutzt“. Aber es sei ein „starkes Nischenprodukt“. Es werden insgesamt 16 Start-Ups teilnehmen.

https://deutschfuchs.de/

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