Spektakuläre Aktion auf der Bauplattform der Espelkamper Thomaskirche Die neuen Glocken hängen

Espelkamp (WB/fq/ko). »Ein wenig anheben!« Die Kommandos im Nebel auf der mehr als 30 Meter hohen Bauplattform der Thomaskirche sind kurz, aber eindeutig. Jonas Burmann und Bernd Motzek von der Firma HEW bringen die neue Glocke IV der Kirche in die richtige Position.

Die zwei neuen Glocken – Glocke IV (vorne) und Glocke V (hinten) – sind eingehängt und befestigt worden. Jonas Burmann (roter Helm) überprüft die Glocke. Hardy Grewing (blauer Helm) dirigiert den Kran.
Die zwei neuen Glocken – Glocke IV (vorne) und Glocke V (hinten) – sind eingehängt und befestigt worden. Jonas Burmann (roter Helm) überprüft die Glocke. Hardy Grewing (blauer Helm) dirigiert den Kran. Foto: Felix Quebbemann

Hardy Grewing vom gleichnamigen Unternehmen in Lübbecke gibt die Kommandos

Freude über die neue Glocke Foto: Andreas Kokemoor

der beiden an den Kranführer weiter. »Jetzt langsam runterlassen.« Nur wenige Augenblicke später ist die Glocke in der richtigen Position, wird verankert und festgeschraubt.

Die Glocke IV hängt. Und damit ist ein weiterer Schritt zur Fertigstellung der Thomaskirche gemacht.

Nebel

Im Nebel des frühen Montagmorgen begann gestern einer der wohl wichtigsten Bauschritte bei der Sanierung des Gotteshauses. Denn die beiden neuen Glocken sind in den Kirchturm eingehängt worden. Dies war notwendig geworden, nachdem zwei Glocken durch den Brand im vergangenen Jahr so stark beschädigt wurden, dass sie nicht mehr zu benutzen waren.

»Ich hatte Bedenken, dass es heute mit dem Einhängen nicht klappen könnte«, sagte Friedrich Stork, Pfarrer der Martinskirchengemeinde, mit Blick auf den dichten Nebel. Doch der Nebel störte die Bauarbeiter nicht. Viel wichtiger war, dass es keinen Wind gab.

Und so startete gegen 9.30 Uhr die spektakuläre Aktion. Nachdem die erste Glocke im wahrsten Sinne des Wortes am Haken des Krans hing – schwer vertäut und gesichert – brachte der Kranführer das Seil auf Spannung und wenige Augenblicke später hing die erste Glocke bereits in der Luft.

Eingehängt

Beinahe majestätisch wurde sie hinauf zum Kirchturm gehoben, wo sie von den Handwerkern in Empfang genommen wurde. Nur wenig später war auch Exponat Nummer zwei auf dem Weg zur Plattform – weit über den Dächern von Espelkamp.

Vorsichtig wurden die Glocken vom Kran – unter genauesten Anweisungen – in ihre Position im Glockenturm manövriert – genau oberhalb der drei alten Glocken, die noch im Turm hängen.

Im Vergleich zu ihren älteren Pendants glänzen die beiden neuen Exemplare im typischen Bronzefarbton. Die Inschriften sind die ihrer Vorgänger nachempfunden: Auf der neuen Glocke IV, die etwa 500 Kilogramm wiegt, steht »Kyrie Eleison«. Auf Glocke V – Gewicht etwa 390 Kilogramm – ist zu lesen »Jesus Christus unser Heiland«. Darüber hinaus wurde am unteren Rand der beiden Exemplare auch der Hinweis auf die Geschichte der Glocken aufgebracht: »Gegossen aus Stahl A. D. 1961 + Durch Feuer zerstört A. D. 2018 + Neu gegossen A. D. 2019«.

Puffer

Pfarrer Stork erläuterte, dass es von Vorteil gewesen sei, dass die Glocken von oben in den Turm eingehängt werden konnten. Dies sei viel leichter als wenn die Glocken seitlich hätten eingehängt werden müssen. Küster Arnhold Steffan fügte an, dass man »komplett im Zeitplan« liege. Für die neuen Glocken habe man sich sogar einen Puffer von drei Tagen erarbeiten können. Am vergangenen Samstag seien noch die Vorbereitungen für das Einhängen getroffen worden. Wäre gestern aufgrund der Witterungsbedingungen die Glocken-Aktion nicht möglich gewesen, hätte sie auch noch in den kommenden drei Tage ohne Zeitverlust stattfinden können.

Verschalung

So aber hängen die Glocken an ihrem Platz. In dieser Woche solle auch das Stahlgerüst des Turms fertiggestellt werden. Und nur eine Woche später soll mit der Verschalung des Kirchturms begonnen werden. Neue Kupferplatten bringen der Thomaskirche ihr unverwechselbares Aussehen zurück. »Unser Ziel ist es, den Turm bis Ende des Jahres dicht zu haben«, sagte Steffan.

Wer nun aber glaubt, dass bereits am kommenden Wochenende das erste Glockenläuten aus dem Baugerüst erklingt, sieht sich getäuscht. Das wird noch ein wenig dauern. Nachdem der Turm komplett wieder verschalt ist, wird der Innenausbau weiter geführt. Darüber hinaus muss die komplette Elektrik verlegt und angeschlossen werden, so Steffan.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Sanierung der Thomaskirche ist die Fertigstellung der Empore. Diese Arbeiten würden aber erst nach der Verschalung des Turms beginnen, sagte Steffan. Er betonte, dass für alle Bauabschnitte die Aufträge bereits vergeben seien.

Erster Gottesdienst

Wenn alles nach Plan laufe, »sollte zu Pfingsten 2020 der erste Gottesdienst stattfinden können«, erklärte Steffan. Dies, so betonte er ausdrücklich, sei jedoch abhängig von der Witterung. Ein harter Winter, so bestätigten Steffan und Kirchbaumeister Kurt Henning, könne den Zeitplan jederzeit nach hinten schieben.

Doch zeigten sich alle Beteiligten mit dem jetzigen Stand der Arbeiten hoch zufrieden. »Alle Unternehmen haben hervorragende Arbeit geleistet. Das macht Spaß, ihnen zuzusehen und sie sind mit Leidenschaft dabei«, erklärten Henning und Steffan unisono.

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