Sanierung der Thomaskirche: Gemeindemitglieder besichtigen Gießerei Rincker
Zwei Glocken aus einem Guss

Espelkamp (WB). Eine weitere Hürde für den Wiederaufbau des Turms der Espelkamper Thomaskirche ist genommen.

Dienstag, 08.10.2019, 04:00 Uhr aktualisiert: 08.10.2019, 08:44 Uhr
Aus einem Tiegel wird zusätzliche glutflüssige Bronze in den Gießkanal gegeben. Die Besichtigung der Arbeiten in der Glocken- und Kunstgießerei im östlichen Westerwald hat viele neue Erkenntnisse gebracht. Foto: Christoph Heuer

Zwei neue Glocken aus Bronze werden die beiden stählernen Ursprungsglocken ersetzen, die beim Brand des Turms der Thomaskirche im März vergangenen Jahres irreparabel beschädigt wurden.

Entstehungsprozess

Interessierte Mitglieder der evangelischen Martins-Kirchengemeinde folgten vor zwei Wochen der Abkündigung im Gottesdienst und ließen sich die Chance nicht entgehen, den Entstehungsprozess der neuen Glocken für die Thomaskirche hautnah mitzuerleben. Nachdem die Denkmalbehörde grünes Licht gegeben hatte – eigentlich hätten Stahlglocken installiert werden müssen, doch passende waren nirgends mehr zu finden und werden auch nicht mehr hergestellt – konnte der hessischen Traditionsfirma Rincker der Auftrag zum Guss neuer Glocken erteilt werden.

Glockengießerei

Junior-Chef Christian Rincker und Mitarbeiter der gleichnamigen, seit 1590 im östlichen Westerwald ansässigen Glocken- und Kunstgießerei, erläuterten den Gästen aus Espelkamp »vor Ort«, welche Anforderungen an neue Glocken zu stellen sind und wie der Guss im Einzelnen vor sich geht. Erinnert wurde unter anderem daran, dass Glocken klanglich sowohl zum vorhandenen Geläut als auch zu den Geläuten der Umgebung passen müssen – im Falle Espelkamps also zu den Glocken der ganz in der Nähe befindlichen katholischen Kirche St. Marien.

Wissenswert ist außerdem, dass Bronzeglocken spielend ein Alter von vielen hundert Jahren erreichen können, wie die Besucher erfuhren: »Die älteste datierte Glocke aus dem Jahr 1038 erklingt noch heute in Bad Hersfeld. Stahlglocken begnügen sich hingegen mit einer Lebensdauer von nur 50 bis 60 Jahren«, erläuterten die Gießerei-Experten.

Schmelze

Nachdem ein gemeinsames Gebet gesprochen wurde, erlebte die Besuchergruppe aus Espelkamp, wie sich eine glutflüssige Schmelze aus Kupfer und Zinn ihren Weg suchte in die unter einer Sandabdeckung verborgenen Guss-Formen für die neuen Glocken der Thomaskirche. Der Prozess dauerte kaum zehn Minuten.

Dann verstummte der Lärm in der Gießhalle, und die Glocken konnten der Abkühlung über das anstehende Wochenende entgegensehen. Nicht nur die Besuchergruppe aus Espelkamp ist gespannt darauf, die fertigen Glocken demnächst in Augen- und Ohrenschein nehmen zu können.

Großer Schaden

Bei dem Brand der Thomaskirche im März 2018 wurde neben den beiden Glocken auch der markante Kirchturm stark in Mitleidenschaft gezogen. Darüber hinaus wurde der Innenraum der Thomaskirche ebenfalls schwer beschädigt. Seit kurzem jedoch können dort wieder Gottesdienste abgehalten werden. Die Sanierungsarbeiten am eingerüsteten Kirchturm schreiten ebenfalls voran.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6986413?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516048%2F
Flug mit Migranten aus Moria in Hannover gelandet
Unbegleitete minderjährigen Migranten, kranke Kinder oder Jugendliche sowie ihre Familien aus dem abgebrannten griechischen Lager Moria sind am Morgen in Hannover angekommen.
Nachrichten-Ticker