Vehlager Dorfgemeinschaft bietet beim Backtag Programm rund um die Kartoffel
Pferde, Schüler und ein Pufferkarussell

Espelkamp-Vehlage  (WB). Adonis und Anni sind am Sonntag neben Violetta, Jelly und Belana die Publikumslieblinge beim Backtag in Vehlage gewesen. Während die Letzeren drei Kartoffelsorten sind, handelt es sich bei den ersten beiden um Kaltblüterpferde, die bei einer Präsentation halfen, die Knollen aus der Erde zu holen.

Dienstag, 01.10.2019, 08:00 Uhr
Die belgischen Kaltblüter Adonis und Anni ziehen einen 100 Jahre alten Lanz-Kartoffelroder mit Fangkorb. Ihren Besitzer Wolfgang Zell aus Bassum konnte die Dorfgemeinschaft für die Aktion beim Vehlager Backtag gewinnen. Foto: Andreas Kokemoor

Denn Kartoffel hieß das Motto, zu dem sich die Dorfgemeinschaft ein Programm ausgedacht hatte, das Unterhaltung, Information und Leckeres aus Ofen und Pfanne bot. Den Auftakt machte ein Gottesdienst, gehalten von Pastor Michael Weber.

Keine Lieferengpässe: Tüftler Andreas Meschter aus Neuenkirchen mit seinem vollautomatischen Kartoffelpufferkarussell.

Keine Lieferengpässe: Tüftler Andreas Meschter aus Neuenkirchen mit seinem vollautomatischen Kartoffelpufferkarussell. Foto: Andreas Kokemoor

Wie zu Ur-Opas Zeiten

Trotz Regens ließen sich die Besucher danach gern ins Freie locken, denn Wolfgang Zell aus Bassum hatte am benachbarten Acker die beiden prächtigen belgischen Kaltblüter angespannt. Sie zogen einen 100 Jahre alten Lanz. Nein, nicht etwa einen Traktor, sondern vielmehr einen Flügelrad-Kartoffelroder der bekannten alten Landmaschinen-Marke Lanz. Der Bassumer, der auf Anfrage der Vehlager gern die bäuerliche Arbeit aus Opas und Ur-Opas Zeiten zeigte, erklärte, dass der zugehörige Fangkorb (ein Exemplar der Firma Grimme) seinerzeit zwei Arbeitskräfte ersetzte.

Den Acker stellte die Familie Bredebusch für das gemeinsame Projekt von Dorfgemeinschaft und Grundschule Benkhausen zur Verfügung. Auf insgesamt 2000 Quadratmetern wuchsen seit dem Frühjahr fünf verschiedene Sorten Kartoffeln, die die Schüler selbst dort in den Boden gelegt hatten. Am großen Kartoffel-Backtag durften sie die Ernte mit eigenen Händen wieder aufsammeln.

Rote Laura und blaue Elise

Dabei waren Sorten mit schönen Namen wie »Blaue Elise« (ihr Fruchtfleisch ist blau) oder Laura (mit roter Schale), die sich sehr gut für Pommes und Ofenkartoffeln eignet. Die Kinder brachten sie mit großen Körben zu Herbert Trocha und Ortsvorsteher Friedhelm Meier, die eine ebenfalls historische Kartoffelsortiermaschine bedienten. Trocha drehte die Handkurbel, so dass die Kartoffeln gerüttelt wurden und nach Größe sortiert durch ein Rost fielen.

Für den Aktionstag hatten die Schüler auch extra ein Kartoffel-Lied geübt. Dabei hielten sie die Buchstaben des Wortes hoch und besangen die Wichtigkeit der besonderen Feldfrucht.

500 Reibekuchen pro Stunde

Große Augen machten viele Besucher bei Andreas Meschter aus Neuenkirchen. Er war mit seinem selbst entwickelten und patentierten Kartoffelpufferkarussell in Vehlage. Die Puffer drehten im heißen Pflanzenfett in der vollautomatischen Reibekuchenbackanlage ihre Runden. Der Kunde konnte zuschauen, wie die Puffer gebacken, gewendet und nach genau kalkulierter Zeit knusprig und goldbraun auf ein Tablett ausgeworfen wurden. »Die Maschine schafft 500 Puffer pro Stunde«, erklärte ihr Erfinder. Serviert wurde die Leckerei mit Apfelmus oder Kräuterdip. »Zurzeit arbeite ich an einer neuen Maschine«, verriet der Maschinenbaumechanikermeister: »An einem Infrarot- Bratwurst-Grill-Karussell.«

Der Regen tat dem Andrang beim Backtag keinen Abbruch. So kauften viele Ausflügler am Kartoffel-Stand von Helga Helmich und Manuela und Günter Weitkamp die frischen Kartoffeln gleich säckeweise. Den Steinbackofen hatte Erwin Dümke schon am frühen Morgen mit Buchenholz angeheizt. In aller Frühe standen auch die Bäcker auf und bereiteten bei Nolte die fünf Bleche Butter- und sechs Bleche Pflaumenkuchen vor. Diese holte Dorfgemeinschaftsbäcker Dieter Bredebusch ab und schob sie für nur wenige Minuten in den Steinbackofen, der noch am Nachmittag 300 Grad heiß war. Passend zum Start des Dorffestes waren die Plattenkuchen fertig.

Gilda Frerichs und Wilma Stolpmann gehörten zu den emsigen Frauen der Vehlager Dorfgemeinschaft, die in der guten Stube die Kuchenstücke fast noch warm, frisch vom Blech auf Wunsch mit Sahne und dazu einer Tasse Kaffee servierten.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6970274?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516048%2F
Nach Innenstadt-Attacke: Tatverdächtiger wieder frei
Im Krankenhaus haben Polizisten der Familie Hammoud eine Gefährderansprache gehalten. Foto: Ruthe
Nachrichten-Ticker