Info-Veranstaltung zum Gemeindezentrum Gestringen: Pfarrer will Zahlen nachreichen
Heftige Kritik an Vorgehensweise

Espelkamp-Gestringen (WB). Das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Alswede hat am 20. August beschlossen, das Gemeindezentrum Gestringen aufzulösen. Als Grund wurde die angespannte finanzielle Lage genannt. Bei der Bürgerversammlung zu diesem Thema am Donnerstagabend entbrannte eine hitzige Diskussion.

Sonntag, 01.09.2019, 10:04 Uhr aktualisiert: 01.09.2019, 10:06 Uhr
Pfarrer Klaus-Dieter Obach (hinten links) diskutiert mit Bernd Wlotkowski (hinten rechts), Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Gestringen. Wlotkowski fühlte sich »hinter die Tanne geführt«, wie er sagte. Die Gestringer fühlten sich durch das Vorgehen ausgeschlossen. Foto: Eva Rahe

Die Stimmung unter den Teinehmern in der Gestringer Trinitatiskirche war aufgebracht, als Pfarrer Klaus-Dieter Obach begann, die Details des Beschlusses zu erläutern. Seine Ausführungen wurden immer wieder durch Zwischenrufe unterbrochen. Von »Lügen« war die Rede, von »falschen Zahlen« und »Kungeleien«. Das Presbyterium hatte einen unabhängigen Diskussionsleiter ins Boot geholt. Der Gestringer Hartmut Gebauer schaffte es immer wieder, Ruhe in die erhitzte Sitzung zu bringen und alle zu Wort kommen zu lassen.

Klaus-Dieter Obach erläuterte die Funktionen der einzelnen Institutionen in der Kirchengemeinde Alswede. Das Presbyterium habe die Aufgabe, die Finanzen und die Gemeinde zu verwalten. Der Förderverein sei kein Fachausschuss des Presbyteriums. Das sei auch der Grund, warum er an der Beschlussfassung nicht beteiligt gewesen sei. Dies wurde in der Bürgerversammlung, die vom Presbyterium als Informationsveranstaltung geplant war, stark kritisiert.

Große Diskussionen

Klaus-Dieter Obach führte weiter aus, dass der Förderverein 2005 gegründet worden sei, um den Standort Gestringen zu finanzieren. Dieser Aufgabe sei der Förderverein allerdings nie in Gänze nachgekommen. So habe der Förderverein im Jahr 2018 beispielsweise 13.830 Euro gezahlt, der restliche Betrag von 18.932 Euro sei vom Kirchenkreis gekommen. Auf die Ausführungen von Pfarrer Obach erklärte ein Gemeindeglied: »Wir Gestringer sind auch die Gemeinde und ohne Gemeinde läuft gar nichts.«

Im Anschluss lud Hartmut Gebauer zu weiteren Wortmeldungen ein. Finanzkirchmeister Wilhelm Schnelle erklärte, dass er die Entscheidung für die Schließung für »immer richtiger« halte. Und auch die Vorgehensweise, zuerst den Beschluss zu fassen, dann über die Presse zu informieren und als letztes die Info-Veranstaltung zu machen, halte er für richtig: »Dieses Vorgehen soll eine friedensstiftende Wirkung haben.« Hätten sie es anders gemacht, wäre ein heftiger Streit programmiert gewesen. »Die Kirchengemeinde soll nicht gespalten werden«, erklärte er. Auf Nachfrage beteuert er, dass er zu keiner Zeit dazu genötigt worden sei, aus dem Förderverein auszutreten.

Der Sachverhalt, dass das Presbyterium mit sofortiger Wirkung seinen Vertreter aus dem Vorstand des Fördervereins abgezogen hatte, sorgte für große Diskussionen. Uwe Lomberg, Vorsitzender des Fördervereins, habe davon aus einem Auszug des Protokollbuchs der Presbyteriumssitzung erfahren, der morgens in seinem Briefkasten gelegen habe. Ohne ein geborenes Mitglied aus dem Presbyterium sei dem Förderverein jegliche Möglichkeit genommen worden, ein tragfähiges Konzept vorzulegen. »Wir haben damit einen Rausschmiss kassiert und brauchen uns eigentlich gar nicht mehr zu bemühen« sagte er.

An einen Tisch

Zudem habe Lomberg mehrfach versucht, mit dem Presbyterium in Kontakt zu treten, nachdem er von dem Beschluss aus der Zeitung erfahren habe. Auch habe er ein gemeinsames Gespräch mit dem Presbyterium beim Kirchenkreis vorgeschlagen, was abgelehnt wurde. Pfarrer Obach entgegnete, dass er den Förderverein über die aktuellen Zahlen immer informiert habe.

Der Vorstand des Fördervereins äußerte starke Zweifel daran, dass die Vorlage eines tragfähigen Konzeptes zur Weiterführung des Gemeindezentrums überhaupt noch Auswirkungen auf den Beschluss des Presbyteriums habe. Auf mehrfache Nachfrage erklärte Martin Lückermann (Kirchbaumeister), er stehe persönlich dafür ein, dass das Presbyterium seinen Beschluss zurückziehen würde, wenn bis zum 31. Oktober ein tragfähiges Konzept vorliege. Wolfgang Petring vom Vorstand des Fördervereins forderte diesbezüglich handfeste Zahlen, zum Beispiel über den tatsächlichen Stand der Gemeindemitglieder. Klaus-Dieter Obach versprach, diese Zahlen innerhalb der nächsten Woche zu liefern. Auf den Vorschlag, dass sich Förderverein und Presbyterium noch einmal an einen Tisch setzen, um gemeinsam etwas auszuarbeiten, konnte man sich allerdings nicht einigen.

Auch die aktuellen Zahlen der angegebenen Besucher pro Gottesdienst seien fraglich. Hier habe der Förderverein eine ganz andere Zahl errechnet. Hierzu erklärte Presbyterin Ulrike Höppner, dass bei einem normalen Gottesdienst maximal 20 Personen in der Gestringer Kirche sitzen würden. Wenn also eine Zahl von 41 Personen im Durchschnitt im Raum stände, dann sei das wirklich ein Durchschnitt, der durch die drei Veranstaltungen im Jahr, bei denen die Kirche voll sei, angehoben werden würde. »Für jeden Gottesdienst, der hier stattfindet, muss sich ein Pfarrer akribisch vorbereiten«, sagte Höppner. »Wir müssen uns doch fragen, ob es nicht an uns allen liegt, wenn dieses Haus so wenig genutzt wird. Wir sind eine Kirchengemeinde, aber warum gehen die Leute lieber nach Alswede?«

Gebet zum Abschluss

Eine andere Stimme aus der Gemeinde fragte, was mit den aktiven Gruppen passieren würde. Das Gemeindezentrum sei schließlich auch Treffpunkt und Versammlungsort. Klaus-Dieter Obach erklärte, dass alle Gruppen weitergeführt werden sollen. Zudem solle ein Fahrdienst eingerichtet werden, für alle, die nicht mobil seien. »Wir wollen das Gemeindeleben nicht kaputt machen«, sagte er.

Pfarrer Reinhard Ellsel sagte: »Es scheint doch ein Anliegen der meisten hier zu sein, nach einer Lösung zu suchen. Wir sollten uns zusammenzusetzen und nach vorne schauen.« Mit einem gemeinsamen Gebet wurde die Versammlung geschlossen.

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