Mitfahrbank in Gestringen – Leserin äußert Besorgnis – Wlotkowski betont Freiwilligkeit
Prinzip baut auf Vertrauen auf

Gestringen (WB). Die Mitfahrbank in Gestringen soll für mehr Mobilität im ländlichen Raum sorgen. Vor einigen Tagen ist das Projekt an den Start gegangen.

Freitag, 02.08.2019, 07:00 Uhr
Die Mitfahrbank in Gestringen ist in der Region eine einmalige Idee. Foto: Andreas Kokemoor

Wie der Erfolg in der Anfangszeit ist, vermochte Bernd Wlotkowski, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft, noch nicht genau zu sagen. Eine Erhebung wurde noch nicht vorgenommen.

Große Resonanz

Immer wenn er an einer Bank vorbeigefahren sei, sei diese leer gewesen. Dies könne natürlich zweierlei bedeuten: einerseits, so Wlotkowski, könne es sein, dass das Interesse nicht so groß ist wie erhofft. Andererseits aber könnten die leeren Bänke auch darauf hindeuten, dass die Personen, die eine Mitfahrgelegenheit suchten, nach nur kurzer Zeit bereits mitgenommen worden seien.

Beim Aktionstag jedenfalls stieß die Idee auf große Resonanz und sowohl Mitfahrende wie auch Fahrer zeigten sich von dem Projekt begeistert.

Besorgnis

Doch es gibt auch besorgte Äußerungen zur Mitfahrbank. So teilte eine Leserin dieser Zeitung mit, dass es ja schon recht mutig sei, in der heutigen Zeit bei fremden Menschen ins Auto steigen. Zudem, so hieß es weiter, sei es ja auch kein gutes Beispiel für Kinder, denen man aus gutem Grund beibringe, nicht bei fremden ins Auto zu steigen.

Wlotkowski erläuterte darauf, dass man als Fahrgast ja zunächst einmal die Chance habe zu entscheiden, ob man in ein anhaltendes Auto einsteigen wolle oder nicht. Es bleibe ja den Gästen der Mitfahrbank überlassen, ob sie für sich sagen, dass sie allerhöchstens in das Auto des »drittnächsten Nachbarn« einsteigen wollen oder doch auch in Fahrzeuge, die nicht direkt aus der Nachbarschaft kommen.

Vertrauen

Das Nutzen der Mitfahrbank sei eine rein freiwillige Sache und man müsse es nicht machen. Darüber hinaus betonten die Initiatoren immer, dass man nur in ein Fahrzeug einsteigen solle, wenn der Fahrgast den Fahrer als vertrauenswürdig einschätze. »Das Prinzip der Mitfahrbank baut auf Vertrauen im ländlichen Raum auf«, erklärte Wlotkowski weiter.

Er verstehe die Sorgen und Ängste, sagte aber auch, dass man dann aufgrund der Geschehnisse der jüngeren Vergangenheit zum Beispiel auch Fahrten mit dem Zug meiden müsse.

Wer Angst habe, so Wlotkowski weiter, solle die Mitfahrbank nicht nutzen. Das Projekt baue auf Vertrauen auf. Zudem machte er auch deutlich, dass sich die Mitfahrbank in erster Linie an Erwachsene richte und nicht an kleine Kinder. Das Prinzip der Mitfahrbank erlebt derzeit in Deutschland eine steigende Nachfrage. Es seien ihm auch noch keine negativen Erfahrungen bei der Nutzung von Mitfahrbänken zu Ohren gekommen, erklärte Wlotkowski gegenüber dieser Zeitung.

Vorreiter

Im Kreis Minden-Lübbecke ist Gestringen mit der Idee Vorreiter. Im Bergischen und in der Eifel soll es zwei Mitfahrbänke geben. Insgesamt, so Wlotkowski, gebe es zwischen 50 und 100 Mitfahrbänke in Deutschland. Und er betonte noch einmal die Freiwilligkeit der Idee, die für mehr Mobilität auf dem Land sorgen soll. Damit die Idee ihren Bekanntheitsgrad weiter steigert, soll es im September einen weiteren Aktionstag geben. Dann wird die Idee erneut – wie im Juli – explizit beworben. Das Projekt, so Wlotkowski weiter, sei zunächst auf drei Jahre ausgelegt. Dann werde eine Bilanz gezogen.

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