Umweltorganisation gibt Ergebnisse der Wasseranalysen bekannt
Zu hohe Nitratwerte im Wasser

Espelkamp (WB). Der VSR-Gewässerschutz musste erneut Espelkamper Bürgern mitteilen, dass ihr Brunnenwasser zu viel Nitrat enthält. Viele Menschen kamen in der Hoffnung, dass ihr Brunnenwasser nicht von den Nitratbelastungen betroffen ist, an den Informationsstand am 13. Mai auf dem Wilhelm-Kern-Platz (wir berichteten).

Mittwoch, 03.07.2019, 12:31 Uhr aktualisiert: 03.07.2019, 12:34 Uhr
Harald Gülzow (links) informiert Brunnennutzer über hohe Nitratbelastung seines Wassers.

Jeder fünfte Brunnenbesitzer wurde enttäuscht und musste erfahren, dass der Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter in seinem Brunnen überschritten ist. Insgesamt wurde das Wasser von 36 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Espelkamp – Stemwede – Preußisch Oldendorf – Rahden analysiert.

Ein Grund für die hohen Belastungen sei die intensive Landwirtschaft. Diese habe sich in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter ausgebreitet, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz . »Die bisherigen Düngeverordnungen ermöglichten der Agrarindustrie zu wachsen und ihre landwirtschaftlichen Flächen auf Kosten der Umwelt zu überdüngen.«

123 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Rahden-Stelle

Die Gewässerschutzorganisation rät Bürgern, bei ihrem Einkauf bewusst darauf zu achten, dass die Produkte von Landwirten stammen, die die Nitratbelastungen und die Sorgen der Menschen in der Region ernst nähmen.

Diplom-Physiker Harald Gülzow, Projektleiter im VSR-Gewässerschutz und Milan Toups, Bundesfreiwilliger, fanden bei den Untersuchungen 123 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Rahden-Stelle. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Hüllhorst mit 60 Milligramm pro Liter (mg/l), Gehlenbeck mit 55 mg/l, Fabbenstedt mit 117 mg/l, Varl mit 60 mg/l, Wehdem mit 60 mg/l und Getmold mit 65 mg/l fest.

»Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt«

Am Informationsstand und auch bei der telefonischen Beratung zeigten viele Brunnenbesitzer, dass sie über die Nitratbelastungen der Region verärgert sind. »Sie möchten es nicht mehr einfach hinnehmen, dass ihr Brunnenwasser nur eingeschränkt nutzbar ist.« Ärgerlich sei, dass das Wasser nicht zum Befüllen von Gartenteichen geeignet ist. »Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Abgestorbene Pflanzen können anschließend zu Fischsterben führen. Auch beim Gießen des selbst angebauten Gemüses sollte das Brunnenwasser nicht zu einer Nitratanreicherung führen«, so Gülzow.

Wer den Termin am Labormobil verpasst habe, könne eine Wasserprobe auch mit der Post an die Geschäftsstelle senden. Die gemeinnützige Umweltschutzorganisation hat auf ihrer Homepage Tipps rund um das Thema Brunnenwasser zusammengestellt.

Die erneut anstehende Novellierung der Düngeverordnung zeige, dass »etwas mächtig schief gelaufen ist«. Die Nitratbelastung im Grundwasser sei aufgrund von zu laschen Düngeverordnungen unverändert hoch geblieben. »Die Agrarlobby sorgte über Jahrzehnte dafür, dass so gedüngt werden durfte, dass auf den Feldern die höchst möglichen Erträge erzielt werden können und die Gülleentsorgung der Massentierhaltungen möglichst geringe Kosten verursacht«, so Susanne Bareiß-Gülzow. So wurden auch im Raum Espelkamp viel zu hohe Düngemengen aufgebracht.

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