Haus der Geschichte in Espelkamp: Zu hohe Kosten zwingen zum Umdenken »Abgespeckte Variante« muss her

Espelkamp (WB). Die Pläne für das Haus der Geschichte werden noch einmal überarbeitet und neu kalkuliert. Sonst hätte das Projekt den Haushalt der Stadt über Gebühr belastet.

Von Felix Quebbemann
Sie haben damals das Grobkonzept zum Haus der Geschichte vorgestellt: Torsten Siemon (rechts), André Stargardt (links) und Planer Dr. Ulrich Hermanns. Nun muss ein neuer Plan her. Denn der erste Entwurf war zu teuer.
Sie haben damals das Grobkonzept zum Haus der Geschichte vorgestellt: Torsten Siemon (rechts), André Stargardt (links) und Planer Dr. Ulrich Hermanns. Nun muss ein neuer Plan her. Denn der erste Entwurf war zu teuer.

Torsten Siemon, zuständiger Sachgebietsleiter in der Stadtverwaltung, erläuterte den Politikern des Kulturausschusses den derzeitigen Sachstand in der vergangenen Sitzung.

Nachhaltigkeitsstudie

Zunächst einmal erläuterte Siemon, auch wenn in den vergangenen Monaten wenig über das Projekt gesprochen worden sei, bedeute dies nicht, dass sich nichts getan habe in dem Bereich. Ganz im Gegenteil habe es eine Nachhaltigkeitsstudie gegeben. Darin wurde kalkuliert welche Kosten anfallen.

Das Grobkonzept von Planer Dr. Ulrich Hermanns sah einen »modernen Kubus« vor, wie Siemon weiter erläuterte. Damit würden Investitionen von sieben bis acht Millionen Euro anfallen, erläuterte der Sachgebietsleiter. Bei der Summe gingen bei einigen Ausschuss-Mitglieder die Augenbrauen nach oben. Siemon beschwichtigte zwar noch, dass von dieser Summe 80 Prozent gefördert werden würden.

Betriebskosten

Doch die dann folgenden Zahlen sollten zeigen, dass der Plan A mit dem Kubus wohl nicht umsetzbar ist. Siemon erläuterte, das vor allem die laufenden Betriebskosten, die Abschreibungen und weitere Positionen den Haushalt mit einer Summe von 750.000 Euro belasten würden. Siemon sagte dazu: »Das ist so nicht darstellbar.«

Er machte aber auch deutlich, dass die Verwaltung nicht gewillt sei, das Projekt einfach so einzustellen. Vielmehr stellte er einen Plan B vor. Siemon sprach von einer »abgespeckten Varianten« bei der es zum Beispiel keinen kompletten Neubau eines Gebäudes geben werde. Man müsse das Haus der Geschichte in einen Bestandsbau unterbringen. Vorgesehen war ja unter anderem, das alte Postgebäude abzureißen und dort den modernen Kubus zu platzieren.

Folgekosten

»Was den Betrieb des Hauses so teuer macht, ist eigentlich das, was wir nicht haben wollen«, führte Siemon weiter aus. So soll das Stadtmuseum eigentlich in erster Linie eine Dauerausstellung beherbergen, die nur in großen Zeitabständen marginal verändert wird.

Das ursprüngliche Sieben-Millionen-Konzept sieht unter anderem aber auch Wechselausstellungen vor. »Dafür benötigen wir Personal«, sagte Siemon. Eine Dauerstellung hingegen koste nicht viel. »Die Bereiche, die wir nicht haben wollen, treiben die Kosten in die Höhe«, wiederholte Siemon. Und er machte auch ganz deutlich, dass die Stadt mit den hohen Folgekosten eines Hauses der Geschichte »alleine gelassen wird«. Auch den Planer habe man bereits davon unterrichtet, dass die Stadt eine kostengünstigere Alternative bevorzuge.

Verlustabdeckung

Bürgermeister Heinrich Vieker übernahm das Wort und stellte heraus, dass durch eine jährliche Verlustabdeckung von 750.000 Euro die Grundsteuer um 100 Prozentpunkte angehoben werden müsste, um diese Ausgabe auszugleichen. »Da haben wir ruckzuck einen Ratsbürgerentscheid.« Vieker fügte an, dass die Stadt mit dem Haus der Geschichte keinen finanziellen Drahtseilakt vornehmen dürfe.

Passende Größe

Die Stadt benötige etwas, das »auch zur Größenordnung Espelkamps passt«. Der Bürgermeister betonte die Dringlichkeit eines solchen städtischen Museums. »Die Zeitzeugen sterben. Wir müssen jetzt etwas machen.«

Es sei ein Spagat für alle Beteiligten. »Wir müssen das darstellen können, was uns wichtig ist; aber wir müssen es uns auch leisten können und auch für die Nachwelt erhalten.

Weitere Informationen

Die Verwaltung wird die Politik umgehend darüber informieren, wenn neue Zahlen zur Variante B vorliegen, hieß es abschließend nach den Bekanntgaben.

Im Mai des vergangenen Jahres hatte die Verwaltung mit Torsten Siemon und dem Kulturausschuss-Vorsitzenden André Stargardt (SPD) sowie Planer Dr. Ulrich Hermanns ein erstes Konzept zum Haus der Geschichte erarbeitet und dies den Bürgern vorgestellt. Gleichzeitig plädierten alle Beteiligten, dass man sich im Verlauf des Verfahrens um größtmögliche Transparenz bemühe.

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