Mitarbeiter der Wittekindshofer Betriebsstätte Benkhausen besichtigen Firma Stanger
Wertschätzung steigert den Spaß

Espelkamp (WB). »Kann ich jetzt arbeiten?«, fragt Andrea Dykier und schaut sich suchend nach einer Möglichkeit um, tätig zu werden.

Montag, 03.06.2019, 17:01 Uhr aktualisiert: 03.06.2019, 17:04 Uhr
Wiedererkennungswert: Christian Kleinschmidt aus der Werkstatt Benkhausen hat zusammen mit Heilerziehungspflegerin Sylke Mohning Klebestifte entdeckt, die in Benkhausen tagtäglich verpackt werden. Foto: Hanna Paßlick

Es ist neun Uhr am Morgen, und normalerweise würde die junge Frau um diese Zeit an ihrem Arbeitsplatz in der Betriebsstätte Benkhausen der Wittekindshofer Werkstätten sitzen und Stifte sorgfältig in Klarsichttüten einsortieren.

Schnell zur Stelle

Dass sie an diesem Tag nicht arbeitet und stattdessen in einer fremden Produktionshalle steht, passt nicht zu ihrer täglichen Routine. Eine ungewohnte Situation für die junge Frau. Doch Freundin Anke Rabe ist schnell zur Stelle, nimmt ihre Hand und erklärt, dass sie morgen wieder Stifte verpacken dürfe. Dykier ist erleichtert, lächelt und konzentriert sich wieder auf das, was um sie herum passiert.

Sie ist Teil einer Gruppe von Männern und Frauen, die durch die Produktionsstätte des Familienunternehmens Stanger geführt wird – als Wertschätzung für die Arbeit, die sie verrichten.

Seit mehr als sechs Jahren verpacken die Mitarbeitenden der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) im Auftrag der Firma Stanger Stifte, Kleider und Farben. In Benkhausen werden Kommissionierungs-, Verpackungs- und Montagearbeiten verrichtet. »Für Menschen mit und ohne Behinderung ist es wichtig, einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen und etwas Sinnvolles zu tun«, erklärt Heilerziehungspflegerin Tina Möller, die die Gruppe aus Benkhausen begleitet. Die Mitarbeitenden würden Tätigkeiten verrichten, die individuell auf sie zugeschnitten sind und damit die Möglichkeit eröffnen, sich persönlich wie beruflich weiterzuentwickeln.

Tolle Gelegenheit

In diesem Zusammenhang sei der Besuch bei der Firma Stanger eine tolle Gelegenheit, betonen Möller und ihre Kollegin Sylke Mohning, die den Ausflug ebenfalls begleitet: »Hier erfahren die Männer und Frauen mit Werkstattvertrag Anerkennung und Wertschätzung für ihre Arbeit. Zu sehen, wo die Produkte, die sie verpacken, hergestellt werden, stärkt ihr Selbstwertgefühl und steigert ihre Motivation.«

»Guck mal, hier wohnen unsere Stifte«, ruft Anke Rabe derweil begeistert gegen den Lärm der röhrenden Maschinen an und zeigt auf die bunten Textilmarker, die aufeinandergestapelt in riesigen Kisten lagern. Stanger-Mitarbeiterin Nicole Niemeier führt die Gruppe durch die großen Hallen, vorbei an vollgepackten Regalen und großen Bottichen voller Kleber und Farbdosen hin zu einem gewaltigen Kessel, der schon von weitem knallig orange leuchtet.

Sprühtest

»Hier drin wird Farbe angerührt, die in unseren Produkten landet«, erklärt Niemeier. Ihre Besucher blicken neugierig in den Kessel, stellen Fragen und lauschen den Erklärungen. Ein paar Meter weiter führt eine Mitarbeiterin Sprühtests mit Farbdosen durch. Ein Produkt, das die Mitarbeiter der Wittekindshofer Werkstatt noch nicht von ihrer Arbeit kennen – und fasziniert beobachten, was damit geschieht.

Zum Abschluss bedanken sie sich bei Nicole Niemeier – doch die erklärt vehement: »Sie brauchen sich nicht bedanken, wir müssen Ihnen danken. Wir finden es toll, dass Sie für uns arbeiten. Sie machen das großartig.«

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