Aart De Geus referiert beim 47. Wirtschaftskreis in Espelkamp vor 150 Unternehmern und Politikern
»Die beste Welt, die es jemals gab«

Espelkamp (JP). Vom Aufschwung am Arbeitsmarkt, aber auch von Problemen, die Digitalisierung und Globalisierung mit sich bringen, hat Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmannstiftung, beim 47. Wirtschaftskreis Lübbecke referiert. Etwa 150 Unternehmer aus Lübbecke und Espelkamp sowie Vertreter aus der Politik hörten ihm in der Alten Gießerei gebannt zu.

Donnerstag, 02.05.2019, 23:00 Uhr
Beim 47. Wirtschaftskreis in Espelkamp (von links): Armin Gauselmann (Gauselmann-Gruppe), Claus Buschmann (Wirtschaftsförderer Stadt Lübbecke), Aart De Geus (Vorstandsvorsitzender Bertelsmannstiftung) und Frank Haberborsch (Bürgermeister Stadt Lübbecke).

Der Wirtschaftsförderer der Stadt Lübbecke, Claus Buschmann, als Veranstalter und Gastgeber Armin Gauselmann, stellvertretender Vorstandssprecher der Gauselmann-Gruppe, begrüßten die Teilnehmer. Anschließend sprach Aart De Geus zum Thema »Zukunft der Arbeit – machbar wenn wir uns bewegen!«. »Wir leben in der besten Welt, die es jemals gab. Wir arbeiten weniger, leben länger, wir leben gesünder, wir haben freien Zugang zu Medien und Wissen. Immer mehr Menschen erfahren Bildung und erhalten so eine Chance auf ein besseres Leben. Auch in den ärmsten Ländern dieser Welt«, sagte er. »Wir haben ein Einkommen, das in der Geschichte Deutschlands noch nie so hoch war und wir haben über 70 Jahre Frieden.«

In Deutschland erlebe man gegenwärtig den längsten Arbeitsmarktaufschwung seit Mitte der 1960er Jahre, sagte Aaart De Geus. Mit etwas mehr als 45 Millionen Erwerbstätigen hätten so viele Menschen in Deutschland eine Arbeit wie noch nie zuvor, sagte der Vorstandsvorsitzende und begründete den wirtschaftlichen Erfolg in Deutschland, insbesondere auch im deutschen Mittelstand, unter anderen damit, dass die Unternehmer moralisch und verantwortungsvoll handeln würden.

Viele von Altersarmut betroffen

»Aber nicht alle Menschen haben vom Arbeitsmarktaufschwung profitiert. In Deutschland sind aktuell etwa 760.000 Menschen langzeitarbeitslos. Auch vielen Menschen, die eine Arbeit ausüben, könnte es besser gehen. In diesem Jahr zählen wir mehr als vier Millionen Beschäftigte im Niedriglohnsektor«, sagte Aart De Geus. Das seien oft Menschen, die mit einem Job nicht genug verdienen würden und mehr arbeiten müssten für ihren Lebensunterhalt. Er verwies in diesem Zusammenhang auf Familien mit Kindern und auf Alleinerziehende, die besonders von Armut und Altersarmut betroffen seien.

Zwischen 1995 und 2015 sei die Mittelschicht in den OECD-Ländern um zehn Prozent geschrumpft. Laut der Organisation sei auch die Entwicklung der Wohnkosten für den Rückgang der Mittelschicht verantwortlich. Mittlerweile müsse die Mittelschicht etwa ein Drittel ihres Einkommens für Wohnkosten aufwenden, sagte Aart de Geus. »In Deutschland ist die soziale Mobilität außerordentlich gering. Anders ausgedrückt der Fahrstuhleffekt ist hierzulande kaputt. Während in Dänemark ein Einkommensaufstieg aus den ärmsten zehn Prozent in die Mittelschicht innerhalb von zwei Generationen gelingen kann, dauert es in Deutschland im Schnitt sechs Generationen. Das sind fast 200 Jahre«, sagte Aart De Geus. »Die aktuellen gesellschaftlichen Umbrüche sind im Wesentlichen die Folge der drei Megatrends, die wir beobachten können. Das sind der demografische Wandel, die Globalisierung und die Digitalisierung«, sagte Aart De Geus.

Er betonte, wie wichtig die Bildung und auch die Weiterbildung der Arbeitnehmer sei, um in einem globalen Wettbewerb bestehen zu können. Zudem sprach er sich für die Stärkung flexibler Arbeitsmodelle aus. In der Diskussionsrunde betonte Aart De Geus, dass es ein größeres Bewusstsein für die Weiterbildung bei den Arbeitnehmern und auch den Arbeitgebern geben müsse.

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