Kreisverbandstag der Landwirt in Espelkamp – Staatssekretär stellt Rechtslage vor
Düngung ist »Thema des Jahres«

Espelkamp (WB). Das »Thema des Jahres« für die Landwirte in ganz Nordrhein-Westfalen ist und bleibt die neue Düngeverordnung. Das machte Heinrich Bottermann, Staatssekretär im NRW-Landwirtschaftsministerium, beim Kreisverbandstag in Espelkamp deutlich.

Montag, 04.03.2019, 07:26 Uhr aktualisiert: 04.03.2019, 07:30 Uhr
Den Fragen der Landwirte haben sich beim Kreisverbandstag in Espelkamp gestellt (von links): Stefan Schmidt (Vorsitzender der Kreislandjugend), Holger Topp (Geschäftsführer Landwirtschaftlicher Kreisverband), Iris Niermeyer (Teamsprecherin Kreislandfrauen), Rainer Meyer (Vorsitzender Landwirtschaftlicher Kreisverband), Dr. Heinrich Bottermann (Staatssekretär für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW), Joachim Schmedt (Stellvertretender Vorsitzender Landwirtschaftlicher Kreisverband).

Rainer Meyer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke, wiederholte seine Forderung, die fortschreitende Bürokratisierung zu stoppen. Er legte im Bürgerhaus Espelkamp eine Resolution für den Erhalt der heimischen Landwirtschaft vor. Weitere Themen des Abends waren die »Vier K« der Schweinehaltung.

EU-Auflage zum Nitrat

Zur Düngeverordnung (DuV) erklärte Bottermann, die Bundesregierung müsse nach einer EU-Auflage die Nitratrichtlinie in zwei Punkten nachjustieren. Dies betreffe auch die Nitratbelastung im Grundwasser. »Passiert das nicht, ist mit einer Strafe von 800.000 Euro pro Tag zu rechnen«, sagte er. Alle Grundwassermessstellen im Land seien evaluiert worden. Dabei sei fraglich, wieso einige besonders hohe Werte aufwiesen, die aber keine Korrelation zu den Gesamtmessstellen zeigten. Es müsse feinstufiger gemessen werden: »Wir müssen die Grundwasserkörper in ihrer Belastung feiner unterscheiden und die belasteten Gebiete in feinere Segmente unterteilen«, sagte der Staatssekretär.

Eine Reduzierung der Düngung in den sogenannten »roten Gebieten« (mit erhöhten Messwerten), wie sie nun gefordert werde, sei für die Landwirte nicht tragbar, erklärte der Vorsitzende des Kreisverbandes, Rainer Meyer. Im Mühlenkreis seien davon 40.000 Hektar Fläche betroffen. »Die jährliche stufenweise Reduzierung der Düngung um zwanzig Prozent hätte maßgebliche Folgen für die Qualität der Erträge«, so Meyer. »Bei dieser Abwärtsspirale gibt es keine Untergrenze.« Was passieren könne, hätten schon Versuche in Dänemark gezeigt: »Die Erträge waren weg, die Qualität des Getreides gesunken, aber an der Wasserqualität hat sich nichts geändert.«

»Wasser hat Gedächtnis«

Rainer Meyer kritisierte, dass die Ergebnisse der Novellierung der Düngeverordnung von 2017 nicht erst abgewartet würden. »Wasser hat ein Langzeitgedächtnis«, erklärte auch Heinrich Bottermann, »deshalb brauchen wir ein Gesamtkonzept, wie wir die Wasserwirtschaft vorantreiben können.« Eine saubere Bestandsanalyse sei dafür die Voraussetzung.

Über Ursache und Herkunft der Messdaten gab es unterschiedliche Meinungen. So erklärte ein betroffener Landwirt aus Stemwede, dass er nicht verstehen könne, wie man aus einem versottenen Brunnen Messdaten erheben könne. Dieser besagte Brunnen liege auf einem Hügel und reiche in seiner Tiefe nur bis in eine Tonschicht hinein. Obwohl er 2017 neu gebohrt worden sei, habe er sich wieder zugesetzt. »Genau dieser Brunnen bereitet jetzt Schwierigkeiten«, sagte der Landwirt. Joachim Schmedt, der stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes, fügte an, dass es schon ungewöhnlich sei, dass die umliegenden Brunnen völlig andere Messwerte aufzeigten, obwohl sie sich in einem Umkreis von 200 Metern befänden.

In seiner Schlussrede betonte der Landwirt, dass man in Düsseldorf die Randgebiete von Nordrhein-Westfalen nicht vergessen dürfe: »Manchmal habe ich das Gefühl, der Kreis Minden-Lübbecke ist ganz weit weg von Düsseldorf. Aber gerade dort passieren so viele Dinge, die auf uns einprasseln.«

Neues zur Schweinehaltung

Zu diesen heiß diskutierten Themen gehörten an diesem Abend die »Vier K« mit denen sich aktuell die Schweinehalter befassen müssen: Kastration, Kastenstand, Kupierverzicht und Tierwohlkennzeichen. Heinrich Bottermann sagte, für die Schweinekastration sei noch keine praxistaugliche Lösung gefunden worden. In der Diskussion sei der sogenannte »skandinavische oder vierte Weg«: Ferkel nach einer Lokalanästhesie zu kastrieren. Ein Problem sei dabei, dass laut einer Bundesverordnung eine vollständige Schmerzausschaltung bei chirurgischen Eingriffen garantiert sein müsse. Zudem sei das Betäubungsmittel Lidocain nicht für Tiere zugelassen. Auch dürfe nach derzeitiger Rechtslage die Betäubung nicht ohne Tierarzt erfolgen, sagte Bottermann: »Wir wollen eine praktikable Methode verifizieren, wo der Landwirt die Behandlung selber durchführen kann.«

Auch beim Thema Kastenstände für Sauen würden allmählich Fortschritte erzielt, sagte der Staatssekretär. Nachdem der Stallneubau in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen sei, habe die Landesregierung nun Rahmenbedingungen geschaffen: »Wir haben Eckpunkte auf dem Tisch liegen, die wir Ihnen guten Gewissens an die Hand geben können.« Dies gelte allerdings nicht für das Thema Schwänze kupieren: »Hier suchen wir noch nach einem machbaren Ausstiegsverfahren.«

Arbeitsgruppe im Ministerium

Letztendlich müsse in der gesamten Diskussion um die Nutztierhaltung eine klare Linie gefunden werden, bei der ein Ausgleich zwischen Umwelt und Landwirtschaft geschaffen werde. »Damit die Schweinehaltung in Deutschland wettbewerbsfähig bleibt, braucht es aber auch eine zeitnahe Planungs- und Rechtssicherheit für die Betriebe«, sagte Bottermann. So müsse man zum Beispiel daran arbeiten, dass Außenklimaställe mit dem Emissionsrecht vereinbar seien. Um eine nachhaltige Strategie zu entwickeln, habe man im Ministerium eine Arbeitsgruppe eingerichtet, erklärte er weiter. Umweltschutz spiele dabei eine zentrale Rolle. »Deshalb muss der Dialog zwischen den Verbänden fortgesetzt werden«, sagte der Gast aus dem NRW-Ministerium..

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