Bündnis 90/Die Grünen fordern mehr Maßnahmen für den Klimaschutz
»Da fliegen die Flicken aus der Hose«

Espelkamp (WB). In Holland ist es schon lange Normalität – die autofreie Innenstadt. Kopenhagen zählt zu den Fahrrad-Hochburgen Europas. Münster ist Vorreiter in der Bundesrepublik. In Espelkamp aber sehen die Grünen erheblichen Nachholbedarf bei der Fahrradfreundlichkeit.

Freitag, 01.03.2019, 05:00 Uhr
Die Situation an der General-Bishop-Straße bereitet den Vertretern von Bündnis 90/Die Grünen Kopfzerbrechen. Florian Craig kritisiert, dass die Radfahrer auf der Straße mit Fahrzeugen klar kommen müssten, die 70 km/h fahren. Foto: Felix Quebbemann

»Wir wollen eine Willkommenskultur für Radfahrer«, erklärte Florian Craig, Ratsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen, in der Pressekonferenz der Partei zu den Zielen für 2019.

Explizite Kritik

Sowohl Craig wie auch der Grünen-Fraktionsvorsitzende Andreas Sültrup kritisieren die Umsetzung des derzeitigen Radverkehrskonzeptes. »Wir plädieren dafür, dass es auf den Straßen für die Fahrradfahrer eine Möglichkeit gibt, sicher zu fahren.« Die beiden sagen, dass es in der Stadt kaum mehr die Möglichkeit gebe, Radfahrer und Fußgänger auf einem Streifen unterzubringen.

Explizite Kritik äußern sie am Ausbau der Koloniestraße. Dort habe man es versäumt, mehr Platz für die Radfahrer zu schaffen. »Es ist eher noch weniger geworden«, findet Sültrup.

Unverständlich

Völlig unverständlich findet Craig die Situation an der General-Bishop-Straße, wo unter anderem mit Piktogrammen darauf hingewiesen wird, dass die Radfahrer stadtauswärts auf der Straße fahren sollen. »Autos und Lastwagen fahren dort keine 50, sonder eher 70 Kilometer pro Stunde. Da fliegen dir als Radfahrer die Flicken aus der Hose«, kritisierte Craig.

Die beiden haben einige Ideen, um mehr Aufmerksamkeit für die Radfahrer zu bekommen. So würden sie gerne eine Aktion mit den Ratsmitgliedern umsetzen. Diejenigen, die in Espelkamp und der nahen Umgebung arbeiten, könnten ein paar Tage mit dem Rad zur Arbeit fahren, um dann aus erster Hand zu erfahren, was es für Probleme für die Radler in Espelkamp gibt.

Die Radverbindungen von den Ortschaften in die Innenstadt und umgekehrt wollen die Grünen anschieben. Das alles soll unter dem Oberthema »Aufbruch Fahrrad« stattfinden. Ihnen ist klar, dass für solche Projekte auch die Verwaltung mitspielen müsse. Daher hoffen sie auf ein offenes Ohr im Rathaus. Sültrup spricht in diesem Zusammenhang von einem Ankerpunkt.

Politik gestalten

Craig macht zudem auf die Zukunft aufmerksam. Denn man solle den jungen Menschen vermitteln, dass das Fahrrad ein wichtiges Verkehrsmittel ist. »Wir müssen den Jugendlichen zeigen, dass es hier auf dem Land auch anders geht als nur mit dem Auto.« Die vielen Fahrräder zum Beispiel am evangelischen Schulzentrum würden doch belegen, dass der Nachwuchs gerne Rad fährt.

Schließlich sei das gesamte Land verpflichtet, die Klimaschutzziele einzuhalten. Und damit seien auch die kleineren Gemeinden und nicht nur die Großstädte gemeint, sagt Craig. »Wir sollen als Politik ja auch gestalten.«

In diesem Zusammenhang macht Andreas Sültrup darauf aufmerksam, dass man in den neuen Wohngebieten die Hauseigentümer darauf aufmerksam machen solle, Photovoltaik-Anlagen zu installieren. »Wir haben gesehen, dass Espelkamp in dieser Beziehung relativ weit hinten liegt. Da können wir aufholen«, sagt Sültrup. So kritisiert er zum Beispiel, dass bei einer Klimaschutzveranstaltung des Kreises kaum Vertreter aus Espelkamp anwesend waren, um Fortschritte in der jungen Stadt vorzustellen. Dörfer aus Rahden, wie zum Beispiel Wehe und Preußisch Ströhen, seien schon sehr viel weiter, sagt Sültrup.

Blühstreifen

Und noch eine Sache wollen die Grünen zum Klimaschutz in Espelkamp vorantreiben – die Anlage von Bienen- und Blühwiesen. Dafür haben die Grünen auch einen entsprechenden Antrag gestellt. Sie seien gespannt, was daraus wird. »Spätestens im Frühjahr muss etwas kommen«, sagt Sültrup.

Lobend erwähnte er die Maßnahmen, die die Landwirte in Espelkamp an den Ackerrändern umgesetzt hätten. Dort sah man unter anderem Sonnenblumenstreifen sowie andere bienenfreundliche Anlagen. »Das war eine gute Sache.« Er fordert, dass zum Beispiel auch an den Kreisverkehren – wie dem Kreisel an der Beuthener Straße – ebenfalls bienenfreundlich angepflanzt werde. Das Insektensterben werde zwar für seine Generation kaum mehr Auswirkungen haben, sagt Sültrup. »Aber für die nächste.«

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