Finanzministerium will die vier Spielbanken an private Betreiber abgeben NRW-Spielbanken sollen privatisiert werden: Gauselmann ist »interessiert«

Düsseldorf/Espelkamp (WB/in/hir/mcs). Die FDP will die landeseigenen Spielbanken in Nordrhein-Westfalen an private Betreiber abgeben. Sollte es dazu kommen, ist die Gauselmann-Gruppe an einer Übernahme interessiert. Betroffen wäre auch das Spielcasino in Bad Oeynhausen.

Die Spielbank Bad Oeynhausen – hier eine Szene am Roulettetisch – ist eines von vier Casinos im Besitz des Landes NRW. Deren Privatisierung wird jetzt geprüft.
Die Spielbank Bad Oeynhausen – hier eine Szene am Roulettetisch – ist eines von vier Casinos im Besitz des Landes NRW. Deren Privatisierung wird jetzt geprüft. Foto: Westspiel

Paul Gauselmann Foto: Kai Wessel

Voraussetzung seien allerdings noch Rahmenbedingungen, die eine erfolgreiche Führung der Spielcasinos möglich machten, erklärte Gauselmann-Sprecher Mario Hoffmeister am Montag auf Anfrage. Unter der Führung der Westdeutschen Spielbanken GmbH (Westspiel) seien fast alle Spielbanken in NRW defizitär. Von einer Privatisierung betroffen wären außer Bad Oeynhausen, wo Gauselmann bereits die Automatenhalle betreibt, die Standorte Aachen, Duisburg sowie Hohensyburg bei Dortmund. Eine fünfte Spielbank in Köln-Deutz befindet sich bei der Westspiel in Planung.

Unter Verweis auf Erfahrungen in Sachsen-Anhalt und in Berlin sagte Hoffmeister: »Wir haben bewiesen, dass wir in der Lage sind, defizitäre Spielbanken wieder profitabel zu machen.« Davon würde dann auch der Landeshalt profitieren.

330 Spielhallen in Deutschland und 360 im Ausland

In Sachsen-Anhalt betreiben die Ostwestfalen aktuell zwei Spielbanken in Magdeburg und in Leuna; eine weitere soll im Herbst in Halle an der Saale hinzukommen. Vier Spielbanken in Berlin führt Gauselmann gemeinsam mit dem österreichischen Konkurrenten Novomatic. Das Casino am Potsdamer Platz ist das umsatzstärkste der Branche in Deutschland. Außerdem betreibt das Unternehmen unter dem Namen »Merkur Mare« auch Casinos auf Kreuzfahrtschiffen: vier bei der Reederei Pullmantur Cruceros und eines auf »Mein Schiff 1« der TUI. 2019 soll ein weiteres auf »Mein Schiff 2« hinzukommmen. Zur Gauselmann-Gruppe gehören unter dem Namen »Merkur« außerdem 330 Spielhallen in Deutschland und 360 im Ausland. In Lübbecke baut das Familienunternehmen Geldspielautomaten.

In sechs Bundesländern schon Spielbanken in privater Eigentümerschaft

Robert Flader, Sprecher des NRW-Finanzministeriums, bestätigte, dass das Kabinett am 8. Mai einen ersten Vorschlag zur Privatisierung der Casinos in Düsseldorf beraten wird: »Im Vergleich der Länder zeigt sich, dass weder der Staat noch eine staatliche Förderbank Casinos betreiben müssen.« In sechs Bundesländern würden die Spielbanken schon jetzt erfolgreich in privater Eigentümerschaft betrieben. Natürlich müsse sichergestellt sein, dass die strengen Standards bei Aufsicht und Missbrauchsvermeidung eingehalten, die Einnahmen in Höhe von derzeit jährlich 42 Millionen Euro für die Stiftung Wohlfahrtspflege gesichert sowie die bedeutsamen Kunstwerke, die in der Gesellschaft liegen, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht würden. Unklar ist, was bei einer Trennung mit den Westspiel-Anteilen an der Bremer Spielbank geschehen würde.

Rund 1000 Mitarbeiter wären von einem Verkauf betroffen

Rund 1000 Mitarbeiter wären von einem Verkauf betroffen. Andreas Elbracht, Experte der Gewerkschaft Verdi, sorgt sich zumindest um einen Teil der Jobs – insbesondere in der Duisburger Westspiel-Zentrale. Er sehe nur zwei mögliche Käufer: neben Gauselmann die Novomatic-Gruppe. »Das wäre für Paul Gauselmann das Königskrönchen«, sagte Elbracht.

Die Vorsitzende des Fachverbandes Glücksspielsucht, Ilona Füchtenschnieder, kritisierte die Privatisierungspläne. Vorrangig sei stattdessen ein Sperrsystem für Spielsüchtige. Ein solches System könne bis zu 40.000 Menschen in NRW erfassen. Gerade Gauselmann als Spielhallenbetreiber werde seiner Verantwortung gegen Missbrauch nicht gerecht, sagte Füchtenschnieder.

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