Sozialausschuss: Pfarrer Stefan Bäumer erläutert Entwicklung des Ludwig-Steil-Hofes »Engpass beim Fachpersonal«

Espelkamp (WB/fq). Dem Bereich der Pflege kommt in einer immer älter werdenden Bevölkerung eine besondere Bedeutung zu.

Im Bereich der Pflege ist die Nachfrage nach Plätzen derzeit sehr hoch. Dies erklärte Pfarrer Stefan Bäumer während der vergangen Sozialausschuss-Sitzung. Er wies zudem deutlich auf den Mangel an Fachkräften hin.
Im Bereich der Pflege ist die Nachfrage nach Plätzen derzeit sehr hoch. Dies erklärte Pfarrer Stefan Bäumer während der vergangen Sozialausschuss-Sitzung. Er wies zudem deutlich auf den Mangel an Fachkräften hin. Foto: dpa

Dies wurde deutlich bei den Ausführungen von Pfarrer Stefan Bäumer, Vorstand des Ludwig-Steil-Hofes, im vergangenen Sozialausschuss. Neben Klaus Marshall, im Kreis der zuständige Koordinator für die Behinderten- und Seniorenbelange, erläuterte Bäumer im Ernst-Wilm-Haus der Diakonischen Stiftung die verschiedenen Bereiche der Pflege – mit dem Schwerpunkt Espelkamp.

Die Angebote

Das Volkeninghaus mit 125 vollstationären Pflegeplätzen habe eine Auslastung von 99 bis 100 Prozent. Bei Auslastungsgraden von nur 85 Prozent, wie es teilweise Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft aufweisen, »wären wir pleite«, sagte Bäumer.

Auch die Tagespflege im Grünen, die 1998 mit 19 Plätzen eröffnet wurde, musste bereits im Jahr 2013/14 erweitert werden. Die Tagespflege II, die unter den Namen Hilde-Bille-Haus im vergangenen Jahr feierlich eingeweiht wurde (wir berichteten), hält 24 Plätze vor. Dort, so Bäumer, habe die Diakonische Stiftung »noch Luft nach oben – aber nicht mehr viel«.

Der Steil-Hof wird aufgrund der hohen Nachfrage erstmals auch außerhalb Espelkamps eine Filiale eröffnen – in Preußisch Oldendorf, Mindener Straße 15, wie Bäumer weiter ausführte.

Darüber hinaus halte der Steil-Hof etwa 50 Wohnungen für das Betreute Wohnen auf seinem Gelände bereit. »Die Nachfrage ist riesig und die Wohnungen gehen weg wie geschnitten Brot«, brachte es Bäumer auf den Punkt.

Die größte Nachfrage bestehe im Bereich der »ambulanten Schiene und der Tagespflege«, so Bäumer weiter. Mit insgesamt 120 »Essen auf Rädern im Stadtgebiet« beendete Bäumer die Auflistung der Leistungen des Steil-Hofes im Bereich der Pflege.

»Die ambulante Pflege und die Tagespflege boomen. Einen Engpass gibt es beim Fachpersonal. Und der verschärft sich von Jahr zu Jahr«, machte Bäumer das eigentliche Problem deutlich. Er fügte an. »Wir sind gezwungen, Personal einzustellen, das man vor fünf Jahren nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen hätte. Das ist einfach so.«

Konkurrenz

Bäumer machte zudem darauf aufmerksam, dass im Bereich der stationären Pflege die Nachfrage nach Pflegeplätzen sehr hoch sei. Konkurrenz bekommt der Steil-Hof dort auch durch die Aktivitäten in den Nachbarkommunen Rahden und Stemwede. Dort sei eine Angebotserweiterung zu verzeichnen, erläuterte der Steil-Hof-Vorstand.

Sehr kritisch beäugte Bäumer die internationalen Investoren, die im Pflegebereich große Anlagemöglichkeiten sähen. Dort würden Investmentfonds mit »gigantischen Summen« tätig. »Sie saugen mit ihrem Rüssel auf, was sie kriegen können«, sagte der Pfarrer. Pflegeheime seien zum Spekulationsobjekt geworden.

Die Zukunft

Mit Blick auf die Zukunft erklärte er, dass der Steil-Hof demnächst im Altkreis Lübbecke Konkurrenz von vier weiteren »kommerziellen Pflegeheimen« bekomme. Bäumer nannte in diesem Zusammenhang das ehemalige Hucke-Areal in Lübbecke und auch das Gelände der ehemaligen Ina-Seidel-Schule, auf dem eine Seniorenresidenz gebaut wird. »Regional ist gewaltig etwas los. Die Folge ist eine Verschärfung des Fachkräfte-Mangels.«

Neue Wohnformen

Kurz ging er auch noch auf neue Wohnformen für Demenzkranke ein – die so genannten Demenz-WGs oder Demenz-Dörfer, wie sie zum Beispiel in den Niederlanden eingerichtet worden sind. Dies seien jedoch Wohnformen, die für den Ludwig-Steil-Hof derzeit nicht in Frage kämen. »Das wirtschaftliche Risiko der WGs ist für uns nicht überschaubar.«

Dieses wirtschaftliche Risiko sei auch der Grund dafür gewesen, dass der Steil-Hof damals nicht auf dem Gelände des ehemaligen Espelkamp-Hauses gebaut habe. Dort war seinerzeit eine Angebotserweiterung durch die Stiftung vorgesehen. »Intern haben wir es durchgerechnet und das Ergebnis war eindeutig. Als tarifgebundener Träger sollen wir bloß die Finger davon lassen«, erläuterte Bäumer die damalige Entscheidung. »Wir hätten es gerne gemacht. Die Pläne liegen auch immer noch in meiner Schublade.« Der Pfarrer erklärte jedoch, dass der Steil-Hof über eine Nutzungsdauer von 50 Jahren den Bau hätte abschreiben müssen. Das war nicht zu machen – zumal der Steil-Hof seine Gebäude nicht als Investment zur Geldmaximierung betrachtet. »Für uns ist ein Pflegeheim kein Spekulationsobjekt.«

Im Anschluss an diese Ausführungen zeigte Bäumer den Ausschuss-Mitgliedern die Räumlichkeiten des Hilde-Bille-Hauses.

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