Ehepaar Hollmann ist verzweifelt – Zwangsräumung in Espelkamp geplant »Jetzt benötigen wir Hilfe«

Espelkamp (WB). Barbara Hollmann ist verzweifelt. Die 62-Jährige ist den Tränen nah. Sie und ihr Mann Erhard stehen vor dem Nichts.

Von Felix Quebbemann
Das Espelkamper Ehepaar Barbara und Erhard Hollmann (rechts) schaut sich die Schreiben des Rahdener Amtsgerichts an. Ihr Nachbar Peter Frommelt hat von der Notlage der beiden erfahren und will ihnen helfen.
Das Espelkamper Ehepaar Barbara und Erhard Hollmann (rechts) schaut sich die Schreiben des Rahdener Amtsgerichts an. Ihr Nachbar Peter Frommelt hat von der Notlage der beiden erfahren und will ihnen helfen. Foto: Felix Quebbemann

Abgeschmettert

Das Ehepaar blickt der Zwangsräumung ihrer Wohnung in der Gabelhorst 25 durch den Gerichtsvollzieher (wir berichteten am 4. Januar) entgegen.

Gegen diese Zwangsräumung hatten die beiden eine Räumungsschutzklage eingereicht. Die wurde jedoch vom Amtsgericht Rahden abgeschmettert. Nun ist das Ehepaar eine Instanz höher gegangen und hat gegen die Entscheidung des Amtsgerichts beim Landgericht Einspruch eingelegt.

Die Zeit drängt. Denn das Ehepaar soll am 15. Januar endgültig aus der Wohnung ausziehen. Barbara Hollmann wird bei dem Gedanken sehr nachdenklich. Ihre Stimme ist brüchig als sie sagt: »Wenn der Einspruch abgelehnt wird, weiß ich nicht, was wir machen sollen.« Die beiden würden dann auf der Straße stehen.

Obdachlosigkeit droht

Sie fasst noch einmal kurz zusammen, wie es zu der Situation kam. 2015 mussten sie ihr Haus in Minden zwangsräumen. Schwere gesundheitliche Probleme sowie der Verlust des Arbeitsplatzes von Erhard Hollmann verschärften die Krise beim Ehepaar. Sie suchten Hilfe bei der Fachstelle »Wohin«, die unter der Trägerschaft des Hexenhauses steht. Dadurch kamen die beiden in das Programm »Wohnenplus«, das von Obdachlosigkeit bedrohten Menschen hilft, ein Dach über den Kopf zu finden. Mit im Boot dabei ist auch die Aufbaugemeinschaft.

Sie zogen als Nutzer in die Wohnung der Gabelhorst 25. Am Ende sollte es zu einem Mietvertrag mit den Hollmanns kommen. Doch es kam anders. Von »Wohin« und der Aufbaugemeinschaft kam die Absage zum geplanten Mietvertrag. »Umfängliche Hilfsangebote«, wie Hans-Jörg Schmidt, Aufbau-Geschäftsführer, formulierte, seien von dem Ehepaar nicht angenommen worden (wir berichteten). Die mit zahlreichen Möbeln zugestellte Wohnung sei ein weiterer Punkt. Die Fachstelle »Wohin« machte wie ebenfalls berichtet deutlich, dass sie dem Ehepaar umfassendste Hilfe habe zukommen lassen – unter anderem beim Umzug. Des Weiteren berief sich die Stelle auf den Datenschutz.

Verzweiflung

Die Zeit läuft ab und Barbara Hollmann befürchtet, dass sie am Montag nur mit der Kleidung am Leib, der Katze unter dem Arm und Medikamenten in der Hand auf der Straße leben müssen.

In ihrer Verzweiflung hat sie dem Aufbau-Geschäftsführer Hans-Jörg Schmidt jetzt einen Brief geschrieben, in dem sie um ein Gespräch bittet. »Wir haben aber nur einen Anruf von unserem Kundenberater bekommen, der gesagt hat, dass sich die Aufbau nicht zu dem Fall äußere«, sagt Barbara Hollmann. Immerhin habe er sich gemeldet. »Fünf Monate haben wir versucht, ihn zu erreichen«, sagen die Hollmanns.

Als Nachbar Peter Frommelt den ersten Bericht über die Familie in dieser Zeitung gelesen hat, setzte er sich sofort mit Barbara und Erhard Hollmann in Verbindung. Er will helfen. »Ich habe das erst spät mitbekommen, dass die beiden Hilfe benötigen. Da habe ich ein bisschen herumtelefoniert«, sagt Frommelt. Auch einen Bekannten, der Wohnungen vermiete, habe er kontaktiert. Es sehe aber momentan sehr schlecht aus.

Gesundheitlich angeschlagen

Als Hartz-IV-Empfänger und Empfänger von anderen Sozialleistungen dürfte die Wohnung zudem nicht größer als 65 Quadratmeter sein, erklären Barbara und Erhard Hollmann, die beide gesundheitlich stark angeschlagen sind. Der 59-jährige Ehemann hat unter anderem bereits eine schwere Herzoperation hinter sich. Barbara Hollmann leidet unter grauem Star. Darüber hinaus ist bei ihr durch die Entwicklungen der vergangenen Wochen eine schwere Gürtelrose erneut ausgebrochen. Selbst das hat sie nicht davon abhalten können, am Donnerstagmorgen wieder zur Arbeit zu gehen. Sie ist geringfügig beschäftigt. »Ich muss das doch machen. Ich muss zur Arbeit gehen und Lösungen finden.«

Doch mit der jetzigen Situation ist sie überfordert. Die 62-Jährige weiß nicht weiter. »Wir haben vielleicht Fehler gemacht«, sagt sie. Aber früher hätte das Ehepaar immer geholfen, wenn es gefragt worden sei. »Jetzt benötigen wir einmal Hilfe.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.