Holger Topp äußert sich zum Vorrücken der afrikanischen Schweinepest »Wir befürchten enormen Schaden«

Espelkamp-Frotheim (WB). Sorgen machen sich die Landwirte im Kreisgebiet über das Vorrücken der afrikanischen Schweinepest aus dem Baltikum, Polen, Tschechien, Rumänien und der Ukraine in Richtung Deutschland. In den östlichen Staaten sind aktuell 3673 Fälle, davon 241 bei Hausschweinen, gezählt worden.

Von Michael Nichau
Ein Landwirt untersucht eines seiner Ferkel. Das Vorrücken der afrikanischen Schweinepest im Baltikum und Polen macht den heimischen Landwirten große Sorgen.
Ein Landwirt untersucht eines seiner Ferkel. Das Vorrücken der afrikanischen Schweinepest im Baltikum und Polen macht den heimischen Landwirten große Sorgen. Foto: dpa

Das bestätigen die Seuchenforscher vom Friedrich-Löffler-Institut. Sie sprechen auch von stetig steigenden Fallzahlen. Grund genug für den Westfälisch-Lippischen

Holger Topp

Landwirtschaftsverband, eine Info-Veranstaltung für Landwirte in Frotheim auszurichten. Dabei ging es auch um Stalleinbrüche bei Landwirten.

Diese Zeitung sprach mit Holger Topp, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Lübbecke.

Sie haben die Informationsveranstaltung organisiert. Was sind die größten Sorgen in Bezug auf die afrikanische Schweinepest?

Holger Topp: Es kann niemand sagen, wann die ersten Fälle der Tierseuche in Deutschland auftreten. Die Experten sagen immer »sie kommt«, können aber keinen Zeitraum nennen. Die größte Sorge für alle Landwirte in Deutschland ist, dass im Falle einer Feststellung der afrikanischen Schweinepest (ASP) in nur einem Betrieb alle deutsches Fleisch importierende Staaten die Grenzen für Exporte aus Deutschland abriegeln.

Welche Auswirkungen hätte das?

Holger Topp: Bei einer Veranstaltung im November in Berlin sprachen Experten von wirtschaftlichen Schäden von drei bis sogar fünf Milliarden Euro jährlich für die Landwirte und die Verarbeitung und den Handel. Und wir haben den Eindruck, dass das Problem noch nicht ausreichend öffentlich wahrgenommen wird. Wir würden uns – auch politisch – ein Stück weit mehr Geschlossenheit wünschen. Die Behörden müssten deutliche erkennbare Bemühungen zeigen, Maßnahmen zu ergreifen.

Welche Maßnahmen könnten das sein? Es gibt ja unterschiedliche Empfehlungen...

Holger Topp: In Tschechien wird rigoros gegen die Verbreitung des Virus vorgegangen. Dort werden Scharfschützen eingesetzt, um Wildschweine, die als Haupt-Überträger der Seuche gelten, an der Grenze abzuschießen. Wir müssen uns mit der Jägerschaft abstimmen. Bei der Forderung nach vermehrtem Abschuss werden Zweifel angemeldet wie die Bejagung konkret erfolgen solle. Wir Landwirte wünschen uns einen konsequenten Abschuss, um das Risiko einer Übertragung auf die Hausschweine zu minimieren.

Welche Möglichkeiten gibt es in dieser Hinsicht?

Holger Topp: Es gibt eine Reihe von Vorschlägen und Forderungen in der Jägerschaft und von den Landwirten. In der Versammlung gab es zum Beispiel einen interessanten Gedanken, etwa entlang der Autobahnen, die in die baltischen Staaten führen, Abschuss-Korridore für Wildschweine zu schaffen. Man hat eben die Sorge, dass sich heimische Wildschweine dadurch infizieren, dass sie aus den ASP-betroffenen Staaten mitgebrachte Wurst-Reste aus den Abfalleimern an Rastplätzen fressen. Es soll inzwischen Schutzzäume an Parkplätzen geben.

Was würden sich die Landwirte wünschen?

Holger Topp: Ganz klar: Mehr Sensibilität der Behörden und einen Schulterschluss mit den Jägern.

Wie können sich Landwirte vor den finanziellen Verlusten schützen?

Holger Topp: Es gibt die Tierseuchenkasse. Die deckt aber nur die reinen Tierbestände ab. Die Vermarktung (die Landwirte können die Tiere nicht absetzen) wird davon nicht abgedeckt. Es gibt Versicherungen, aber die sind viel zu teuer.

Wie lange wird die Angst der Landwirte andauern?

Holger Topp: Das würde im Falle eines ASP-Ausbruchs erst wieder aufhören, wenn Deutschland ASP-frei ist. Es kann sich unter Umständen um einen langen Prozess handeln, denn alle Staaten, die Fleisch aus Deutschland importieren – besonders China – würden sich nach bisherigem Kenntnisstand auf eine Regionalisierung, das heißt auf seuchenfreie Zonen innerhalb Deutschlands, nicht einlassen. Vielleicht ist das auf politischer Ebene noch zu regeln.

Es ist auch das Thema Stalleinbrüche angesprochen worden.

Holger Topp: Richtig. Hintergrund war, dass Tierrechts-Aktivisten bei Funktionären der Landwirtschaftsverbände und zuletzt auch in Ställe nicht in der Öffentlichkeit stehender Landwirte eingebrochen waren, um mit Film- und Fotoaufnahmen Missstände zu dokumentieren. Jetzt fürchten auch andere Landwirte, dass jemand widerrechtlich in ihre Ställe eindringen könnte.

Welche Empfehlungen geben Sie als Verband?

Holger Topp: Diese Fälle sind Hausfriedensbruch. Es muss in Einzelfällen geklärt werden, welche Straftatbestände außerdem zutreffen. Die Tierrechts-Aktivisten behaupten, Missstände aufgedeckt zu haben. Sie haben aber nicht mit den Behörden kooperiert und diese informiert. Es kann nicht sein, dass hier Leute das Recht in die eigene Hand nehmen und in fremdes Eigentum eindringen. Wir geben die Empfehlung, die Ställe zu sichern, sagen aber auch, dass Missstände gegen geltendes Tierrecht abzustellen sind.

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