Mitglieder der Verbandsversammlung kritisieren erneut gestiegene Umlage »Große Sorge« um die Musikschule

Espelkamp/Rahden/Stemwede (WB). Das Defizit im Haushalt des Musikschulverbandes Espelkamp-Rahden-Stemwede hat die Mitgliedskommunen Rahden und Stemwede nachdenklich gemacht.

Von Felix Quebbemann
Der Klavierunterricht in der Musikschule ist beliebt. Insgesamt verzeichnet der Musikschulverband Espelkamp-Rahden-Stemwede 126 Klavierschüler. Dies ist aber sehr kostenintensiv und geht zu Lasten des finanziell lukrativen Gruppenunterrichts.
Der Klavierunterricht in der Musikschule ist beliebt. Insgesamt verzeichnet der Musikschulverband Espelkamp-Rahden-Stemwede 126 Klavierschüler. Dies ist aber sehr kostenintensiv und geht zu Lasten des finanziell lukrativen Gruppenunterrichts. Foto: dpa

»Der Fisch stinkt vom Kopf her«

Rahdens Bürgermeister Dr. Bert Honsel dachte in der Versammlung am Mittwochnachmittag laut über einen Austritt aus dem Zweckverband nach. Darüber hinaus hat er die Führung der Musikschule deutlich kritisiert. »Der Fisch stinkt vom Kopf her«, sagte er und fügte hinzu mit Blick auf die Personalentscheidungen, dass sich an der Spitze etwas ändern müsse. Die Kritik richtete sich deutlich an den Leiter der Musikschule, Willi Hartmann, der – wie im vergangenen Jahr – krankheitsbedingt an der Sitzung nicht teilnehmen konnte.

Zu Beginn der Sitzung gab Andreas Bredenkötter, Leiter des Schulamtes in Espelkamp, daher den Jahresbericht ab. Und da wurde schon das strukturelle Problem des Verbandes deutlich. »Bei uns dominiert der Einzelunterricht Klavier. Dort haben wir 126 Schüler«, sagte Bredenkötter. Der Einzelunterricht sei jedoch sehr teuer und bedeute für die Mitgliedskommunen einen hohen Zuschussbeitrag.

Dilemma

Hingegen sei das Interesse an der musikalischen Früherziehung und damit dem Gruppenunterricht eher gering – vor allem in Stemwede. Bredenkötter machte das Dilemma deutlich. Der Gruppenunterricht bedürfe nur eines geringen Zuschusses. Zudem würde man mit dem Gruppenunterricht den Grundstein für die folgenden Jahre legen, um die Schüler weiterhin in der Musikschule unterrichten zu können.

Insgesamt gebe es derzeit 452 Musikschüler. Dies sei ein Minus von 16 gegenüber dem Vorjahr. Espelkamp hat 196 Schüler, Rahden 155, Stemwede 87 und aus anderen Kommunen kommen 14.

Jennifer Hauptfleisch von der Stadtverwaltung Espelkamp rechnete im Anschluss vor, dass das Jahr 2016 mit einem Defizit von 2017 163,22 Euro abschließen würde. Und auch die Prognosen für dieses Jahr sähen ein Minus von 13.000 Euro vor. Diese Defizite sollen mit der Entnahme aus der Allgemeinen Rücklage gedeckt werden, die aber im Jahr 2019 bei gleichbleibender Entwicklung auf Null schrumpfen würde.

Das richtige Modell?

Nun sollen die Mitgliedskommunen eine Umlage von 304.247 Euro zahlen, von der Espelkamp mit 142.168 Euro den Hauptanteil stemmt. Rahden soll mit 90.959 Euro zur Kasse gebeten werden und die Gemeinde Stemwede mit 71.120 Euro.

Dies rief die kommunalen Vertreter aus Stemwede und Rahden auf den Plan. Jörg Bartel, Fachbereich Bildung in Stemwede, erklärte: »70.000 Euro für 87 Kinder ist eine Menge Geld.« Er lobte das Konzept, das in den vergangenen Monaten unter Beteiligung einiger Musiklehrer erarbeitet worden sei und sagte: »Wir haben ein strukturelles Problem. Wenn die Zahlen weiter sinken, muss man sich fragen, ob das immer noch das richtige Modell ist.« Er bezeichnete die Musikschule als »extrem wichtig« und mache sich »große Sorgen« um sie.

Einseitige Kündigung

Dr. Bert Honsel schloss eine einseitige Kündigung der Stadt Rahden aus dem Verband nicht aus. »Jetzt muss etwas Strukturelles geändert werden.« Er kritisierte auch die Ausgestaltung des Zweckverbandes, aus dem man so schnell nicht herauskomme. »Es macht mich fast wütend.«

Andreas Bredenkötter erklärte, dass man die finanzielle Abwärtsspirale aufhalten könne, in dem die Musikschule zunehmend aktiv in den Kindergärten wird und dort Gruppenunterricht und Musikalische Früherziehung anbietet.

Darüber hinaus sei es notwendig, angestellte Lehrkräfte durch Honorarkräfte zu ersetzen. »Da kommen wir aber nur langsam raus.« Es müsse gewartet werden, bis entsprechende Lehrkräfte herausfallen.

Ungerecht

Max Grote, Vorsitzender der Verbandsversammlung stellte jedoch auch heraus, dass die Lehrkräfte, die für den Musikschulverband arbeiteten, studierte Experten seien. »Wenn wir die bezahlen wir Putzfrauen, dann machen wir irgendwas falsch.« Lehrer kosteten manchmal Geld. Immer wieder mit der Keule drauf zu hauen, sei schon manchmal ungerecht. Darüber hinaus zeige es die Erfahrung, dass Menschen, die eine musikalische Erziehung genossen hätten, »eigentlich ganz gut geraten sind«.

Bürgermeister Heinrich Vieker lobte die Arbeit der Lehrkräfte und der Verwaltungsmitarbeiter am neuen pädagogischen Konzept und bezeichnete es als »sehr hilfreich«. Von den pädagogischen Kräften wisse man jetzt, wo sie hin wollten. »Alleine werden sie das aber nicht schaffen.« Vieker forderte die Mitgliedskommunen auf, ihnen bei dem Ziel zu helfen. Bei zwei Enthaltungen wurde der Vorschlag für den Haushalt des Musikschulverbandes angenommen.

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