Espelkamper Integrationsbeauftragter Willy Hübert informiert über Flüchtlingszahlen »Da stoßen wir an unsere Grenzen«

Espelkamp (WB). Die Zuweisungen von Flüchtlingen sind auch in diesem Jahr wieder gesunken. Dies erklärte der städtische Integrationsbeauftragte Willy Hübert während der Sitzung des Sozialausschusses am Mittwochnachmittag.

Von Felix Quebbemann
Die Container-Anlage am Hindenburgring bleibt auch weiterhin dort. Lediglich die Miet-Container auf dem Festplatz an der General-Bishop-Straße werden im kommenden Monat komplett abgebaut. Die Stadt will alle Flüchtlinge dezentral unterbringen.
Die Container-Anlage am Hindenburgring bleibt auch weiterhin dort. Lediglich die Miet-Container auf dem Festplatz an der General-Bishop-Straße werden im kommenden Monat komplett abgebaut. Die Stadt will alle Flüchtlinge dezentral unterbringen. Foto: Felix Quebbemann

Weniger Flüchtlinge

Waren es im Jahr 2016 noch 41 Flüchtlinge, die zugewiesen wurden, kommt Espelkamp in diesem Jahr auf 32. Im Gegensatz zu den Zuweisungen vor einem Jahr wird nun aber differenziert.

Denn eine Stadt kann zum einen Flüchtlinge bekommen, die noch im laufenden Verfahren sind (Topf 1). Zum anderen kann es sich um Flüchtlinge handeln, die bereits einen Titel haben und bei denen die Verfahren abgeschlossen sind (Topf 2). »Aus dem Topf 2 hat Espelkamp in diesem Jahr 25 erhalten«, sagte Hübert. Dies habe den Vorteil, dass die Flüchtlinge unter anderem ein Arbeitsrecht hätten. Unter den 32 Asylsuchenden gab es zwei Familienzusammenführungen und fünf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Klageverfahren

Die Statistik in Espelkamp weist zudem insgesamt 226 Personen aus, deren Antrag auf Asyl stattgegeben worden sei. Bei 208 Personen sei der Antrag abgelehnt worden, so Hübert. »Etwa die Hälfte von den abgelehnten Flüchtlingen befinden sich im Klageverfahren«, sagte der Verwaltungsexperte weiter.

Insgesamt leben derzeit in Espelkamp 371 Flüchtlinge, die auch untergebracht werden müssten, erläuterte Hübert weiter im Gespräch mit dieser Zeitung. Und dabei bediene sich die Espelkamper sowohl der Hilfe der Aufbaugemeinschaft wie auch von Privatpersonen. »Wir haben insgesamt 107 Wohnungen angemietet«, sagte Hübert, davon unter anderem 66 von der Aufbaugemeinschaft und 14 private Wohnungen.

Dezentrale Unterbringung

Die Wohncontainer auf dem Festplatz würden hingegen zurzeit abgebaut. Ein Teil sei bereits weg, so Hübert. Den Abbau der zweiten Hälfte datierte Hübert mit dem 7. Dezember. »Dort sind zwar noch vier Personen untergebracht. Die werden dann aber auf die Wohncontainer am Hindenburgring verlegt«, sagte der Verwaltungsexperte.

Ziel der Stadt Espelkamp sei es nach wie vor, die Flüchtlinge dezentral unterzubringen. Derzeit sei dies auch möglich. Aber die Zahlen könnten künftig wieder steigen. Die Stadt Espelkamp habe zwar ihr Aufnahmekontingent von Flüchtlinge aus dem Topf 1 übererfüllt; Hübert sprach von 40 Personen zu viel. Jedoch liege die Erfüllungsquote beim so genannten Topf 2, dem Integrationstopf, gerade einmal bei 56 Prozent. Demnach könne es sein, dass Espelkamp künftig weitere 107 Flüchtlinge mit Titel aufnehmen müsse.

Ein Traum

Hübert sagte, sollte es dazu kommen, hätte die Stadt ein Problem, diese Menschen unterzubringen. »Da stoßen wir an unsere Grenzen. Wenn sich die Situation wieder ändern würde, müssten wir handeln«, sagte Hübert. Mit Blick unter anderem auf das Gelände hinter dem Jugendzentrum Isy 7, direkt an der Trakehner Straße, und anderen Arealen erläuterte der Integrationsbeauftragte weiter, dass die Stadt die baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen habe, um im Notfall ein Übergangswohnheim zu erbauen. »Ich hoffe nicht, dass wir das brauchen«, sagte er.

Die dringlichtsten Probleme für die Flüchtlinge benannte Hübert auch in der Sitzung. So sei es natürlich für jeden Asylsuchenden ein Wunsch, seine eigene Wohnung zu haben. »Davon träumt jeder. Das ist auch allerdings ein Traum«, sagte Hübert. Darüber hinaus gebe es immer noch Probleme bei den Integrationskursen. Abgelehnte Flüchtlinge würden nicht gefördert und ohne Deutschkenntnisse könne man auch keinen Job auf dem Arbeitsmarkt bekommen, sagte Hübert.

Zugang zum Arbeitsmarkt

Der Zugang zum Arbeitsmarkt sei den Flüchtlingen offen. »Trotzdem schaffen es ganz wenige, einen Beruf zu finden, und wenn dann nur im Billiglohnsektor.« Viele Flüchtlingen würden nun sehen, dass es im »reichen Deutschland« gar nicht so sei, wie sie es sich vorgestellt hätten.

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