Adient: Betriebsrat und IG-Metall kritisieren Konzernspitze als »beratungsresistent« »Die Stimmung ist sehr mies«

Espelkamp (WB). Mehr als 300 Beschäftigte sind von der Schließung des Adient-Werkes in Espelkamp betroffen. Derzeit laufen die Verhandlungen zwischen Betriebsrat, IG-Metall und Konzernvertretern.

Von Felix Quebbemann
Das Adient-Werk, ehemals Johnson-Controls, soll im Jahr 2020 geschlossen werden. Derzeit laufen die Verhandlungen zwischen Betriebsrat, IG-Metall und Konzernvertretern. Das nächste Gespräch ist für kommenden Montag geplant.
Das Adient-Werk, ehemals Johnson-Controls, soll im Jahr 2020 geschlossen werden. Derzeit laufen die Verhandlungen zwischen Betriebsrat, IG-Metall und Konzernvertretern. Das nächste Gespräch ist für kommenden Montag geplant. Foto: Felix Quebbemann

Ohne jegliche Not

Ergebnisse für ein zufriedenstellendes Ergebnis sind jedoch auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Dies haben jetzt IG-Metall und Betriebsrat mitgeteilt. Im Sommer des vergangenen Jahres hatte der Autositzehersteller Adient Seating – vormals Johnson Controls – mitgeteilt, sein Werk in Espelkamp schließen zu wollen. Seitdem gab es viele Gespräche mit dem Betriebsrat und mit der IG Metall zur Frage, ob und wie die Werksschließung erfolgen soll.

»Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung könnte das Werk noch bis Ende 2020 in der aktuellen Größe in Espelkamp erhalten bleiben«, teilt die IG Metall in einer Pressemitteilung mit. Denn erst zu diesem Termin laufen die meisten Sitzmodelle bei den Kunden aus. »Was aber macht die Adient-Geschäftsführung? Sie verlagert – aus Sicht der IG Metall ohne jegliche Not – einen Teil der Fertigung bereits jetzt nach Slowenien, so dass bereits zum Jahresanfang 2018 mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze in Espelkamp verloren gehen sollen.«

Beratungsresistenz

Lutz Schäffer, Geschäftsführer der Mindener IG Metall, nennt das Verhalten der Geschäftsführung »beratungsresistent«. »Unser Ziel ist es, möglichst lange möglichst viele Arbeitsplätze in Espelkamp zu halten. Arbeit ist bis Ende 2020 vorhanden. Aber um den Kahlschlag in Espelkamp zu beschleunigen, arbeiten mehr als 30 Beschäftigte aus Adient-Standorten in Slowenien und Rumänien – angeblich wegen Personalengpässen – in Espelkamp. Tatsächlich werden aus unserer Sicht diese Arbeiter beschäftigt, um die geplante Auslagerung der Produktion zu beschleunigen.«

Derzeit gebe es Verhandlungen zum Interessenausgleich und zum Sozialplan. Schäffer: »Das Angebot der Arbeitgeber ist meilenweit von den Forderungen des Betriebsrats und der IG Metall entfernt.«

»Es sieht schlecht aus«

Stefan Wiegmann, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender beim Espelkamper Adient-Werk, bestätigt. »Wir sind sehr weit auseinander – vor allem beim Sozialplan.« Im Sozialplan wird unter anderem die Höhe der Abfindung festgelegt. Am kommenden Montag soll die nächste Verhandlungsrunde anlaufen. Große Hoffnung auf eine Einigung macht sich Wiegmann aber keine. »Es sieht momentan sehr schlecht aus.«

Die Stimmung in der Belegschaft bezeichnet er als »sehr mies«. Anfang dieser Wochen seien zu den 30 Beschäftigten aus Slowenien und Rumänien zwölf weitere Kräfte aus Serbien und der Slowakei hinzugekommen. Informiert werde der Betriebsrat über diese Kräfte nicht. Dies bezeichnet Wiegmann als »böses Spiel« seitens des Konzern.

»85 Arbeitskräfte fehlen«

Adient-Pressesprecherin Claudia Steinhoff hat auf Anfrage dieser Zeitung erklärt. »Die osteuropäischen Arbeitskräfte sind der Urlaubszeit geschuldet.« Ein Adient-Kunde fahre nämlich trotz Ferienzeit Sonderschichten. »85 Arbeitskräfte fehlen«, sagte Steinhoff und bezeichnet die Situation als »sehr großes Kapazitätsproblem.« Bis Ende August würden daher Arbeitskräfte aus Slowenien und anderen osteuropäischen Ländern aushelfen.

Zum Stand der Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der IG-Metall hat sie mit Hinweis auf die laufenden Gespräche keinen Kommentar abgegeben. Sie erläutert jedoch, dass nach Absprache mit dem Betriebsrat ein Teil der Fertigungsumfänge bereits nach Slowenien verlagert worden sei, um die Verluste, die das Espelkamper Werk einfahre, »etwas einzugrenzen«.

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