Ausschuss spricht über Gründung eines Jugendbeirates – Experte aus Herne berichtet »Die Jugendlichen haben eine Stimme«

Espelkamp (WB). Politikverdrossenheit ist heutzutage ein Wort, das gerne verwendet wird, wenn es um dürftige Zahlen zur Wahlbeteiligung bei Bundes-, Landtags- und Kommunalwahlen geht.

Von Felix Quebbemann

Die Begeisterung für Politik beim Nachwuchs wieder zu erwecken und gleichzeitig die

Armin Kurpanik

Jugendlichen an politischen Entscheidungen teilhaben zu lassen – das ist das Ziel eines Jugendbeirates.

KiJuPa

Über diesen möglichen Beirat ist in der vergangenen Sitzung des Ausschusses für Generationen, Sport und Vereinswesen ausgiebig gesprochen worden. Mit Armin Kurpanik berichtete der Geschäftsführer des Kinder- und Jugendparlaments (KiJuPa) Herne darüber, wie sich dieses Gremien in den vergangenen 25 Jahren gegründet und weiter entwickelt hatte.

»Als erstes müssen Sie sich darüber Gedanken machen, welche Rechte ein solcher Beirat haben und wie die Jugendlichen politisch beteiligt werden sollen«, wandte sich Kurpanik an die Politiker. Dazu gehöre zum Beispiel zu schauen, in welchen Ausschüssen Vertreter des Jugendbeirates vertreten sein könnten. Kurpanik machte deutlich, dass man sich auch die Frage stellen müsse, welches Budget ein solcher Beirat haben solle. Er fügte an: »Ein Jugendbeirat bedeutet Arbeit.«

Ziele und Meinungen

In Herne gebe es etwa 150 angemeldete Kinder und Jugendlichen für das Parlament. Jede Schule aus Herne entsende zwei Delegierte. »Am Anfang im Jahr 1992 hatten wir 60 Kinder«, sagte Kurpanik, der seit anderthalb Jahren der hauptamtliche Geschäftsführer des KiJuPa ist. Es gebe insgesamt vier Arbeitskreise mit jeweils etwa 20 Kindern oder Jugendlichen.

»Mein Ziel ist es, sie auf die Politik vorzubereiten und sie dort heranzuführen«, erläuterte Kurpanik seine Arbeit. Zudem solle den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Ziele und Meinungen zu vermitteln. Projekte wie eine Anti-Raucheraktion in der Herner Fußgängerzone und ein Spielplatzcheck aber auch die Arbeit mit Flüchtlingen gingen auf das KiJuPa zurück. Es gebe alljährlich zur Cranger Kirmes einen Kindernachmittag im Bayernzelt, an dem auf Initiative des KiJuPa etwa 800 Kinder teilnähmen. Zudem stünden Workshops auf dem Programm, sagte Kurpanik.

Netto-Budget

Die Ausschuss-Mitglieder hörten sich interessiert den kurzen, inhaltlich informativen Vortrag an. Bürgermeister Heinrich Vieker erklärte, dass Herne mit seinen 160 000 Einwohnern nicht mit Espelkamper zu vergleichen sei. Für Espelkamp müsse man eine andere Form finden. So sei es unter anderem wichtig, nicht nur die Schulen an einem Jugendbeirat zu beteiligen, sondern auch Vereinigungen, die Jugendarbeit leisteten – wie zum Beispiel die Feuerwehr.

Die Frage, wie lange die Vertreter im Parlament in Herne vertreten seien, beantwortete Kurpanik kurz: »Wir wählen für ein Jahr. Die Jugendlichen denken wesentlich kurzfristiger als wir.« Das Netto-Budget des KiJuPa bezifferte Kurpanik auf 7000 Euro jährlich.

André Stargardt (SPD), der den Kontakt zu Kurpanik hergestellt hatte, sagte: »Wenn man einen Jugendbeirat macht, muss man es auch vernünftig begleiten. Es ist wichtig, dass wir an das Thema rangehen.« Er forderte, zeitnah ein solches Parlament einzuführen. »Wir haben die Aufgabe, das zu unterstützen.« Er machte auch klar, dass dazu der Kontakt mit den Schulen gesucht werden müsse.

Große Chance

Vieker pflichtete bei: »Die Verwaltung sieht den Beirat als große Chance, Jugendliche an die Kommunalpolitik heranzuführen.« Er gehe davon aus, dass Espelkamp mit einem Jugendbeirat starte. Dafür müsse zwar Geld in die Hand genommen werden. Aber: »Die Jugendlichen sind wichtig. Sie haben eine Stimme.«

Reinhard Rödenbeck (CDU) sagte, dass ein solcher Beirat sehr wichtig sei. Beteiligt werden sollten alle Jugendlichen, unabhängig von Konfession oder Kultur. »Wir sollten konkret werden. Das gärt schon viel zu lange«, sagte er mit Blick auf eine zügige Gründung.

Viele Freiheiten

Stargardt forderte abschließend, dass einem solchen Jugendbeirat möglichst viele Freiheiten gelassen werden sollten. Denn die Jugendlichen müssten die Möglichkeiten haben zu gestalten.

Armin Kurpanik bot den Espelkampern abschließend an, nach der Gründung eines Jugendbeirates mit Vertretern des KiJuPas aus Herne noch einmal nach Espelkamp zu kommen, um gemachte Erfahrungen weiterzugeben. Dies wurde von den Ausschuss-Mitgliedern befürwortet.

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