Hauptausschuss: Kreis soll Antrag zur Breitbandförderung stellen – Kritik aus Frotheim »Es steckt Substanz dahinter«

Espelkamp (WB/fq). Der Masterplan für den Kreis Minden-Lübbecke sieht einen flächendeckenden Breitbandausbau vor. Dabei sollen vor allem auch Espelkamps Dörfer spätestens in drei Jahren an das schnelle Internet angeschlossen werden.

Netzwerkkabel stecken in einem Server – ein solches Bild ist für Einwohner in Frotheim noch Zukunftsmusik. Doch mit dem Masterplan des Kreises soll schnelles Internet auch spätestens in drei Jahren für alle weißen Internetflecken im Mühlenkreis normal sein.
Netzwerkkabel stecken in einem Server – ein solches Bild ist für Einwohner in Frotheim noch Zukunftsmusik. Doch mit dem Masterplan des Kreises soll schnelles Internet auch spätestens in drei Jahren für alle weißen Internetflecken im Mühlenkreis normal sein. Foto: dpa

Andreas Holsmölle von der Kreisverwaltung hat den Masterplan in der vergangenen Hauptausschuss-Sitzung vorgestellt. Demnach sind in Espelkamp etwa 3800 Haushalte unterversorgt, was die Internetleitungen angeht. »Im ganzen Kreis haben wir 24 800 Haushalte – davon alleine in Petershagen 6000«, machte Holsmölle deutlich und sprach von »weißen Flecken«. Als unterversorgt gelten Haushalte bei einer Datenleitung von unter 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Beim Masterplan hat die Firma Micus eine Netzplanung auf FTTP-Grundlage erstellt. FTTP heißt »Fiber To The Premises« und bedeutet, dass jedes Grundstück oder jedes Firmengelände über Glasfaserkabel mit dem Internet verbunden ist.

Fördersumme: 14,5 Millionen Euro

Mit diesen Zahlen kann nun ein Antrag auf Förderung bei Bund und Land gestellt werden. Holsmölle sagte, dass der Kreis dies federführend in die Hand nehmen wolle. Der Hauptausschuss stimmte nach den Ausführungen einmütig dafür, den Kreis damit zu beauftragen, Fördermittel bei Bund und Land zu beantragen. Kreisweit gehe es da um Fördersummen in Höhe von 14,5 Millionen Euro vom Bund und rund 11,6 Millionen Euro vom Land. Die Kommunen des Mühlenkreises müssten 2,91 Millionen Euro für die Breitbandversorgung selbst aufbringen. Holsmölle riet den Espelkamper Ausschuss-Mitgliedern, dass sie sich dem gemeinsamen Antrag der Kommunen anschließen sollten. »Damit wären alle weißen Flecken versorgt.« Auf jeden Haushalt käme dann eine Anschlussgebühr von 230 Euro zu.

Bürgermeister Heinrich Vieker erklärte, dass alle Stadtoberhäupter und der Landrat sich einig seien, dass der Kreis den Antrag für alle stellt. »So haben wir für das Kreisgebiet einen zügigen und kompletten Ausbau vor Augen.« Vieker verdeutlichte zudem, dass 90 Prozent Förderung eine »Hausnummer« seien.

»Ganz schlecht und mies«

Reinhard Bösch, SPD-Fraktionsvorsitzender, erklärte, »Wir können und dürfen das nicht sausen lassen. Es steckt das erste Mal wirklich Substanz dahinter.« Wilhelm Stockmann, CDU-Ortsvorsteher in Frotheim, konnte sich den Worten von Bösch nur anschließen. In Frotheim sehe es mit dem Internet »ganz schlecht und mies aus. Das ist der Weg«. Die Umsetzungszeit von drei Jahren sei jedoch etwas langwierig.

Holsmölle erklärte, dass der Ausbaustart für 2017 vorgesehen und dann für drei Jahre angesetzt sei. Günter Bünemann, SPD-Politiker und Dorfgemeinschaftsvorsitzender in Frotheim, erklärte, dass drei Jahre ein »biblisch langer Zeitraum« in der Internetbranche seien.

Schwierigkeiten

Die derzeit schlechte Internetversorgung in Frotheim treffe vor allem die Gewerbetreibenden. »Sie haben Schwierigkeiten, ihre Büros weiter zu betreiben.« Von einem Versicherungsbüro wisse er, dass es zum Ende des Jahres schließen werde, wenn es keine bessere Internetverbindung gebe. Bünemann sagte, dass »die Notwendigkeit gegeben ist, da mit größtem Druck ranzugehen und etwas zu verändern«.

Bürgermeister Heinrich Vieker erklärte, dass dies nicht Inhalt des Beschlussvorschlages sei und betonte: »Wenn wir schnell sind, haben wir die Chance, den Breitbandausbau zu einem vernünftigen Preis zu bekommen.«

Holsmölle und Vieker sagten unisono, dass man jetzt das machen solle, was man machen könne – den Förderantrag stellen. Der könnte bis Ende des Jahres positiv beschieden werden, fügte Holsmölle abschließend an.

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