Der 86-jährige Ernst Bräger gibt aus Altersgründen sein Shetland-Pony ab Rentner nimmt Abschied vom Lottchen

Espelkamp (WB). Sie sind wohl eines der bekanntesten Paare in Espelkamp. Ernst Bräger und sein Shetland-Pony Lottchen. Sie gehen seit Jahrzehnten gemeinsam durch die Innenstadt. Doch dieses Bild wird nun der Vergangenheit angehören.

Von Felix Quebbemann

Denn Ernst Bräger hat sein Lottchen abgegeben – aufgrund seines fortgeschrittenen Alters. Er habe sich nicht mehr in dem Maß um das Tier kümmern können wie in der Vergangenheit, sagt der 86-Jährige. Lottchen und Ernst Bräger – das ist eine ganz besondere Geschichte, die das WESTFALEN-BLATT über Jahre begleitet hat.
Das 19-jährige Shetland-Pony und der 86-jährige Rentner waren einfach unzertrennlich. »Bei großen Feiern in der Stadt sind wir immer dabei gewesen.«

Ob City-Fest oder Weihnachtsmarkt. Überall tauchten die beiden auf und wurden natürlich sogleich umringt von den Menschen. Die waren zuerst richtig erstaunt. Das sieht man ja auch nicht alle Tage – ein älterer Mann, der mit seinem Pferd spazieren geht. Die passende Kleidung für Lottchen durfte natürlich auch nicht fehlen. So trug das Pony zum Weihnachtsfest auch gerne einmal eine rot-weiße Mütze.

Seit 1999 hat Ernst Bräger das Pony bereits und es seitdem auch in seinem Garten gehalten. Dort hatte er einen kleinen Stall gebaut, in dem Lottchen ihr Zuhause fand. Wie selbstverständlich ging das Duo durch die Straßen der Innenstadt, in früheren Zeiten auch gerne mit einem kleinen Gespannwagen. Und überall seien sie herzlich willkommen gewesen. »›Kommen Sie rein‹« ist ein häufig gehörter Satz gewesen«, sagt Ernst Bräger.

Er erinnert sich zum Beispiel gerne an einen Besuch im Ludwig-Steil-Hof. Dort habe er auch eine Runde durch den Saal mit Lottchen gedreht. »Man hatte uns auch gesagt: ›Kommen Sie rein.‹ Das haben wir dann auch gemacht«, sagt Bräger mit einem Lachen.

Dass Lottchen überhaupt zu ihm gekommen ist, sei Zufall gewesen. Denn eigentlich hatte Bräger bereits ein anderes Pony. Mex hieß das Tier. »Der war aber so frech – da konnte ich nicht mit um und auch nicht mit rausgehen.« Also tauschte Bräger dieses Pony gegen Lottchen. Und damit fand eine große Freundschaft ihren Anfang. Am 1. Dezember 1999 kaufte der heute 86-jährige Rentner das Lottchen. Beinahe 16 Jahre lang waren die beiden unzertrennlich.

Die Liebe zu Pferden hat Ernst Bräger bereits in frühester Kindheit mitbekommen. »Wir kommen gebürtig aus Hinterpommern«, sagt der 86-Jährige. Und auf dem elterlichen Bauernhof habe es vier Arbeitspferde gegeben und auch ein paar Fohlen. Seitdem haben es ihm Pferde angetan.

Doch so lange Bräger berufstätig war, konnte er sich kein Pony zulegen. Dieser Gedanke wurde erst konkret mit dem Ruhestand. »In der Rente konnte ich dann endlich ein Pferd halten.«

Nun – mit 86 Jahren – wird dem immer noch rüstigen und lebensfrohen Rentner das Halten des Vierbeiners etwas zu anstrengend. Schließlich muss unter anderem der Pferdemist aus dem Stall und dem Garten entfernt werden. Und so hat er sich schweren Herzens dazu entschieden, Lottchen abzugeben. Das Shetland-Pony steht jetzt auf einer Wiese in der Tirrenstraße. Den Tipp zu dem Hof habe er von seinem Tierarzt bekommen, der Lottchen über die Jahre betreut hat, sagt Bräger.

Nach dem ersten Kontakt war für den Rentner gleich klar, dass es dem Lottchen in ihrem neuen Zuhause und auf der Wiese wohl gefallen wird. Dort ist die 19-jährige Shetland-Pony-Dame auch nicht alleine. Mit Pferd Mona teilt sie sich ihr neues Domizil. Und auf den ersten Blick wird sofort deutlich, dass sich die beiden Vierbeiner bereits gut verstehen.

Einmal wöchentlich besucht Ernst Bräger sein Lottchen auf der neuen Wiese. Und sobald der Rentner das Tor öffnet, gibts auch kein Halten mehr. Lottchen trabt los und holt sich erstmal ein paar Streicheleinheiten und eine leckere Banane von »ihrem Freund« ab.

Dass die beiden künftig weiterhin durch die Espelkamper Innenstadt gehen, sei eher ausgeschlossen, sagt Bräger. »Da wird wohl nichts draus werden«, meint der 86-Jährige etwas nachdenklich. Er erinnert sich gerne an die Zeit mit Lottchen zurück.

Seine Gedanken dürften nicht nur um die gemeinsamen Ausflüge in der Innenstadt kreisen. Die beiden waren nämlich auch schon gemeinsam im Fernsehen. Und im WESTFALEN-BLATT haben sie mehrere Male für Aufsehen gesorgt – unter anderem präsentierten sie eine riesige Kartoffel, die »nur aufgrund des guten Düngers von Lottchen so groß geworden ist«, erinnert sich Bräger noch an die Geschichte vor einigen Jahren. Von dem Dünger habe er sich auch noch einiges zurückgelegt, sagt der Rentner verschmitzt und schließt das Tor zur Wiese. Es sei nicht leicht gewesen, als er Lottchen am 24. Juni dieses Jahres das erste Mal auf der Wiese zurückgelassen habe.

Lottchen lässt sich derweil das grüne Gras schmecken, während sie Ernst Bräger dabei beobachtet. »Wir haben nicht viel erlebt – aber etwas«, sagt der 86-Jährige mit viel Wehmut in der Stimme.

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