Hohe Inzidenz im Kreis: Nächtliche Ausgangssperre und weniger radikale Gottesdienstregeln bleiben
Einzelhandel mit Schnelltest erlaubt

Lübbecke/Minden -

Die Corona-Infektionen liegen im Kreis Minden-Lübbecke auch jetzt, zu Beginn der dritten Welle, über dem Landesdurchschnitt.

Freitag, 26.03.2021, 18:17 Uhr aktualisiert: 26.03.2021, 18:20 Uhr
Landesweit soll der Besuch des Einzelhandels mit Schnelltest – wie etwa im Schnelltestzentrum in Blasheim (Foto) – auch bei Inzidenz über 100 erlaubt sein – in Abstimmung mit dem Land. Der Kreis Minden-Lübbecke wird diese Regelung übernehmen.

Trotz eines Wocheninzidenzwertes von 173 will der Kreis nach der am Freitag veröffentlichten Corona-Schutzverordnung des Landes die Öffnung des Einzelhandels ab Montag erlauben – wenn Kunden einen tagesaktuellen negativen Schnelltest vorlegen können.

Angesichts einer weit verbreiteten und inzwischen etablierten Test-Infrastruktur im gesamten Kreisgebiet wird Minden-Lübbecke die Öffnungen nicht zurückzunehmen, sondern den Einkauf im Einzelhandel oder den Besuch von Museen an einen negativen Test binden, erklärt der Kreis.

„Der Einzelhandel trägt nach bisherigem Stand nicht zur Verbreitung des Virus bei und dementsprechend wollen wir den Unternehmerinnen und Unternehmern die Möglichkeit bieten, ihre Läden weiter zu öffnen. Uns kommt in dieser Situation zugute, dass es im Mühlenkreis schon jetzt viele Anbieter für Schnelltests gibt“, sagt Minden-Lübbeckes Landrätin Anna Katharina Bölling. „Das Landesgesundheitsministerium hat unserem Vorschlag bereits zugestimmt.“

Der Kreis Minden-Lübbecke hat dazu eine neue Allgemeinverfügung erlassen, die eine Maskenpflicht in den Fußgängerzonen aller Städte und Gemeinden mit einer Inzidenz von über 200 enthält. Aktuell trifft das auf Bad Oeynhausen, Lübbecke und Minden zu. Weiter bleibt es bei der nächtlichen Ausgangssperre, die von Ordnungsämtern und Polizei kontrolliert wird.

Der wichtigste Grund für die rasant steigenden Zahlen und damit die Notwendigkeit, die Maßnahmen zu verschärfen, ist aus Sicht des Kreises in der infektiöseren britischen Virus-Mutation zu sehen. Bei den Mühlenkreiskliniken (MKK), die die Corona-Tests genau untersuchen, hat man schon seit einiger Zeit beobachtet, dass die Verbreitung, die anders als beim so genannten Wildtyp auch nachgewiesenermaßen über Kinder und Jugendliche läuft, im Kreis besonders groß ist. MKK-Sprecher Christian Busse: „Der Wildtyp kommt nur noch vereinzelt vor. Die britische Variante hat sich komplett durchgesetzt.“ Infizierte sind nicht nur ansteckender, sondern haben auch ein höheres Risiko, schwer zu erkranken, so der Forschungsstand.

Bei Schulen und Kindergärten, die derzeit viele Ausbrüche vermelden, ist das Land zuständig und hat die Öffnung der Sekundarstufen wieder rückgängig gemacht. Der Kreis hat zusätzlich aufgerufen, dass Eltern von Kleinkindern nach Möglichkeit ihre Kinder nicht in den Kindergarten bringen, um weitere Infektionen zu vermeiden.

Landrätin Anna Katharina Bölling.

Landrätin Anna Katharina Bölling. Foto: Friederike Niemeyer

Weil sich Menschen darüber hinaus vor allem im privaten Bereich infizieren, hat der Kreis härtere Kontaktbeschränkungen in seiner neuen Allgemeinverfügung erlassen: Private Zusammenkünfte sind nur für zwei Hausstände erlaubt und in der Zeit zwischen 21 Uhr und 4 Uhr des Folgetages darf die eigene Wohnung nur im Ausnahmefall verlassen werden. Landrätin Anna Katharina Bölling begründet das so: „Es gilt, Kontakte zu reduzieren. Dem trägt die nächtliche Ausgangssperre Rechnung.“ Sie verweist auf den Erfolg in der zweiten Welle: „Ende des vergangenen Jahres waren die Infektionszahlen im Kreis auf einem unerträglich hohen Niveau und die Situation in den Krankenhäusern war sehr angespannt. Auch durch die Ausgangsbeschränkungen ist es uns gemeinsam gelungen, die Inzidenz in kurzer Zeit deutlich zu senken.“

Konkret ist durch die nächtliche Ausgangssperre vieles unterbunden, was Infektionen begünstigen kann, weil Abstände nicht eingehalten werden: der feucht-fröhliche Pärchenabend daheim, eine Übernachtung bei Freunden, der Nachbarschaftstreff auf der Terrasse oder das gemeinsame „Abhängen“ von Jugendlichen in der Stadt.

Die Beschränkungen bei den Gottesdiensten hätte die Kreisverwaltung sehr gerne schärfer gefasst, erklärt Kreissprecher Florian Hemann. „Bei der Teilnehmerzahl von 100 Personen handelt es sich bereits um ein Zugeständnis des Landes NRW. Der Eingriff in das Grundrecht der Freiheit der Religionsausübung nach Artikel 4 Grundgesetz hat besonders hohe Hürden.“

Landrätin Bölling sagt, im Entwurf des Kreises seien dafür verpflichtende Schnelltests vorgesehen gewesen. „Gottesdienstbesucher und -besucherinnen hätten dann vorher einen negativen und tagesaktuellen Schnelltest vorweisen müssen. Das wäre aus meiner Sicht ein guter Kompromiss gewesen, der Gottesdienste nicht grundsätzlich verbietet, aber zumindest deutlich mehr Sicherheit schafft“, erläutert Bölling.

Außerdem wollten wir die maximale Dauer der Gottesdienste auf 45 Minuten festsetzen.

Anna Katharina Bölling

„Außerdem wollten wir die maximale Dauer der Gottesdienste auf 45 Minuten festsetzen.“ So war es auch während der zweiten Welle geregelt. Bölling weiter: „Das Land hat diesen Regelungen jedoch nicht zugestimmt, daran müssen wir uns als Kreis halten.“ Sie verstehe, wenn das Menschen verärgere – entsprechend hatte sich auch Rahdens Bürgermeister Bert Honsel geäußert. Die Landrätin: „Auch ich hätte mir hinsichtlich der Gottesdienste weitergehende Regeln erhofft.“ Landrätin und Krisenstab appellieren insofern eindringlich, auf Gottesdienste zu verzichten und für den Fall, dass daran festgehalten werden soll, zumindest freiwillig mit Schnelltests für mehr Sicherheit zu sorgen.

Im ähnlich von Corona gebeutelten Kreis Herford bemüht man sich, NRW-Modellregion zu werden und durch Testen und Kontaktnachverfolgung mehr lockern zu dürfen. Kreissprecher Hemann sagt dazu: „Landrätin und Krisenstab können sich das Modellprojekt grundsätzlich vorstellen und sehen den Kreis durch viele Testangebote, eine relativ hohe Impfquote und den neuen Möglichkeiten der digitalen Nachverfolgung insgesamt gut aufgestellt. Angesichts der großen Heterogenität im Kreis – hinsichtlich der Inzidenzwerte und der unterschiedlichen Strukturen von eher urbanen und ländlichen Regionen – würde es der Kreis begrüßen, wenn sich einzelne Städte und Gemeinden als Modell-Kommune bewerben.“ Details zum Bewerbungsprozess seien jedoch noch nicht bekannt.

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