Multimedia-Performance mit Dominic Raacke in Bad Oeynhausen feiert Weltpremiere
Spannende Reise durch die Zeit

Bad Oeynhausen (WB) -

Einfach die Lockdowns überspringen und in eine Zeit nach Corona reisen – was für viele in diesen Tagen verlockend klingen mag, kann auch zur Ernüchterung werden – zumindest, wenn man sich ein Beispiel an H. G. Wells „Die Zeitmaschine“ nimmt. Schauspieler Dominic Raacke hat das Publikum beim dritten Live-Stream des Theaters im Park mit auf eine spannende Reise genommen, in der nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Montag, 01.03.2021, 06:52 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 07:01 Uhr
Während Dominic Raacke von seinen Erlebnissen berichtet, vertont Stefan Weinzierl die Geschehnisse. Über eine Leinwand flackern die Visualisierungen. Foto: Lydia Böhne

Eine Seitentür des Theatersaals öffnet sich: Dominic Raacke, in der Rolle als fahrig wirkender Erzähler, betritt den Raum. Er monologisiert über Bewusstsein, mathematische Linien und Dimensionen. „Sie haben Unrecht, wenn Sie sagen, wir können uns in der Zeit nicht frei bewegen“, behauptet der Erzähler. Er selbst habe es erlebt: „Sie müssen mir aufmerksam folgen.“

Der Blick auf die Bühne verschwimmt, es erscheinen sich drehende, psychedelisch anmutende Muster auf dem Bildschirm. Aus dem Hintergrund sind sphärische Geräusche zu hören, die sich rauschartig hochschaukeln und das Abtauchen in ferne Zeiten einläuten.

„Ich bin einen Moment betäubt“, ist die Stimme des Zeitreisenden zu hören. Zwischen Animationen, Mustern und grafischen Gebilden sind die Umrisse von Dominic Raacke zwischen Überblendungen zeitweise nur schemenhaft zu erkennen. Ein Effekt, der auf dem heimischen Endgerät sogar noch besser zur Geltung kommt, als es auf der Leinwand im Theater der Fall gewesen wäre.

Ich bin einen Moment betäubt.

Der Zeitreisende

Der Zeitreisende findet sich auf einer Wiese im Jahr 802.701 wieder. Die Erde scheint ein paradiesischer Garten ohne ansteckende Krankheiten geworden zu sein, der von den kindlich wirkenden Eloi bevölkert wird. Kleine rosige Hände, weiche, haarlose Gesichter – die Menschen der Zukunft sehen alle gleich aus.

Mit einem Theremin vertont Musiker Stefan Weinzierl die kindlichen Wesen; ein elektronisches Musikinstrument, das durch Antennen berührungslos Töne erzeugt. So futuristisch wie es klingt, sind auch die Laute, die der Multi-Percussionist damit erzeugt.

Um die Science-Fiction-Literatur von Wells Klassiker zu untermalen, greift der Schlagzeuger auf andere Instrumente zurück. Aus der Vogelperspektive kann das Publikum Weinzierl dabei beobachten, wie er mit dem Geigenbogen über die Speiche eines umgedrehten Einrades streicht, das Vibraphon spielt oder zur Melodica greift.

Diffuse Grafiken

Eingebettet in diese ungewöhnliche Klangkulisse huschen immer wieder diffuse Grafiken über den Bildschirm. Zwischen kaleidoskopartigen Collagen blendet Visual-Artist Rocco Helmchen Gebilde ein, die passend zu den Erzählungen einen Schacht oder eine Flamme erahnen lassen.

Währenddessen durchlebt Dominic Raacke auf der Bühne eine Bandbreite der menschlichen Gefühle: Neugierde auf die neue Welt, Erstaunen über die scheinbare Technologisierung, Verzweiflung, als er erkennt, dass unter der Oberfläche die Morlocks leben, und Angst, als er dieser Spezies begegnet.

Zwischen Ernüchterung und Erleichterung

Ernüchtert muss er feststellen, dass sich die Bevölkerung in zwei Klassen geteilt hat und die Morlocks in dieser Dystopie über die Eloi herrschen. In letzter Sekunde kann sich der Zeitreisende vor den gefühllosen Wesen retten.

Dominic Raacke, Stefan Weinzierl und Rocco Helmchen erzeugen ein düsteres Schauspiel, das einerseits Kritik an der Zweiklassengesellschaft übt, das Publikum aber auch mit der Erleichterung zurücklässt: Zum Glück handelt es sich dabei nur um eine Fiktion der Wissenschaft – das Gegenteil kann auch der Erzähler nicht beweisen. Als er dies will, verlässt er aufgeregt den Theatersaal. Von seiner erneuten Zeitreise kommt er nicht mehr zurück.

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