Autobahn-Auffahrten auch am Dienstag gesperrt - Lastwagen-Fahrer hielten sich nicht an Fahrverbot
Chaos auf A2: Fahrer müssen im Stau ausharren

Bielefeld/Bad Salzuflen/Herford/Bad Oeynhausen (dpa/WB) -

Nachdem am Montag und in der Nacht zu Dienstag zahlreiche Lastwagen und Autos auf der A2 bei Bielefeld steckengeblieben waren, sind auch am Dienstagmittag die Auffahrten auf die Autobahn in Ostwestfalen gesperrt. Nach Angaben der Polizei sollen die Räumdienste nach dem heftigen Schneefall der letzten Tagen die Spuren räumen und Eisreste beseitigen.

Dienstag, 09.02.2021, 07:32 Uhr aktualisiert: 09.02.2021, 13:16 Uhr
Der Stau begann am Nachmittag und dauerte die ganze Nacht. Foto: Christian Müller / Westfalennews

Fahrer und Mitfahrende verbrachten bei eisiger Kälte zum Teil die ganze Nacht und damit mehr als zwölf Stunden in ihren fest sitzenden Fahrzeugen. Der Verkehr fließt nach Polizeiangaben in beide Fahrtrichtungen wieder. Dafür staut sich jetzt aber auf den Zufahrtsstraßen zur A2 der Verkehr.

Am Dienstagmorgen staute sich der Verkehr auf der A2 zwischen Bad Oeynhausen und Bad Eilsen auf einer Länge von etwa 20 Kilometern. In der Gegenrichtung zwischen Herford und Rheda-Wiedenbrück waren es etwa 30 Kilometer Stau. Bereits am Montagmittag waren Lastwagen auf der Autobahn wegen des Schnees steckengeblieben. Die Autobahn wurde in beiden Fahrtrichtungen gesperrt - insgesamt bildeten sich rund um Bielefeld zeitweise mehr als 70 Kilometer Stau.

Der Stau wird die Einsatzkräfte den Angaben nach noch den gesamten Tag über beschäftigen. Die Räumfahrzeuge kommen nicht durch, sagte der Sprecher. Zudem müssten festgefahrene Autos und Lastwagen einzeln rausgezogen werden. Der ADAC empfahl, den Bereich weiträumig zu umfahren. Alle Rastplätze seien ausgelastet.

Es wird noch sehr lange dauern, bis sich das Knäuel aufgelöst hat.

Eine Polizeisprecherin

Das Ganze begann wohl am Kreuz Bad Oeynhausen. Eine Sperrung gab es zunächst zwischen Vlotho-Exter und Bad Oeynhausen. Der Rückstau zog sich zwischenzeitlich über 37 Kilometer. Die Autobahn wurde in beiden Fahrtrichtungen gesperrt - insgesamt bildeten sich zeitweise mehr als 70 Kilometer Stau. Betroffen war der ganze Abschnitt von Gütersloh über Bielefeld, Herford und Bad Salzuflen bis nach Niedersachsen.

Trotz einer Umleitung über die A33 entspannte sich die Lage in der Nacht zu Dienstag kaum, wie eine Polizeisprecherin sagte. «Es wird noch sehr lange dauern, bis sich das Knäuel aufgelöst hat», sagte die Sprecherin.

Hilfsorganisationen wie der Arbeitersamariterbund verteilen Snacks und Getränke an die eingeschlossenen Autofahrer.

Der Arbeitersamariterbund verteilt Getränke und Snacks im kilometerlangen Stau im Schneechaos auf der A2.

Der Arbeitersamariterbund verteilt Getränke und Snacks im kilometerlangen Stau im Schneechaos auf der A2. Foto: Christian Müller / Westfalennews

Stau auch auf umliegenden Straßen

In der Nacht zum Dienstag bei der Polizei in Minden zahlreiche Notrufe liegengebliebener Autofahrer eingegangen. „Manche hatten keinen Sprit mehr, manche wollten nur Informationen, wann es endlich weitergeht“, sagte ein Sprecher der Polizei Minden-Lübbecke. Beamte seien am Autohof Porta Westfalica an der A2 im Einsatz gewesen, weil der völlig überfüllt gewesen sei.

„Da ging es wohl drunter und drüber“, sagte der Sprecher. Die massiven Stauungen wirkten sich auch am Morgen noch auf die umliegenden Straßen aus. So habe der Verkehr in Richtung Bad Oeynhausen sich so stark zurückgestaut, dass ein Tunnel wegen der erhöhten Abgaswerte gesperrt werden musste. Dort hatten zahlreiche Fahrer versucht, den Autobahnstau zu umfahren.

Lastwagenfahrer hielten sich nicht an Autobahn-Fahrverbot

Das nächtliche Schneechaos auf der A2 ist aus Sicht der Autobahn GmbH Westfalen maßgeblich durch Lastwagenfahrer mitverursacht worden, die sich nicht an das Autobahn-Fahrverbot bis 22.00 Uhr gehalten haben. Viel zu viele Lastwagenfahrer hätten das Verbot missachtet, sagte Sprecher Bernd Löchter am Dienstag in Hamm. Die Aufhebung des Verbots ab 22.00 Uhr habe die Situation dann auch nicht mehr deutlich verschlimmert. „Staus hatten wir ja da schon. Da hatten wir schon Not durchzukommen. Insofern war es da eigentlich schon zu spät.“

Grund für die Aufhebung des Fahrverbots zu 22 Uhr seien Informationen gewesen, dass die starken Schneefälle nach Norden wegzögen, sagte Löchter. Dann habe die Behörde keinen Grund mehr gesehen, ein Lkw-Verbot aufrechtzuerhalten, zumal die Not der Spediteure groß sei, fahren zu müssen, um ihre Lieferketten und Termine einzuhalten. „So ein Verbot hält man nicht länger aufrecht als unbedingt nötig“, sagte Löchter. „Die haben hier im Sekundentakt angerufen, ich habe Telefonate mit Polen, mit Holland geführt.“

 

So ein Verbot hält man nicht länger aufrecht als unbedingt nötig.

Bernd Löchter, Sprecher der Autobahn GmbH Westfalen

Bei so schweren Schneefällen wie in der vergangenen Nacht stoße jeder Winterdienst an seine Grenzen, sagte Löchter. Irgendwann seien Schneedecken festgefahren, sodass auch Salz nicht mehr weiterhelfe. Die 440 Einsatzkräfte der Autobahnmeistereien in Westfalen arbeiteten an der Belastungsgrenze, sagte der Sprecher. Aber wenn Lastwagen quer stünden und die Fahrbahn blockierten, könnten sie nichts ausrichten. Ein Lastwagen habe sogar - noch während des Fahrverbotes - ein Einsatzfahrzeug links überholt, sagte Löchter.

Ein Lastwagenfahrer habe ihn angerufen und gefragt, was Verstöße kosteten. Der Chef des Mannes habe vorher zu dem Fahrer gesagt: „Ein Punkt und 60 Euro Strafe - dafür können Sie‘s doch ruhig riskieren“, berichtete Löchter. Die Durchsetzung der Verbote sei Sache der Polizei, nicht seine, sagte Löchter. Er könne die Wirksamkeit der Bußen nicht beurteilen. „Aber jedenfalls, es muss funktionieren.“

Probleme auch bei Dortmund

Etwas weniger dramatisch war die Lage laut Polizei bei Dortmund, wo die A2 ebenfalls gesperrt wurde. Auf der Fahrbahn in Richtung Oberhausen hatten sich am Montagnachmittag Dutzende Lastwagen festgefahren, die vom Technischen Hilfswerk befreit werden mussten, wie die Polizei mitteilte. Zwischenzeitlich zog sich der Rückstau nach Angaben des Lagezentrums zehn Kilometer lang, löste sich in der Nacht jedoch auf. Die Polizei registrierte 340 Verstöße gegen ein Lkw-Fahrverbot - eigentlich durften Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen bis 22 Uhr nicht auf der Autobahn unterwegs sein.

Die Polizei warnte beim Kurznachrichtendienst Twitter davor, die A2 in Richtung Oberhausen zu befahren. Die Fahrbahnen seien «spiegelglatt». Das Technische Hilfswerk und die Feuerwehr kümmerten sich bei beiden Staus um die Fahrer und verteilten heiße Getränke.

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