Lübbecker Meteorologe Friedrich Föst sagt „knackigen“ Kälteeinbruch vorher – Pflanzen sollten gut geschützt werden
Der Winter naht

Hüllhorst/Lübbecke (WB) -

Bei Friedrich Föst herrscht eine freudige Aufregung. Der Lübbecker Diplom-Meteorologe ist gespannt, was das Tief, das vom Ärmelkanal am Wochenende nach Deutschland zieht für den Kreis Minden-Lübbecke bereithält.

Donnerstag, 04.02.2021, 19:52 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 22:14 Uhr
Das Foto zeigt Friedrich Föst im März 2018. Ob der Meteorologe am Wochenende auch Schnee schippen muss, ist noch unsicher. dass das Thermometer deutliche Minusgrade anzeigen wird, ist hingegen schon sicher. Foto: Kai Wessel

Zwar herrsche noch eine große Unsicherheit über das Ausmaß des bevorstehenden Wintereinbruchs, eins sei aber klar. „Die Kälte kommt“, ist Friedrich Föst überzeugt. Solch Wetterkarten und Berechnungen wie er sie derzeit vor sich hat, habe er schon seit längerer Zeit nicht mehr gesehen, gibt er zu. „Als Meteorologe, der seinen Beruf mit großer Leidenschaft ausübt, freut man sich über so eine Wetterlage.“

Für Deutschland sollen die Höchstwerte am Sonntag bei knapp minus 10 Grad in Vorpommern bis plus 12 Grad am Oberrhein liegen. „Bei diesen großen Temperaturunterschieden fällt viel Niederschlag, der auf der kalten Seite als Schnee, auf der warmen Seite als Regen fällt sowie im Übergangsbereich von warmer zu kalter Luft einen Streifen mit gefrierendem Regen. Es ist mittlerweile sicher, dass der Mühlenkreis einen veritablen Kälteeinbruch am Wochenende erleben wird“, erläutert Friedrich Föst. „Es stellt sich ab Sonntag Dauerfrost ein und in der kommenden Woche sind Tiefstwerte von minus 10 bis minus 15 Grad ziemlich wahrscheinlich. Das gab es das letzte Mal im Dezember 2010, ist also schon ein paar Donnerstage her“, sagt der Meteorologe weiter.

Was für den einen Winterfreude bedeutet, lässt den anderen ob seiner Pflanzen im Garten nervös werden. Denn einige Büsche und Blumen haben bereits Knospen angesetzt und mögen die bevorstehende Kälte gar nicht. „Die Pflanzen, die man noch nicht abgedeckt hat, sollte man jetzt noch unbedingt mit einem Wintervlies schützen“, sagt Ga­briele Labes vom Grätz Gartenpark in Hüllhorst. Das gelte etwa für Magnolien oder auch Hortensien. „Bei großen Hortensien wird es schwierig, da muss man den Frostschaden leider einkalkulieren.“ Olivenbäume im Beet sollten ebenfalls abgedeckt werden. Wenn noch nicht geschehen, sollte bei Rosen noch etwas Erde oder – wenn noch vorhanden – eine Laubschicht angehäufelt werden. Zitruspflanzen im Kübel gehören dagegen ins Haus. Und für die erste Gemüseanzucht im Gewächshaus gelte eh ein besonderes Schutz. „Die brauchen Wärme, da ist ein Frostwächter unabdingbar“, sagt Gabriele Labes weiter.

Frostempfindliche Pflanzen sollten – wie hier von Gabriele Labes demonstriert – mit einem Vlies geschützt werden.

Frostempfindliche Pflanzen sollten – wie hier von Gabriele Labes demonstriert – mit einem Vlies geschützt werden. Foto: Anette Hülsmeier

Im Gegensatz zu den Temperaturen sei der genaue Wetterablauf im Mühlenkreis noch unsicher, berichtet Friedrich Föst. Derzeit zeigten die Wettermodelle Schneefälle vor allem in der Nacht zum Sonntag und am Sonntag selbst. Föst: „Das Ausmaß der Schneefälle ist aber noch nicht sicher, da die genaue Zugbahn und damit auch die Niederschlagsmengen noch sehr unterschiedlich berechnet werden.“ Sie reichen von lediglich ein paar Zentimetern bis hin zu 20 bis 30 Zentimetern Schnee.

Eine weitere Unsicherheit bestehe aber auch in der Niederschlagsart. Während in Bodennähe mit östlichem Wind ab Samstag immer kältere Luft heranwehe, ströme in höheren Atmosphärenschichten warme Luft heran. „Und jetzt kommt es drauf an: Steigt die Temperatur dort oben auf über 0 Grad an, tauen die Schneeflocken auf und kommen als Regen bei uns unten an. Die Crux: Es herrschen unten aber Minusgrade, so dass der Regen gefriert und als Glatteisregen niedergeht. Sicher ist: Die Zunge mit der Warmluft in der Höhe nähert sich unserer Region in der Nacht zum Sonntag, ob sie uns erreicht und womöglich Eisregen aufkommt, ist aber noch nicht sicher. Da kommt es auf wenige Kilometer an und dahingehend ändern sich die Prognosen von Lauf zu Lauf.“

Man sollte sich darauf einstellen, dass es am Sonntag und auch am Montag zu schwierigen Straßenverhältnissen kommen kann.

Friedrich Föst

Ebenso unsicher sind die Vorhersagen in Bezug auf den Wind: Einzelne Berechnungen zeigen derzeit am Sonntag Windgeschwindigkeiten von 50 bis 70 Kilometern pro Stunde im Mühlenkreis. Föst: „Sollten sich diese Prognosen bewahrheiten, würde das Folgendes bedeuten: 1. Die Luft da draußen fühlt sich noch viel kälter an. Bei einer zu erwartenden Temperatur von minus 7 Grad am Sonntag tagsüber fühlt sich die Luft bei Böen um 60 Kilometern pro Stunde wie knapp minus 20 Grad an. Und 2. In Kombination mit dem Pulverschnee würde es zu nicht unerheblichen Schneeverwehungen kommen. So oder so: Man sollte sich darauf einstellen, dass es am Sonntag und auch am Montag zu schwierigen Straßenverhältnissen kommen kann.“ Das betreffe sowohl die Auto- als auch die Bahnfahrer.

Friedrich Föst zieht ein erstes Fazit aus den Vorhersagen: „Es braut sich eine hochbrisante Wetterlage zusammen, die Potenzial hat, eine der ‚knackigsten‘ Wetterlagen seit dem Dezember 2010 zu werden. Genauer Ablauf und Ausmaß sind aber noch unsicher und hängen von der genauen Zugbahn des Tiefs ab. Es herrscht eine große Unsicherheit, was die Natur macht, das ist genau der Reiz meines Berufes.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7800775?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F
Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag
Laut einem Sprecher der israelischen Armee wurden Dutzende Raketen aus dem Gazastreifen abgefeuert.
Nachrichten-Ticker