Corona-Patienten mit Langzeitfolgen haben neue Anlaufstelle im Mindener Klinikum
Genesen, aber noch nicht gesund

Minden/Lübbecke -

Was tun, wenn die akute Corona-Erkrankung überstanden ist, aber die Mattigkeit einfach nicht verschwinden und der Geruchssinn nicht zurückkehren will?

Dienstag, 02.02.2021, 03:57 Uhr aktualisiert: 02.02.2021, 06:26 Uhr
Eine Herzuntersuchung: Als Folge einer Corona-Infektion kann es zu Herzerkrankungen kommen, mit denen ein Patient leben muss. Eine neue Ambulanz der Mühlenkreiskliniken hilft bei der Diagnose von Post-Covid-Langzeitfolgen. Foto: Soeren Stache

 Die Mühlenkreiskliniken nehmen sich jetzt der Patienten mit Langzeitfolgen in besonderer Weise an und haben am Johannes-Wesling-Klinikum eine eigene Ambulanz dafür eröffnet.

Während die meisten Covid-19-Patienten wieder richtig gesund werden, müssen doch auch viele mit Langzeitfolgen kämpfen. Obwohl sie in der amtlichen Corona-Statistik als „genesen“ geführt werden, schlagen sie sich mit teilweise sehr belastenden Beeinträchtigungen herum. Viele klagen über ständige Kopfschmerzen, anhaltenden Verlust des Riech- und Geschmacksinns, Husten, Depressionen und ständige Erschöpfung bei der kleinsten Anstrengung . „Es ist eine große Gruppe“, sagt Christian Busse, Sprecher der Mühlenkreiskliniken (MKK). „Und es hat nicht unbedingt mit der Schwere des Verlaufs zu tun, ist unsere Erfahrung.“

Erster Ansprechpartner ist für die Nachbehandlung in der Regel der Hausarzt. Nun tritt die neue Ambulanz am Klinikum als ergänzendes Angebot hinzu. Denn die Ärzte dort haben inzwischen besonders große Erfahrung mit dieser systemischen Erkrankung und all ihren Facetten. „Wir sehen eine echte medizinische Notwendigkeit, dies anzubiten“, sagt Busse. Die vielen Interessenten schon jetzt würden diese Einschätzung bestätigen.

Professor Gartung leitet die neue Post-Corona-Ambulanz am Universitätsklinikum Minden

Professor Gartung leitet die neue Post-Corona-Ambulanz am Universitätsklinikum Minden Foto: MKK

Federführend in der Post-Corona-Ambulanz sind die Covid-Experten der MKK, die Klinik für Gastroenterologie und Infektionskrankheiten. „Unsere Ärztinnen und Ärzte haben in den vergangenen elf Monaten auf der Infektionsstation mehr als 750 Covid-Patientinnen und -Patienten behandelt“, erklärt Professor Dr. Carsten Gartung, Direktor der Klinik für Gastroenterologie und Infektionskrankheiten. „Wir verfügen damit über eine sehr große Expertise bei der Behandlung der akuten Erkrankung und bei der Linderung der systemischen Symptome. Dieses Wissen und Erfahrung rund um Covid19 wollen wir nun auch den Patienten mit Langzeitfolgen zukommen lassen.“

Die Ambulanz ist für die Patientinnen und Patienten gedacht, die vor mindestens sechs Wochen eine akute Covid-19-Erkrankung durchlebt haben und aktuell immer noch über Langzeitwirkungen wie ständige Erschöpfung oder ähnliches klagen. Die Mediziner können alle notwendigen diagnostischen Verfahren und Therapien veranlassen, bis hin zu einer Reha. Gegebenenfalls ist auch eine weitere stationäre Abklärung notwendig. „Wir arbeiten eng und interdisziplinär mit den niedergelassenen Kollegen sowie allen Experten im Universitätsklinikum Minden und auch mit dem Medizinischen Zentrum für Seelische Gesundheit in Lübbecke zusammen. So können wir denjenigen helfen, die aktuell in der öffentlichen Wahrnehmung kaum Beachtung finden“, sagt Professor Gartung.

Die Ambulanz ist erreichbar unter der E-Mail-Adresse Corona-Ambulanz@muehlenkreiskliniken.de. Es werden individuell Termine ausgemacht. Eine Vorstellung in der Ambulanz ohne Termin ist nicht möglich.

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