Lothar Heine hat seit 1978 6000 Postkarten und 500 Bilder gesammelt und spendet diese dem Stadtarchiv
Eine Zeitreise durch die Heimat

Bad Oeynhausen -

Wohl niemand kennt Bad Oeynhausens Straßen so gut wie Lothar Heine. Der 83-Jährige betreibt seit 1978 Heimatkunde. Sein Lebenswerk aus 30 Ordnern mit Fotos und Postkarten hat er nun dem Stadtarchiv überlassen.

Sonntag, 03.01.2021, 13:50 Uhr
Lothar Heines umfangreiche Sammlung steht jetzt dem Stadtarchiv zur Verfügung. Foto: Stefanie Hillebrand

„Als ich meine Frau gepflegt habe, habe ich die schlaflosen Nächte mit Heimatkunde verbracht“, sagte Lothar Heine im Gespräch mit dieser Zeitung. Über 6000 Postkarten sowie 500 Fotos und Dias stark ist seine fein sortierte Sammlung.

Lothar Heine hat Gebäude dokumentiert, die längst aus dem Stadtbild verschwunden sind: vom Bahnhäuschen an der Detmolder Straße bis hin zur Villa Rosenheim. „Das Weiße Haus an der Schützenstraße war einmal mit Reet gedeckt, auch davon habe ich Bilder“, sagte der Heimatkundler. Mittlerweile lebt er allein.

Dank an guten Freund

Ein gesundheitlicher Vorfall Ende 2019 bewegte ihn dazu, über den Verbleib seiner Sammlung nachzudenken. „Meinem guten Freund Jörg Petersmeier ist es zu verdanken, dass die Ordner nun in das Stadtarchiv übergehen, denn er hat mir vor einem Jahr das Leben gerettet“, sagte Lothar Heine. „Ich möchte verhindern, dass die Ordner nach meinem Tod in einer Mulde landen.“

Stefanie Hillebrand vom Stadtarchiv freut sich sehr über die enorme Sammlung, die sie kürzlich entgegengenommen hat. „Allerdings musste ich erst viel Platz im Archiv schaffen. Ich hoffe sehr, dass die drei leeren Regale ausreichen“, sagte sie. „Es ist außergewöhnlich und selten, dass so viel gespendet wird. Normalerweise würden wir so eine große Sammlung nicht annehmen, aber Lothar Heine hat sie derart sauber und strukturiert geführt, dass sie uns sehr bereichert.“

Natürlich müssen die Bilder und Postkarten auch in das digitale System des Stadtarchivs eingepflegt werden. „Das ist für uns eine zeitintensive Aufgabe. Darum ist es umso bemerkenswerter, mit welcher Hingabe sich Lothar Heine seinem Hobby und Lebenswerk gewidmet hat“, sagte Stefanie Hillebrand. Die Archivarin lässt die Sammlung unangetastet, auch eine Ausstellung ist wegen der perfekten Ordnung derzeit keine Überlegung.

Es gibt noch mehr Exponate

„Ich freue mich, dass die Sammlung nun zur Erforschung der Stadt zur Verfügung steht, auch wenn sie für die Öffentlichkeit nicht bedingungslos frei zugänglich ist“, sagte sie. Andere Exponate aus der Bad Oeynhausener Geschichte verbleiben bei Lothar Heine. „Aus der Besatzungszeit besitze ich noch eine Mütze der Militärpolizei“, sagte er.

„Zu meiner Sammlung gehören auch eine funktionsfähige Familien-Gasmaske aus dem zweiten Weltkrieg und die schwerste Speisekarte der Stadt.“ Das Pub „Auf dem Balken“ an der Eidinghausener Straße ließ letztere einst mit Metall verkleiden. „Solche Exponate machen einfach neugierig und bergen so viele Geschichten“, sagte Lothar Heine.

„Ich bin froh, dass das Stadtarchiv für mein Lebenswerk eine Verwendung hat.“ Und das wird nicht nur in den nächsten Jahren so sein: Fällt ein Stadtarchiv einmal die Entscheidung, etwas zu archivieren, gilt dies „ewig“.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7749309?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F
Auch OWL zieht die Notbremse
In Köln gelten bereits seit einer Woche nächtliche Ausgangsbeschränkungen.
Nachrichten-Ticker