36-Jährige getötet: langjährige Haftstrafe für 48-jährigen Angeklagten aus Bad Oeynhausen
Das Motiv bleibt im Dunkeln

Bad Oeynhausen -

Es war eine brutale Tat, und die Strafe ist hoch: Weil er seine Nachbarin getötet hat, muss ein Bad Oeynhausener (48) für neun Jahre hinter Gitter. Was der Angeklagte der 36-Jährigen im Mai angetan hatte, konnte das Gericht ohne große Mühe aufklären – warum, das blieb auch den Richtern verborgen.

Montag, 07.12.2020, 16:42 Uhr aktualisiert: 07.12.2020, 17:28 Uhr
Der 48-jährige Angeklagte aus Bad Oeynhausen ist am Montag am Landgericht Bielefeld zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden. Foto: dpa/David Inderlied

Am Tag drei des Prozesses gegen den 48-Jährigen wurde am Montag vor dem Schwurgericht in Bielefeld nur noch das Urteil verkündet – die Beweisaufnahme war innerhalb von zwei Tagen erledigt, ungewöhnlich für ein solches Verbrechen.

Der Angeklagte hatte es den Richtern leicht gemacht: Er hatte bereits am ersten Tag gestanden, die 36-Jährige mit einem langen Küchenmesser getötet zu haben, so wie er es bereits in der Tatnacht gegenüber den Polizisten getan hatte, die er mit einem Anruf beim Rettungsdienst selbst auf den Plan gerufen hatte. Er hatte die Streife vor seiner Wohnung mit den Worten „Ich war‘s“ empfangen und später im Polizeiauto trotz der Belehrung, er müsse sich nicht äußern, über die Tat gesprochen, wie ein Zeuge erklärte.

Erst Haft, dann Therapie

Neun Jahre Haft für vollendeten Totschlag stehen am Ende des Prozesses. Zweieinhalb Jahre muss der 48-Jährige zunächst absitzen, bevor er in eine Entziehungsanstalt kommt, um dort eine Suchttherapie zu machen – eine solche Therapie hatte er sich sogar ausdrücklich gewünscht.

In seinem letzten Wortbeitrag hatte er betont, er wolle nicht, dass noch einmal „etwas passiert“. „Etwas“, das ist in diesem Fall „eine sehr brutal anmutende Tötung“, wie Vorsitzender Richter Dr. Georg Zimmermann in der Urteilsbegründung sagte: Der Angeklagte habe der 36-Jährigen zuerst einen bereits tödlichen Stich in die Leber zugefügt, dann drei tiefe Schnitte in den Hals, von denen einer bis auf die Wirbelsäule durchging.

Das Motiv sei nicht aufzuklären, aber das Gericht glaube dem Angeklagten nicht, wenn er behaupte, von seinem Opfer provoziert worden zu sein. Die Alkoholisierung der Frau sei so massiv gewesen, dass im Blut der Leiche knapp drei Promille Alkohol festgestellt worden seien.

Unterschiedliche Darstellungen

Zudem habe die 16-jährige Tochter berichtet, sie habe in der Tatnacht ihre Mutter in der Wohnung des Angeklagten gefunden und versucht sie nach Hause zu holen – was daran gescheitert sei, dass die Mutter so betrunken war, dass sie gar nicht mehr habe vom Sofa aufstehen können. Das passe nicht mit der Darstellung des Angeklagten überein, er habe sie beim Durchwühlen seiner Nachttischschubladen erwischt und sie habe ihm sexuelle Avancen gemacht, die er aber abgelehnt habe.

Vielmehr geht das Gericht davon aus, dass der 48-Jährige den Zustand der Frau für einen Annäherungsversuch habe ausnutzen wollen. Deshalb habe er auch einen weiteren Mann, der mit ihm und der Frau in der Wohnung getrunken habe, gegen Mitternacht aus der Wohnung geschickt.

Warum und wie es dann zu der Tat gekommen sei, bleibe unklar, so Zimmermann. Fest stehe, dass es einen Kampf gegeben haben müsse: Die 36-Jährige hatte Verletzungen an den Händen, wie sie bei der Abwehr eines Messerangriffes typisch seien.

Alkohol und Cannabis

Das Gericht ging beim Strafmaß davon aus, dass der 48-Jährige mit 2,5 Promille Alkohol und Cannabis im Blut bei der Tat vermindert schuldfähig war und folgte mit der Haftstrafe von neun Jahren der Forderung der Staatsanwaltschaft – auch weil der Angeklagte bis zur Tat noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war. Die Verteidigung hatte sieben Jahre und vier Monate beantragt.

Das Höchststrafmaß wären elf Jahre und drei Monate gewesen. Der 48-Jährige wollte noch im Saal das Urteil annehmen und auf Rechtsmittel verzichten. Richter Zimmermann hingegen sprach ihm nochmal ins Gewissen: „Neun Jahre sind eine sehr sehr schwere Strafe. Es schadet nicht, wenn Sie nochmal drüber schlafen.“ Schließlich sei es das gute Recht eines Angeklagten, ein Urteil im Rahmen einer Revision überprüfen zu lassen.

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