Abriss des Hauses der Jugend für geplantes Medical City Plaza scheint unumgänglich - Nutzer fordern Mitspracherecht
Ein Neubau als Chance

Bad Oeynhausen -

Weil das Parkhaus des geplanten Medical City Plazas, einem Medizinzentrum, das auf dem ehemaligen Hockeyplatz an der Eidinghausener Straße entstehen soll, laut Baurecht zu nah am Haus der Jugend stehen würde, erwägt die Stadt Abriss und Neubau des Jugendtreffs. In den sozialen Medien haben die Tänzer der Breakdance-Gruppe „The Last Action Heroes“ stellvertretend für alle Nutzer der Einrichtung ihren Sorgen Ausdruck verliehen.

Sonntag, 06.12.2020, 15:17 Uhr aktualisiert: 06.12.2020, 17:26 Uhr
Für den Neubau des Medical City Plazas könnte das Haus der Jugend abgerissen werden. Evgenij Zotov („The Last Action Heroes“) bangt nicht nur um den Übungsraum seiner Tanz-Gruppe, sondern auch um die Heimat vieler anderer Nutzer. Er hofft, dass die Jugendlichen in eventuelle Neubaupläne einbezogen werden. Foto: Lydia Böhne

 

„Wir haben Angst, bei den Plänen übergangen zu werden“, erläutert ihr Mitglied Evgenij Zotov.

Durch die Berichterstattung zu den Projektplänen haben haben die Nutzer des Jugendtreffs nach eigenem Bekunden Anfang Oktober von der Problematik um die Nähe zwischen Parkhaus und Jugendhaus erfahren. „Gerüchte, dass das Haus der Jugend abgerissen werden soll, weil es den Standort blockiert, gibt es seit Jahren“, sagt Evgenij Zotov. Das liege in den Augen des Tänzers nicht zuletzt daran, dass die Fläche am Ärztezentrum in den vergangenen Jahren immer mehr an Attraktivität gewonnen habe. Das war laut des 28-Jährigen, der seit 2008 Teil der „Last Action Heroes“ ist, nicht immer so. Auch die Jugendlichen hätten dazu beigetragen, die Fläche rund um das ehemalige Kino „Die Leiter“ aufzuwerten. Nicht nur in die Einrichtung des Gebäudes hätten die Jugendlichen Arbeit gesteckt, auch die Fassade wurde mit bunten, kunstvollen Graffitis verschönert.

Im Jahr 2008 sind die preisgekrönten Tänzer im Haus der Jugend eingezogen. Mit finanzieller Unterstützung der Stadt haben sich die amtierenden Weltmeister im Breakdance dort einen eigenen Tanzraum eingerichtet. Fünfmal die Woche trainierten dort vor Corona etwa 20 aktive Tänzer unter den Augen einiger Zuschauer. „Der Tanzraum ist eine große Attraktion“, sagt Evgenij Zotov.

Besonders beliebt bei den Besuchern sei außerdem der Kraftraum: „Vor allem zur Zeit der Flüchtlingswelle war er gut besucht“, ergänzt der 28-Jährige. Aber auch danach hätten dort meist drei Personen gleichzeitig trainiert. Neben Tanz- und Kraftraum verfügt das Haus der Jugend auf seinen zwei Etagen zudem über einen Bandproberaum sowie kleinere Räume mit Kickern oder Tischtennisplatten, in denen neben den regulären Öffnungszeiten auch Ferienspiele, Workshops, Konzerte oder Wettbewerbe organisiert werden. Hinzu kommt eine Außenfläche mit Basketballkorb.

Sechsmal die Woche ist das Jugendhaus an fünf Stunden pro Tag geöffnet. Um die Betreuung vor Ort kümmert sich ein Team aus elf Ehrenamtlichen und drei Festangestellten. „Es gibt viele Stammgäste, aber auch Laufkundschaft über die Stadtgrenzen hinaus“, sagt Evgenij Zotov. In seinen Augen spiele das Haus der Jugend wegen seiner vielfältigen Angebote eine große Rolle für die heimische Jugendarbeit: „Ich glaube, dass die hier betriebene Nachwuchsarbeit unterschätzt wird.“

Dem 28-Jährigen und seinen Mitstreitern war es daher ein Anliegen, in den Sozialen Medien auf die Bedeutung der Jugendeinrichtung aufmerksam zu machen. „Wir hatten Angst, dass wir Nutzer übergangen und vor vollendete Tatsachen gestellt werden“, ergänzt er. Dass die Stadt einen Neubau des Jugendhauses erwägt, sieht Evgenij Zotov als Chance: „Das Gebäude ist von 1938 und in einem schlechten baulichen Zustand. Bei einem Neubau könnte man genau auf die Bedürfnisse der Jugendlichen eingehen.“

Deshalb fordern die Nutzer, bei eventuellen Planungen von Anfang an einbezogen zu werden. „Die Frage ist auch, was in der Übergangszeit zwischen Abriss und eventuellem Neubau passiert. Die Gefahr ist hoch, dass Stammkunden wegfallen und auf die schiefe Bahn geraten könnten“, überlegt Evgenij Zotov.

Das sagt die Stadt:

Dass Gespräche zwischen den Nutzern des Jugendzentrums und der Stadt bezüglich des Planungsverfahrens stattfinden sollen, versichert Stadtsprecher Volker Müller-Ulrich auf Nachfrage. Auch am jetzigen Standort wolle man festhalten und einen Neubau gegebenenfalls in ausreichendem Abstand errichten. „Bisher gibt es noch keine genauen Pläne“, ergänzt Müller-Ulrich. Ob sich die Investorengesellschaft, die das Medical City Plaza mit einer Nutzfläche von 15.700 Quadratmetern errichten will, an den Kosten beteiligt, war zuletzt Thema im nicht-öffentlichen Teil des Ausschusses für Stadtentwicklung.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7711068?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F
Laschet oder Söder? Rätselraten um K-Frage
Markus Söder (hinten), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Vorsitzender, neben Armin Laschet, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.
Nachrichten-Ticker