Beste Orthopädietechnik-Mechanikerin aus NRW arbeitet in der AVK
Ihre Arbeiten schenken Lebensqualität

Bad Oeynhausen (WB). Die offizielle Urkunde ist zwar noch unterwegs, aber freuen darf sich Rica Rüter aus Hille über ihren Erfolg schon jetzt: Die 21-jährige Orthopädietechnik-Mechanikerin ist beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks als Landessiegerin und damit als Beste ihres Faches in Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden. Sie arbeitet in der Auguste-Viktoria-Klinik (AVK) in Bad Oeynhausen.

Mittwoch, 11.11.2020, 08:02 Uhr aktualisiert: 11.11.2020, 08:04 Uhr
Ralf Torunski (links), Leiter der Technischen Orthopädie der Auguste-Viktoria-Klinik (AVK), und Marc Wattenberg (rechts), Orthopädie-Mechaniker-Meister, sind stolz auf die Leistung von Rica Rüter. Unter anderem ihr gelungenes Gesellenstück, eine Knieorthese, hat der 21-Jährigen zum NRW-Landessieg bei Europas größtem Berufswettbewerb verholfen. Foto: Lydia Böhne

Im nächsten Schritt steht die Bewertung auf Bundesebene bevor. Weil sie im Beruf Orthopädietechnik-Mechanikerin die Schwerpunkte handwerkliche Arbeit und den Umgang mit Menschen vereint sah, entschloss sich Rica Rüter vor drei Jahren dazu, in der Orthopädietechnik der AVK eine Ausbildung als Orthopädietechnik-Mechanikerin zu beginnen – ein Handwerk, das europaweit als Mangelberuf ausgeschrieben ist. „Meine Arbeit ist sehr vielfältig: Wir haben die Orthesenabteilung, in der Elemente gefertigt werden, die die Körperfunktion unterstützen, die Prothetik, in der beispielsweise Beinprothesen gefertigt werden und das Sanitätshaus für Bandagen, Kompressionsstrümpfe oder Kleinorthesen“, erläutert Rica Rüter. Die herausragende Gesellenprüfung, mit der die 21-Jährige im Juni die Ausbildung abschloss, brachte ihr den Titel als Kammersiegerin der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld ein. Ausschlaggebend dafür waren neben den Prüfungsnoten auch die Bewertung ihres Gesellenstücks mit der Note sehr gut sowie ihr Gesamtschnitt von 1,0.

Bundeswettbewerb

Die Kammersieger wurden automatisch in die nächste Runde von Europas größtem Berufswettbewerb für Junghandwerker weitergeleitet. Auch hier waren es die tadellosen Noten der 21-Jährigen, die sie zum Sieg führten. „Das ist nicht selbstverständlich“, hebt Ralf Torunski die Leistung seines Schützlings hervor. Der Orthopädietechnikermeister leitet die Orthopädietechnik der AVK. Die Klinik vertreibt und fertigt medizinisch-technische Hilfsmittel zur Behandlung von Fehlstellungen oder Schäden am Haltungs- und Bewegungsapparat. „Wir sind der größte Ausbilder für diesen Bereich in der Region Ostwestfalen-Lippe und haben die größte und modernste Werkstatt in OWL“, ergänzt der Werkstattleiter.

Direkte Klinikanbindung

Einen weiteren Vorteil für die Auszubildenden sieht Torunski in der direkten Klinikanbindung der Werkstatt: „Die Auszubildenden lernen, von Anfang an selbstständig und eigenverantwortlich zu arbeiten. Außerdem müssen sie es lernen, die gleiche Sprache wie die Ärzte zu sprechen.“ In seiner zehnjährigen Tätigkeit habe die Abteilung der AVK mindestens drei Landessieger sowie zwei Bundessieger hervorgebracht. Die Bundesebene ist auch für Rica Rüter, die nach der Ausbildung von der AVK übernommen wurde, der nächste Schritt im Wettbewerb. Dabei wird die Leistung der 21-Jährigen mit derer der 15 anderen Landessieger ihrer Fachrichtung verglichen. Außerdem muss die Orthopädietechnik-Mechanikerin eine Präsentation rund um ihr Gesellenstück und das dazugehörige Versorgungskonzept halten. „Ich bin gespannt, wie es ablaufen wird. Die Infos dazu habe ich noch nicht erhalten“, sagt Rica Rüter.

Maßgefertigte Knieorthese

Als Gesellenstück hatte die Junghandwerkerin eine maßgefertigte Knieorthese mit beidseitigem Gelenk für einen realen Fall angefertigt. „Es handelte sich um einen Patienten, der nach einem schweren Motorradunfall mit mehreren Knochenbrüchen jahrelang ohne Orthese gelebt und durch eine Fehlbelastung des Knies ein starkes O-Bein entwickelt hat“, erläutert sie. Die Aufgabe der Orthopädietechnik-Mechanikerin war es, das Kniegelenk durch die Orthese zu stabilisieren und den Druck rauszunehmen, damit der Patient längere Strecken wieder schmerzfrei laufen kann. „Die Orthetik macht mir besonders viel Spaß. In meinem Job erlebe ich menschliche Schicksale, kann aber auch dabei helfen, den Sprung ins Leben zurückzuschaffen“, sagt Rica Rüter. „Jemanden beispielsweise dabei zu unterstützen, wieder eigenständig zu laufen, obwohl es ihm jahrelang wegen Fehlbildung nicht möglich war, ist schon ein tolles Gefühl“, fügt die 21-Jährige hinzu.

Auch wenn sich Ralf Torunski sicher ist, dass seine Mitarbeiterin die Prüfung locker schaffen würde, plant Rica Rüter aktuell noch nicht ihren Meister: „Ich möchte erst weiter Erfahrungen sammeln.“

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