Bernd-Uwe Lange aus Bad Oeynhausen setzt „Hannah“ und „Branko“ unter anderem zum Holzrücken ein
Zwei echte Zugpferde

Bad Oeynhausen (WB). Eng stehende Bäume, rutschiger Boden, Naturschutzgebiet: Manche Grünflächen sind für den Einsatz von schwerem Gerät, beispielsweise beim Abtransport gefällter Bäume, ungeeignet und damit ein Fall für „Hannah“ und „Branko“. Die Pferde von Bernd-Uwe Lange sind im wahrsten Sinne des Wortes Arbeitstiere. Ob Paderborn, Herford, Bielefeld oder sogar darüber hinaus: Überall wird die Hilfe der Rheinisch-Deutschen Kaltblüter in der Forstwirtschaft gebraucht und genutzt.

Samstag, 07.11.2020, 07:40 Uhr
Fuhrfrau Jasmin Redeker leitet die Stute „Hannah“ durch ein Waldstück. Hinter sich her zieht das Rheinisch-Deutsche Kaltblut einen Baumstamm durch das Unterholz. Eingesetzt wird die tierische Muskelkraft vor allem auch in unwegsamem Gelände, und das mit umweltfreundlichem Vorzeichen. Foto: Lydia Böhne

Zum Hauptberuf gemacht

Hinter „Hannah“ raschelt der Waldboden, die Glieder der Zugkette klimpern – das alles lässt die siebenjährige Stute völlig kalt. Seelenruhig zieht sie den schweren Baumstamm durch das kleine Waldstück hinter sich her. „Bei unserer Arbeit können wir keine schreckhaften Tiere gebrauchen“, sagt Bernd-Uwe Lange. Vor einigen Jahren hat der 66-Jährige das so genannte Holzrücken und die Forstwirtschaft mit Pferden zu seinem Hauptberuf gemacht. „Die Landwirtschaft ist dadurch eher in den Hintergrund getreten“, ergänzt er.

Schäferei aufgegeben

40 Jahre hat der Bad Oeynhau­sener auf seinem Hof in Werste zusätzlich eine Schäferei betrieben, die er aber 2019 aufgegeben hat. Zur Tätigkeit als Holzrücker sei die Familie durch Zufall gekommen, wie Jasmin Redeker berichtet. Die 26-Jährige unterstützt ihren Vater neben ihrer Arbeit in einer Tierarztpraxis. „Wir hatten immer schon Pferde und haben überlegt, dass man doch noch mehr mit ihnen machen kann, als Kutsche zu fahren“, berichtet sie.

Gelassenheit und Ausdauer

Laut der 26-Jährigen sei jedoch nicht jedes Pferd für diese Arbeit gemacht. Auch wenn „Hannah“ und „Branko“ von Natur aus eine gewisse Wesensstärke mitbringen, steckt in ihrer Gelassenheit und Ausdauer eine jahrelange Ausbildung. Trainiert werden mussten beispielsweise das Tragen des Geschirrs, die Gewöhnung an Bewegung durch den Verlauf von Zugsträngen seitlich des Körpers oder die Geräuschempfindlichkeit bei umknickenden Ästen. „Um die Pferde an die Last von Gewichten heranzuführen, haben wir mit dem Ziehen von Lkw-Reifen begonnen“, berichtet Lange.

Walze im Einsatz

Je nach Trainingsstand kann ein Arbeitspferd bis zu 800 Kilogramm ziehen. Normalerweise arbeiten die Pferde einzeln. In besonders schweren Fällen packen „Hanna“ und „Branko“ gemeinsam an. Aber nicht nur beim Transport ist ihre Hilfe gefragt. Umweltbetriebe oder Kommunen engagieren die Kaltblüter auch zum schonenden Entfernen von Pflanzen, die sich unerwünscht in heimischen Wäldern, zum Beispiel im Natur- und Geopark „Terra Vita“ in Bramsche im Landkreis Osnabrück, eingenistet haben. Dazu zählen zum Beispiel die Traubenkirsche oder der giftige Adlerfarn. Hinter das Pferd wird dann eine Walze gespannt, die den Farn umknickt. Ein Prozess, der das Nachwachsen des Farns verhindern soll. Ähnliches passiert auch beim Entkusseln. Dabei werden junge Gehölze entfernt, die dem Moor Feuchtigkeit entziehen.

Nachhaltigkeit

Inzwischen erfreue sich die Forstarbeit mit Pferden in Zeiten von Naturschutz und Nachhaltigkeit steigender Beliebtheit. Die Arbeit mit Pferden ist laut Bernd-Uwe Lange bodenschonend und ökologisch – allerdings noch nicht so weit verbreitet. „Deutschlandweit kenne ich vielleicht 15 hauptberufliche Holzrücker“, überlegt Jasmin Redeker. Auch die Arbeit als Fuhrmann will gelernt sein, wie Mutter Petra Lange berichtet: „Der Mensch leitet das Pferd bei seinem Weg durch den Wald. Deshalb muss als Basis ein großes Vertrauen bestehen. Die Tätigkeit selbst erlernt man in Lehrgängen. Die meiste Übung kommt dann im Alltag.“

Bei Wind und Wetter

Lenken, durch das Unterholz waten, Ketten anlegen und das bei Wind und Wetter – auch für den Menschen ist die Arbeit körperliche Anstrengung. „Deshalb muss man Spaß daran haben“, sagt Bernd-Uwe Lange. Entschädigt werde man durch die Freude, mit Tieren zu arbeiten. „Außerdem sieht man am Ende immer, was man geschafft hat“, ergänzt Petra Lange.

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