Diebstahl aus Geldbörse zu den Akten gelegt – Mann wegen Fahrens ohne Ticket verurteilt
Großmutter zieht Anzeige zurück

Bad Oeynhausen (wa). Zunächst musste sich der Angeklagte wegen eines Diebstahls von 90 Euro aus dem Portemonnaie seiner Großmutter verantworten. Doch dabei blieb es nicht. Nun verhängte Amtsrichter Dr. David Cornelius gegen den 32-Jährigen aus der Kurstadt wegen eines anderen Delikts vier Monate Haft, allerdings ohne Bewährung. Noch ist das Urteil aber nicht rechtskräftig.

Freitag, 06.11.2020, 11:00 Uhr
Vor dem Amtsgericht in Bad Oeynhausen ist der Fall verhandelt worden. Foto: Sonja Gruhn/Archiv

Zunächst hatte das Verfahren wegen Diebstahls von 90 Euro aus der Geldbörse seiner Großmutter vor dem Amtsgericht begonnen (diese Zeitung berichtete). Nun kamen noch vier weitere Delikte hinzu. Insgesamt soll der 32-Jährige nach Vorwurf der Staatsanwaltschaft in den Monaten April und Mai dieses Jahres ohne Fahrschein viermal mit der Westfalen-Bahn zwischen Bad Oeynhausen und Bielefeld hin- und hergependelt sein. Das gab der Mann vor Gericht auch ohne Umschweife zu. Die Fahrten habe er unmittelbar nach Verbüßung einer Haftstrafe unternommen, „um zu feiern“. Zweimal habe er ein gültiges Ticket besessen, zweimal sei er ohne Fahrkarte in den Zug eingestiegen und begründete dies so: „Ich habe kein Geld gehabt.“

Von Kontrolleuren erwischt

Kontrolleure hatten den Mann ohne Fahrschein im Zug erwischt, wie das Gericht feststellte. Dabei ging es pro Fahrt zwar nur um Kosten von knapp fünf Euro. Aber „Sie haben in Haft gesessen, wegen so was“, betonte die Staatsanwältin gegenüber dem mehrfach vorbestraften Mann und fügte hinzu: „Lassen Sie das sein, wenn Sie kein Ticket haben.“ In „Erwartung einer geringen Strafe“ stellte Amtsrichter Dr. Cornelius zunächst das Verfahren wegen Diebstahls aus dem Portemonnaie der Großmutter ein.

Die alte Frau war aus gesundheitlichen Gründen nicht vor Gericht erschienen und hatte zuvor ihre Anzeige zurückgezogen, wie der Vorsitzende erklärte. Als „Antragsdelikt“ sei der Diebstahl unter Familienangehörigen zu werten. Auch die Staatsanwaltschaft verfolge ein solches Verfahren nicht weiter, wenn ein Familienmitglied darauf verzichte.

Vier Monate Haft ohne Bewährung

Im Urteil bezüglich der Fahrten des Mannes ohne einen Fahrschein schloss sich der Richter aber dem Plädoyer der Staatsanwältin an. Vier Monate Haft hatte sie gefordert – und zwar ohne Bewährung. Auch wenn der Schaden gering sei, betonte Dr. Cornelius: „Das ist eine Straftat.“ „Sie kommen gerade aus der Haft“, führte der Richter in diesem Zusammenhang weiter aus, „deswegen ist das nicht so schön.“

Zudem sei die Prognose des Angeklagten im Hinblick auf zahlreiche Vorstrafen „leider ungünstig“. Der Mann war bereits zuvor mehrfach verurteilt worden, unter anderem wegen Einbruchdiebstahls sowie Beleidigung und Nötigung. Vier Monate Haft ohne Bewährung lautete nun das Urteil des Richters. Zudem erlegte er dem Angeklagten die Verfahrenskosten auf.

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