„Kulturbühne“ – Folge 18: Freundeskreis Wasserschloss Ovelgönne in Bad Oeynhausen
Schloss soll Kulturdenkmal bleiben

Bad Oeynhausen (WB). Kein Verein, den Corona nicht in Bedrängnis bringt: zurückgefahrene Veranstaltungen und Auftritte, Einbußen in der Vereinskasse. Für den Verein für heimatliche Kultur und Geschichte in Eidinghausen, kurz Freundeskreis Wasserschloss Ovelgönne, sind die Einschränkungen durch die Pandemie nur die Spitze des Eisbergs: Die Überalterung des Vereins und seine Sorge um die „Lebendigkeit“ des Kulturdenkmals überschatten die Zukunft der ehemaligen Bürgerinitiative.

Freitag, 06.11.2020, 09:00 Uhr
Dieter Obermeyer (links), Vorsitzender des Freundeskreis Wasserschloss Ovelgönne, und Dieter Büssing, hier in der Kluft des Freiherrn von Weißenfels, engagieren sich für den Verein und damit das Kulturdenkmal in Eidinghausen. Foto: Gabriela Peschke

„Das hat Anfang der 1980er Jahre so viel Druck im Rat gegeben, dass die Stadt nicht anders konnte, als das Schloss für die Bürger zu erhalten“, erinnert sich Dieter Obermeyer. Der heutige erste Vorsitzende des Vereins hat seinerzeit miterlebt, wie sich rund 500 Bad Oeynhausener gegen den Abriss des historischen Gebäudes verwehrt haben – mit Erfolg: 1983 ging aus der Bürgerinitiative der gemeinnützige Verein hervor, der sich der Heimat- und Kulturpflege verpflichtet hat. „Da gab es viele tolle Ideen, wie man das alte Gemäuer lebendig erhalten kann“, erinnert sich Obermeyer. Immerhin fast 600 Jahre alt ist das Wasserschloss Ovelgönne, 1740 nach nur zwei Jahren Umbauzeit vom damaligen Freiherrn von Weißenfels in Besitz genommen.

Verbund der Herrenhäuser und Parks

Heute rechnet das städtische Gebäude zu dem Verbund Herrenhäuser und Parks im Mühlenkreis und wird „aufmerksam gepflegt und wohlwollend erhalten“, wie Obermeyer versichert. Dazu gehört auch, dass die Stadt dem Verein seit mehr als drei Jahrzehnten in der Woche nach Pfingsten das Schloss für öffentliche Veranstaltungen zur Verfügung stellt. Die als „Ovelgönner Tage“ bekannte Festwoche sei bei der Bevölkerung sehr beliebt, erzählt Obermeyer. „Jährlich kommen bis zu 250 Besucher allein zum ökumenischen Eröffnungsgottesdienst am Pfingstmontag. Aber auch die anderen Veranstaltungen wie der historische Markttag, der plattdeutsche Gottesdienst, die Führungen und Open-Air-Veranstaltungen sind sehr gut besucht“, zählt er auf.

150 Mitglieder

Doch im Corona-Jahr 2020 herrschte Stille im Schloss: Die traditionellen Veranstaltungen mussten abgesagt oder ins nächste Jahr verschoben werden. Dies besonders vor dem Hintergrund, dass die verbleibenden rund 150 Vereins-Mitglieder selbst überwiegend in die „Risiko-Altersgruppe“ fallen, die sich besonders gegen das Corona-Virus schützen muss. „Wir leiden unter dem Problem der Überalterung“, stellt Obermeyer fest. Nachwuchs sei kaum für das Vereinsanliegen zu gewinnen. „Nicht jeder ist mehr so fit wie unser zweiter Vorsitzender Dieter Büssing“, kokettiert Obermeyer mit dem inzwischen 83-Jährigen, der neben anderen Vereinsverpflichtungen immer noch gern in die Rolle des historischen Freiherrn von Weißenfels schlüpft – im selbstgenähten Kostüm.

Schwerpunkt Plattdeutsch

Zudem sterbe die niederdeutsche Sprache quasi schleichend aus. „Noch können wir mit dem Klönkreis die Mundart pflegen. Wie lange das so weitergehen wird, weiß keiner“, sagt er nachdenklich. Seit 25 Jahren gibt es die plattdeutsche Gruppe im Verein, doch auch das Jubiläums-Event in diesem Jahr fiel den Corona-Beschränkungen zum Opfer.

Tweed-Ride

Aber Dieter Obermeyer blickt nach vorn: „Mit dem Tweed-Ride, der historischen Radtour im britischen Flair, haben wir vor zwei Jahren ein neues Veranstaltungs-Format gefunden, was gut ankommt“, freut er sich. Auch die diesjährige Fotoausstellung im Schlossgarten zum Thema Masken sei ein Volltreffer gewesen, versichert er. „Wir haben damit den Zeitgeist getroffen. So etwas werden wir bestimmt wiederholen.“ Also ein Hoffnungsstreif am Horizont für die Zukunft des Schlosses? „Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dieses Kulturdenkmal für die Öffentlichkeit zu erhalten“, bekräftigt Obermeyer. „Aber damit es lebendig bleibt, braucht es Menschen, die sich engagieren“, fügt er hinzu – und möchte dies durchaus als Aufruf an die kulturaffinen Bürger in Bad Oeynhausen verstanden wissen.

Kategorie: „ehrenamtliche Kunst auf Vereinsebene“

GOP-Karten gewinnen

Sie möchten im Rahmen der „Kulturbühne“ dem Freundeskreis Wasserschloss Ovelgönne Ihre Stimme geben? Dann rufen sie bis Sonntag, 8. November , über die Gewinn-Hotline 01379/883007 (0,50 €/Anruf dt. Festnetz, ggf. andere Mobilfunkpreise) an. Unter allen Anrufern werden ein Mal zwei Karten für den Besuch einer Vorstellung im GOP-Varieté verlost. Aktuell können die Tickets im Zuge der Pandemie-Schließung dort voraussichtlich von Dezember an eingelöst werden. Der Rechtsweg ist bei der Aktion ausgeschlossen.

Bisher erschienen

Im Rahmen der Reihe „Kulturbühne“ sind bislang diese Beiträge erschienen:

Vorhang auf für die Kulturbühne

Folge 1: Bildhauerin Astrid Mulch

Folge 2: Theatergruppe Newcomers

Folge 3: Quartettverein Bad Oeynhausen

Folge 4: Violinistin Veronika Bejnarowicz

Folge 5: Kleines Theater Rehme

Folge 6: Handstand-Artist Sven Böker

Folge 7: Flechtwerkgestalterin Kerstin Eikmeier

Folge 8: Kantorei an der Auferstehungskirche

Folge 9: Last Action Heroes

Folge 10: Improtheater Spek-Spek

Folge 11: Oboistin Hannah Mörchen

Folge 12: Rollschuhabteilung des RRC Lohe

Folge 13: Comedienne Joanna Steinmann

Folge 14: Staatsbad-Jugendorchester

Folge 15: Musikverein Dehme

Folge 16: Graffiti-Artist Reza Jaxon

Folge 17: Harfenistin Lydie Römisch

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