Tim Niedernolte und Daniel Schneider sprechen über ihr neues gemeinsames Buch
„Respekt fängt immer bei mir selbst an“

Bad Oeynhausen/Löhne (WB). Tim Niedernolte und Daniel Schneider sind ein eingespieltes Team. Zwei Jahre nach ihrem gemeinsamen Buch „Wunderwaffe Wertschätzung“ legen die beiden Cousins mit „Respekt! Die Kraft, die alles verändert – auch mich selbst“ eine Fortsetzung vor. Über die Hintergründe spricht das Erfolgsgespann im Doppelinterview. Die Fragen stellte Redakteur Malte Samtenschnieder.

Samstag, 03.10.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 03.10.2020, 15:26 Uhr
Tim Niedernolte (links) und Daniel Schneider sind für fast jeden Spaß zu haben. Wenn es darauf ankommt, arbeiten die Cousins aber auch ernsthaft zusammen. Gerade haben sie das gemeinsame Buch „Respekt! Die Kraft, die alles verändert – auch mich selbst“ vorgelegt.

Auf Ihr Erstlingswerk „Wunderwaffe Wertschätzung“ von 2018 folgt in diesen Tagen das neue Werk „Respekt!“ – was gab den Anstoß für Ihr zweites Buchprojekt?

Tim Niedernolte: Da kamen verschiedene Gründe zusammen. Zum einen die vielen tollen Feedbacks auf unsere „Wunderwaffe Wertschätzung“. Bis heute, aus allen Gesellschaftschichten und den unterschiedlichsten Kanälen. Dazu habe ich – ohne an ein neues Buch zu denken – weiter Begegnungen und Beispiele aus meinem Alltag gesammelt. Eigentlich zur Inspiration für meine Vorträge und unsere Lesungen. Ja, und dann kam irgendwann der Verleger auf mich zu und meinte, er hätte da so eine Idee...

War es von vornherein klar, dass Sie Ihre erfolgreiche Zusammenarbeit von „Wunderwaffe Wertschätzung“ bei „Respekt“ fortsetzen würden?

Daniel Schneider: Ja, weil wir durch einen Knebelvertrag eh aneinander gekettet sind. (lacht). Nein, als klar war, dass ein weiteres Buch von Tim dran ist und der wunderbare Bene-Verlag von Droemer & Knaur uns ein Angebot unterbreitet hat, war auch klar, dass wir beide gemeinsam am dem Projekt arbeiten werden.

Niedernolte: Das war eine meiner ersten Bedingungen, noch bevor überhaupt die finale Idee stand und das Angebot: Sollte ich jemals ein neues Buch schreiben, dann nur zusammen mit Daniel. Tja, und jetzt haben wir den Buchstaben-Salat.

Wie sieht Ihre Rollenverteilung aus, wenn Sie gemeinsam ein Buch schreiben? Liegt darin auch gleichzeitig das Erfolgsrezept?

Niedernolte: Zuerst einmal machen wir Kassensturz. Wir schließen uns zwei Tage an einem Ort ein, und ich stelle Daniel dann alles an Notizen, Zeitungsartikeln, gespeicherten Social Media Posts, Notizen und Mitschriften vor.

Schneider: Immer wieder unglaublich, was der Niedernolte da über die Jahre so alles mit sich rumschleppt.

Niedernolte: Ebenso, mein Freund. Du kamst auch nicht mit leeren Taschen an. Ja, und dann entwickeln wir daraus Step by Step einen roten Faden und die Struktur.

Schneider: Und dann recherchieren und schreiben wir. Jeder für sich am heimischen Schreibtisch, im Zug oder wo auch immer. Und immer wieder auch zusammen. Wobei das sicher auch eines der Erfolgsrezepte unserer Zusammenarbeit ist: Dass wir genau wissen, wie der andere tickt. Für meinen Beitrag ist das besonders wichtig, da ich Tim konkret im Schreiben unterstütze und reflektiere.

„Wertschätzung“ und „Respekt“ zielen begrifflich in eine ähnliche Richtung. Kann man das auch über die Intention Ihrer beiden Bücher sagen?

Schneider: Auf jeden Fall. Und diese Einstellung geht weit über das Bücherschreiben an sich hinaus. Deshalb sind unsere Bücher auch keine abstrakten Zehn-Punkte-Pläne für eine bessere Welt, die zwar klug klingen, aber bei denen man nicht ins Handeln kommt. Wir tauchen ein, hinterfragen, zweifeln, freuen uns über das, was gelingt, sind wütend über das, was nicht gelingt und kümmern uns ganz konkret um das „Wie geht es denn noch besser?“. Auch bei uns selbst. Und das ist es, was andere Menschen zum Nachdenken bringt und inspiriert.

Im Buchtitel charakterisieren Sie Respekt als eine Kraft, die alles verändert, auch Sie selbst. Welche Veränderungen haben Sie denn an sich selbst festgestellt?

Niedernolte: Das knüpft direkt an Daniels Antwort an. Durch die monate-, ja fast schon jahrelange Beschäftigung mit dem Thema kann ich gar nicht anders, als mich zuerst an meine eigene Nase zu fassen. Ich achte beim Einkaufen um so mehr auf regionale Produkte als vorher. Ich übe mich noch besser im Zuhören, denn das ist auch eine Form des Respekts. Mehr Zug fahren statt fliegen, aus Verantwortung der Umwelt gegenüber.

Beziehen sich die beobachteten Veränderungen nur auf Ihren Umgang mit Ihrer Umwelt oder geht es auch um einen anderen Umgang mit sich selbst?

Niedernolte: Beides, auf jeden Fall. Respekt fängt immer bei mir selbst an. Denn wenn ich mich selbst respektiere und das, was ich habe – oder auch nicht habe; das, was ich kann oder vielleicht weniger kann – wie sollen meine Respekt-Ressourcen dann für die Menschen in meinem Umfeld reichen?

Schneider: Genau, deshalb ist das auch gleich die erste der zehn Handlungsempfehlungen am Ende des Buches. Sozusagen die Basis allen respektvollen Handelns.

Welche Reaktion möchten Sie optimalerweise mit Ihrem Buch „Respekt“ bei den Lesern auslösen?

Niedernolte: Immer mal wieder einen Lacher, ein erstauntes „Krass“ zwischendurch, Betroffenheit und Erleichterung im Wechsel und möglichst wenig Gähnen im Laufe der Lektüre. (lacht) Und dann würde ich mich echt freuen, wenn die Leserinnen und Lesern in ihrem Alltag zu Mitwissern und Mittätern in Sachen Respekt werden. Im Straßenverkehr, beim Nachbarschaftsstreit oder in der Kantine. Denn so passiert Veränderung.

Im Vorwort zu Ihrem neuen Werk gehen Sie auf die Corona-Krise ein. Welche Bedeutung hat „Respekt“ in einer derartigen Ausnahmesituation?

Niedernolte: Eine ganz, ganz große. Der Umgang mit der Pandemie in all’ ihren Facetten ist im Grunde immer auch eine Frage nach dem Respekt. Kann man für alle betroffenen Bereiche durchspielen. Dabei erlebe ich die Krise wie eine Art Lupe, die uns die Schwachstellen im System und der Art und Weise unseres Zusammenlebens noch mal um so deutlicher macht.

Auf einer Skala von „jeder gegen jeden“ bis „gemeinsam gegen die Pandemie“ – an welchem Punkt ist die (deutsche) Gesellschaft aus Ihrer Sicht aktuell angekommen?

Schneider: Mhh, schwierig, genau die Mitte vielleicht? Es ist eine komplexe Gemengelage, die auf der einen Seite Solidarität befeuert, aber eben auch den Egoismus fördert. Einkaufen für die älteren Nachbarn versus Klopapier hamstern und Maske verweigern. Bei einer Demonstration gegen die Corona-Regeln habe ich ein Plakat gelesen, auf dem sinngemäß stand: „Meine Freiheit lasse ich mir nicht nehmen.“ Na, herzlichen Glückwunsch! Wenn man in der Zeit der Pandemie nur auf sich schaut, dann wird’s schwierig.

Niedernolte: Keine Frage, es gibt Einschränkungen, die echt weh tun. Auch meine Familie und ich waren und sind da weiter betroffen. Daniel ebenfalls. Das kann man auch nicht wegdiskutieren. Doch es geht eben nicht nur um meine Freiheit, sondern um unsere gemeinsame Freiheit. Und um den gemeinsamen Kampf gegen die Pandemie. Eben nicht nur für sich selbst Abstand halten und Maske tragen, sondern auch für meinen Nächsten.

Welche Schlüsse lassen sich daraus für die Zeit nach Corona ziehen? Wie wird die Pandemie unser Zusammenleben verändern?

Schneider: Um das umfassend zu beantworten braucht das WESTFALEN-BLATT ein paar Extra-Ausgaben. (lacht) Eine persönliche Hoffnung ist, dass wir wieder viel mehr zu schätzen wissen, was Menschen und Berufe in unsrem täglichen Umfeld und Alltag leisten. Meine Frau zum Beispiel arbeitet als Erzieherin im Johannes-Kindergarten in Löhne. Was das Team da gerade in der Hochphase der Krise gestemmt hat, ist nicht nur systemrelevant, sondern Wertschätzung und Respekt pur. Und bei aller – teilweise auch berechtigten Kritik am Homeschooling – muss ich sagen: Die Lehrerinnen und Lehrer unserer Töchter am Immanuel-Kant-Gymnasium haben den Lockdown meiner Ansicht nach mit Bravour gemeistert. Das macht Hoffnung auf einen Schub in Sachen digitaler Bildung.

Niedernolte: Und auf einer Metaebene beantwortet: Mehr zusammen – weniger jeder für sich. Ich hoffe auf mehr Respekt im Zusammenleben. Denn das Gegenteil hatten wir lange genug.

Werden Sie Ihr Werk „Respekt“ bei einer sicher geplanten Leserreise auch in der Region vorstellen? Möglicherweise bei einer Lesung in der Druckerei in Bad Oeynhausen?

Niedernolte: Eine Leserreise ist auf jeden Fall geplant. Auf Grund dieses fiesen, unsichtbaren Virus’ allerdings, das es da gerade überall gibt, sicher erst im nächsten Jahr. Aber dann unbedingt. Und wenn Bad Oeynhausen uns noch mal empfangen würde – wir wären von Herzen gerne dabei.

Sind weitere gemeinsame (Buch-)Projekte geplant?

Schneider: Fragen Sie uns in einem Jahr noch mal. Die Strapazen sind noch zu sehr in unserer Erinnerung. (lachen beide). Im Moment geht es erst mal darum, dass sich die Kraft dieses Buches entfaltet.

Niedernolte: Genau. Alles auf den Respekt und das noch druckfrische Buch. Und da ich nie erwartet hätte, überhaupt noch mal ein zweites zu schreiben, sage ich heute zumindest nicht mehr: Das war’s an eigenen Büchern. Wir werden sehen...

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