Jennifer und Michael Ehnert mit Comedy-Stück im Theater im Park in Bad Oeynhausen
Szenen einer Ehe

Bad Oeynhausen  (WB). Die letzte Szene des Abends: Ehnert und Ehnert küssen sich. Innigst. Dann geht das Licht im Theater im Park aus, und das Comedy-Schauspiel „Zweikampfhasen“ ist vorbei. Ende gut, alles gut.

Freitag, 02.10.2020, 05:00 Uhr
Michael Ehnert und seine Frau Jennifer Seite an Seite: In ihrer Ehe kriselt es. Aber kommt eine Scheidung für die beiden „Zweikampfhasen“ wirklich in Betracht? Foto: Gabriela Peschke

Ihr „Kampf“ hat fast zwei Stunden gedauert (inklusive kurzer Pause). In dieser Zeit haben Jennifer und Michael Ehnert die 13 Jahre ihrer Ehe Revue passieren lassen. Nein, eigentlich haben sie ihre gemeinsamen Jahre seziert: eine Rückschau auf Entfremdung und Entgleisungen, auf Lust und Frust des Ehealltags.

Sprachgewandt, mimisch bunt in Szene gesetzt, temporeich. Denn außer den beiden Eheleuten standen nur zwei schwarze Holzstühle auf der Bühne. Das Übrige waren Worte, Gesten und Andeutungen – bisweilen unverhohlen direkt. Das Publikum hatte seine Freude an der verbalen Tour de Force, die sich im großen Bogen vom Bettgeflüster bis zum Brechreiz an allen Klischees einer eingespurten Partnerschaft abarbeitete.

Ist die Ehe eine Erfindung der Romantik?

Wer so lange verheiratet ist wie Jennifer und Michael Ehnert, der erinnert sich, „dass Verliebte genauso durch den Wind sind wie Posttraumatisierte“, und erklärt die Liebesehe für eine Erfindung der Romantik. Für Michael Ehnert steht fest: EHE ist die Abkürzung für Errare humanum est. Das bedeutet: Irren ist menschlich.

Er reibt sich auf an der Konsumsucht der Ehegattin („ein eigener Kleiderschrank nur für Stiefel“), ihren ungewöhnlichen Schlafgewohnheiten oder ihrem Faible für Amerika. Sie ist frustriert über seine scheinbare Begrenztheit („heiraten oder weiterentwickeln – beides geht nicht“), seine Fake-Kontakte über die sozialen Medien und seine Speisegewohnheiten („Bevor Du mich kanntest, hast Du noch Wurst mit Gesichtern gekauft“).

Kein Wunder, dass bei diesen Banalitäten die griechische Philosophie und die schöne Legende von Philemon und Baucis wie paradiesische Zustände erscheinen müssen. Doch das Paradies hat auch seine Schlangen: In Gestalt von Olga, „der Prostatuierten mit Ansaugstutzen“, die Michael die Grenzen seiner Männlichkeit aufzeigt. Und in Gestalt eines beinahe übergriffigen Gynäkologen, der Jennifers Eheprobleme auch nicht lösen kann.

Deftiges Vokabular und Doppeldeutigkeiten

Dabei greift das Team Ehnert-Ehnert auch gern mal zum deftigen Vokabular und bemüht doppeldeutige Begrifflichkeiten rund um das Liebesleben der Protagonisten: „Fellatio ist kein römischer Fußballverein“, belehrt Ehnert seine Frau und erheitert damit die Zuhörer.

Überhaupt ist das Publikum mit Eifer bei der Sache, wenn das Paar sich in Verbalschlachten gegenseitig überbietet. Da geht es um mediales Patriarchat, um Vegetarismus und die Allüren der Amerikaner. Um die vermeintliche Unabhängigkeit der Frau („Ich muss Dir doch noch jede Toilettenfrau bezahlen“) und die große Freiheit des männlichen Geschlechts.

Schließlich glauben Ehnert und Ehnert sich reif für die Scheidung. Im Express-Verfahren, in einer „Scheidungs-Show“ wollen sie sich voneinander lossagen: „Ich verstoße Dich“. Doch das klappt nicht. Und so siegt die Erkenntnis, dass sie trotz banaler Reibungspunkte vieles gemeinsam haben.

Jennifer und Michael Ehnert haben dem Publikum einen unterhaltsamen Abend beschert. Es wurde viel gelacht und am Ende reichlich Applaus gespendet für einen schauspielerischen Marathon mit vielleicht so manchem Wiederkennungs-Moment.

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