Vor der Stichwahl: Lars Bökenkröger und Achim Wilmsmeier beziehen Stellung
Einer wird gewinnen

Bad Oeynhausen (WB). Lars Bökenkröger (CDU) oder Achim Wilmsmeier (SPD/BBO/UW/Linke) – wer soll Bad Oeynhausen als Bürgermeister in die Zukunft führen? Über diese Frage entscheiden die Bürger bei der Stichwahl am Sonntag, 27. September.

Donnerstag, 24.09.2020, 03:30 Uhr aktualisiert: 24.09.2020, 11:12 Uhr
Beim Fototermin am Schweinebrunnen haben die Bürgermeisterkandidaten Lars Bökenkröger (CDU, links) und Achim Wilmsmeier (SPD/BBO/UW/Linke) keine Probleme damit, sich in die Augen zu schauen. Wer die Stichwahl gewinnt, entscheidet sich am 27. September. Foto: Louis Ruthe

Im Vorfeld hat das WESTFALEN-BLATT ein Doppelinterview mit den beiden Bürgermeisterkandidaten geführt. Drängende Themen wie die Zukunft der Bali-Therme, neue Impulse für die Innenstadt und den Tourismus oder eine langfristige Perspektive für die Umgestaltung der Mindener Straße/Kanalstraße standen im Mittelpunkt. Die Fragen stellten Claus Brand und Malte Samtenschnieder.

Das weitere Schicksal der Bali-Therme, die coronabedingt seit Monaten geschlossen ist, bewegt viele Menschen in Bad Oeynhausen und darüber hinaus. Welche Möglichkeiten sehen Sie, über die bereits erfolgten Gespräche zwischen der Stadt und den Investoren aus den Niederlanden hinaus, um auf eine baldige Wiederöffnung hinzuwirken?

Achim Wilmsmeier: Ich setze mich mit Nachdruck dafür ein. Mir wurde bislang sowohl von den Niederländern, als auch von der Geschäftsführung vor Ort signalisiert, dass die Bali-Therme ihren Betrieb schnellstmöglich wieder aufnehmen soll. Schwierig wird es aber dadurch, dass finale Entscheidungen auf einer höheren Unternehmensebene in Spanien getroffen werden. Und dass die Bali-Therme dort im Vergleich mit 70 anderen Thermen betrachtet wird. Es gibt Thermen, die schon mit relativ geringer Auslastung eine schwarze Null erreichen können. Bei der Bali-Therme müssen es mehr als 1000 Besucher am Tag sein. Das aktuelle Hygienekonzept lässt aber nur etwa 500 Gäste zu.

Lars Bökenkröger: Die Situation ist mehr als unbefriedigend für alle Beteiligten. Es ist ja schon fast peinlich, dass das GOP jetzt eine Partnerschaft mit dem Vitasol in Bad Salzuflen eingeht. Jeder Tag, den die Bali-Therme geschlossen ist, ist ein verlorener Tag. Die Substanz dort wird nicht besser. So eine Therme muss täglich betrieben werden. Sonst ist am Ende auch der Investitionsbedarf um so größer. Ich höre zwar, dass angeblich regelmäßige Gespräche über die Wiedereröffnung stattfinden. Aber das scheint ja offensichtlich nicht zu reichen. Es passiert ja nichts.

 

Könnte es irgendwann soweit kommen, dass die Stadt die Bali-Therme kauft, um wieder selbst Herrin der Lage zu sein?

Wilmsmeier: Natürlich ist das denkbar. Zum einen steht die Bali-Therme aber im Moment nicht zum Verkauf. Zum anderen trifft der Bürgermeister eine Entscheidung von derartiger Tragweite natürlich nicht alleine. Das ist selbstverständlich eine Angelegenheit des Rates. Man kann die Bali-Therme auch nicht alternativ einfach mit Zuschüssen unterstützen. Das Gewähren von städtischen Beihilfen an Privatunternehmen ist nicht ohne Weiteres möglich. Bevor wir aber eine Ruine im Kurpark bekämen, muss und wird die Stadt handeln.

 

Herr Bökenkröger, was kann man aus Ihrer Sicht außer Gesprächen tun, um die Angelegenheit voranzutreiben?

Bökenkröger: Man muss intensiver an die Sache herangehen. Ansonsten verlieren wir mehr und mehr Leute, die in Bad Oeynhausen schwimmen gehen. Es wird sicher schwer, die entsprechenden Hebel zu finden. Aber grundsätzlich könnte man ja zum Beispiel bei der Sole ansetzen.

Wilmsmeier: Moment, das ist sachlich falsch. Denn die Sole wird im Moment gar nicht abgenommen, sondern nur, wenn die Therme geöffnet ist. Also stellt sich diese Frage doch zur Zeit gar nicht.

Bökenkröger: So geht es auf jeden Fall nicht weiter. Das ist ganz klar. Aber ich selbst habe keine Gespräche geführt. Und deswegen kann ich auch nichts Konkretes zu deren Verlauf sagen.

 

Wie lange hält es die Stadt denn noch aus, dass die Therme geschlossen ist? Es gibt ja Spekulationen, dass erst Mitte 2021 ein Corona-Impfstoff verfügbar ist.

Bökenkröger: Dann müssen in der Zwischenzeit bauliche Maßnahmen getroffen werden, um zumindest eine Teilöffnung zu ermöglichen. Die Schaffung eines zweiten Eingangs oder eine Umgestaltung der Duschen gehören für mich dazu. Da das aber nicht von jetzt auf gleich geht, sehe ich schwarz, dass kurzfristig etwas passiert.

Wilmsmeier: Ich würde mir hier eine bessere Unterstützung durch die CDU-geführte Landesregierung wünschen. Aus Düsseldorf kommen immer große Versprechen, aber konkrete Maßnahmen? Fehlanzeige. Weder beim GOP, noch bei der Bali-Therme. Und einen speziellen Fördertopf für Hallenbäder oder Thermen, die von der Corona-Krise besonders schwer betroffen sind, gibt es schon gar nicht.

 

Momentan ist es so, dass von der aktuellen Schließung der Bali-Therme vor allem die Vitasol-Therme in Bad Salzuflen profitiert. Wie sehr wurmt es Sie, dass derzeit eine Nachbarkommune in einem für Bad Oeynhausen wichtigen Bereich so dominierend ist und man nichts wirkungsvoll dagegen unternehmen kann?

Bökenkröger: Es ist ja schon eine Entwicklung, die uns seit einigen Jahren beschäftigt, dass sich Nachbarkommunen erfolgreicher entwickeln als Bad Oeynhausen. Viele Bürger merken, dass Bad Oeynhausen in einigen Bereichen hinterherhinkt. Und da müssen wir ansetzen. Wir müssen mehr für den Tourismus tun. Die Innenstadt muss wieder attraktiver sein. Wir brauchen natürlich ein Gradierwerk, das auch touristisch erlebbar ist. Dazu kommt der Jordansprudel, unser Wahrzeichen, der schon lange nicht richtig funktioniert. Es ist unbefriedigend, dass wir stattdessen viele Projekte haben, die nicht richtig vorangetrieben werden. Deshalb hinken wir hinter Bad Salzuflen her.

Wilmsmeier: Man kann natürlich viel behaupten, ohne Belege und eigene Lösungsansätze. Gerade in Zeiten von Fake-News sollten wir besser bei den Fakten bleiben. Nehmen wir einmal das Kommunalranking 2020 NRW. Darin sind alle 396 Kommunen in NRW in allen wichtigen Bereichen wie Wirtschaft, Wohnen, Arbeiten und Lebensqualität untersucht worden. Die Stadt Bad Oeynhausen hat da einen guten siebten Platz in OWL und landesweit den 36. Platz gemacht – übrigens weit vor Bad Salzuflen mit Platz 164. Was ist also in Bad Salzuflen besser gelaufen? Da möchte ich jetzt einmal Fakten und Lösungen von Ihnen hören.

Bökenkröger: Die Innenstadt ist schöner. Die haben ihr Gradierwerk in der Innenstadt. Die haben eine Therme, die funktioniert. Die haben aber auch sehr viel mehr Geld in den Tourismus gesteckt als wir. Hinzu kommen Sachen wie Sauberkeit und Ordnung. Also typische Dinge, die das Stadtbild prägen, was bei uns wiederum hinterherhinkt. Außerdem hat unsere Innenstadt nicht mehr die frühere Attraktivität. Dafür gibt es viele Gründe. Auch der Werre-Park hat dazu beigetragen.

 

Herr Wilmsmeier, wie erklären Sie sich, dass viele denken, in Bad Salzuflen ist alles besser?

Wilmsmeier: Ich nehme das anders wahr. Wenn ich mit meinem Kollegen aus Bad Salzuflen bei uns im Kurpark war, hat er immer zu mir gesagt: „Mensch, ihr seid aber mit euren Gebäuden gut aufgestellt. Es wäre schön, wenn wir auch soweit wären.“ Das heißt, man guckt oft in die Ferne, obwohl das Gute eigentlich so nahe liegt. Schauen Sie sich doch den Kurpark einmal an. Alles wird rege genutzt und ist in einem guten Zustand. Alles nur schlecht reden, halte ich für keinen guten politischen Stil.

Bökenkröger: Da geht aber noch sehr viel mehr. Etwa, wenn wir das Thema „Gesundheitstourismus“ sehen. Wir müssen uns fragen, wie wir Bad Oeynhausen weiterentwickeln können und uns nicht auf dem Vorhandenen ausruhen. Wir müssen uns fragen: Wie können wir neue Zielgruppen erreichen, um eine kaufkräftige Kundschaft nach Bad Oeynhausen zu holen? Das strahlt dann auf die Innenstadt aus. Dazu brauchen wir neue Ansätze. In den vergangenen Jahren hat es nur das Tourismuskonzept gegeben. Und das ist ganz offensichtlich gefloppt. Es hat ja bislang nur ein paar neue Lampen für den Kurpark gegeben.

 

Welche konkreten Maßnahmen schlagen Sie vor?

Bökenkröger: Wir müssen stärker in die Substanz investieren, um Sole erlebbar zu machen.

 

In welche Substanz möchten Sie denn investieren?

Bökenkröger: Wir brauchen einfach Möglichkeiten, dass man wieder auch in Sole baden kann. Dafür reichen mir zwei Badewannen im Badehaus II nicht aus. Sole muss wieder erlebbarer sein.

 

Wollen Sie ein weiteres Gebäude bauen und dort sechs zusätzliche Wannen aufstellen? Oder kaufen Sie doch die Bali-Therme?

Bökenkröger: Wir haben doch viel Potenzial. Wir können mit dem Kulturangebot werben. Wir haben die Natur. Wir brauchen neue Pakete, die wir im Gesundheitstourismus anbieten können. Wir müssen jüngere Leute, die Geld haben und eine Auszeit in Bad Oeynhausen verbringen wollen, ansprechen. Unterstützende Familienangehörige werden ja zum Beispiel bereits in den Blick genommen. Wir müssen einfach noch viel kreativer werden.

 

Herr Wilmsmeier, und welche konkrete Maßnahme schlagen Sie zur Belebung des Tourismus vor?

Wilmsmeier: Die einzelnen Bausteine unseres Tourismuskonzeptes folgen einem roten Faden. Eine zentrale Maßnahme ist der Solegarten. Dort kann man sowohl die Sole erlebbar machen, als auch mit den Liegen eine entsprechende Aufenthaltsqualität schaffen. Zudem ist es wichtig, dass die Sole zu Tage tritt und nicht wie bisher von einem Dach und einem Zaun abgeschirmt wird.

 

Herr Bökenkröger, können Sie Ihren Vorschlag noch präzisieren? Was können wir neuen Zielgruppen konkret anbieten?

Bökenkröger: Warum nutzen wir nicht die vorhandene Architektur besser? Ohne neue Angebote brauchen wir auch kein Marketing. Denn dann kommt keiner.

 

Welches Gebäude schwebt Ihnen denn vor?

Bökenkröger: Ich denke zum Beispiel an das Badehaus I. Das ist ein wunderschönes Gebäude. Aber so richtig für die Öffentlichkeit genutzt wird es nicht. Wir haben außerdem das Haus des Gastes, für das wir ein neues Nutzungskonzept brauchen, wenn die Mitarbeiter des Staatsbades in absehbarer Zeit in den Nordbahnhof umziehen.

 

Vielleicht ist das Haus des Gastes noch mal ein Punkt, bei dem wir Sie zu einer möglichst konkreten Aussage bezüglich der künftigen Nutzung animieren können...

Bökenkröger: Ich könnte mir eine Zwei- oder Dreiteilung vorstellen, um dort Kultur und Ausstellungen zu erleben. Ich könnte mir dort aber auch etwas Geschichtliches vorstellen, um die Identität von Bad Oeynhausen herauszustellen. Da könnte sicher auch mal ein Yoga-Kurs stattfinden. Und ich könnte mir dort ein Gesundheitscafé vorstellen.

Wilmsmeier: Wenn ich Ihnen zuhöre, Herr Bökenkröger, stellen sich mir viele Fragen. Die Identität Bad Oeynhausens erlebbar machen – genau das war in der Liegehalle am Solegarten geplant. Und die CDU hat dagegen gestimmt. Aber sei es drum. Beim Haus des Gastes ist für mich der Name Programm. Ausstellungsmöglichkeiten dort fände ich gut. Und irgend etwas erlebbar zu machen. Man könnte beispielsweise mit der Volkshochschule sprechen – oder mit den Grundschulen. Auch das Märchenmuseum ist in der Nähe, wo viele Künstler beheimatet sind.

 

Nun zu einem anderen Thema: Welche Perspektiven sehen Sie für die Mindener Straße/Kanalstraße?

Wilmsmeier: Tatsächlich sind wir auch hier auf die Zusammenarbeit mit der Landesregierung angewiesen. Es ist ja so, dass wir für den Abschnitt zwischen Steinstraße und Werre-Park seit März dieses Jahres Eigentümer sind. Dort plant das Land einen Radschnellweg. Das bedeutet, dass wir die Straße nur gemeinsam umbauen und für Fahrräder und Autos gleichsam aufwerten können. Deswegen ist es wichtig, das Land wieder an den Tisch zu bekommen. Die bisher geplanten Termine wurden seitens des Verkehrsministeriums NRW bereits zweimal abgesagt und verschoben. Das ärgert mich sehr, weil ich Tempo machen will.

Bökenkröger: Vielleicht klappt es ja besser, einen Termin zu bekommen, wenn man einen CDU-Bürgermeister und einen CDU-Verkehrsminister hat.

 

Und wie soll es an der Straße in fünf Jahren aussehen?

Wilmsmeier: Ich stelle mir eine lebhafte Innerortsstraße vor. Wenn es das Verkehrsvolumen zulässt, wird es dort zwei Spuren und einen Radschnellweg geben, mit Bäumen in der Mitte. Auch ausreichend Querungsmöglichkeiten sind vorzusehen. Im Moment hat man ja auch die Schwierigkeit, dass man dort gar nicht wenden kann. Das wird nach dem Umbau durch Kreisverkehre erleichtert.

Bökenkröger: Der Umbau der Mindener Straße/Kanalstraße ist für unsere Stadt eine Chance, das Gesicht zu verändern. Deswegen muss das Ganze auch vorangetrieben werden. Ich hoffe, dass wir dort in fünf Jahren eine Spur in jede Richtung und mehr Grün haben. Dass es einfach ein schöneres Einfahrtstor nach Bad Oeynhausen gibt, wo sich auch rechts und links noch der eine oder andere Investor ansiedeln kann. Ob es Kreisel geben wird, bleibt aus meiner Sicht abzuwarten. Im Moment haben wir dafür – nach Angaben der Planer – ja 30 Prozent zuviel Verkehr. Mit dem Verkehr aus der Steinstraße/Eidinghausener Straße wird das kaum funktionieren.

 

Und wie wird sich aus Ihrer Sicht dann das Umfeld der künftigen Ortsdurchfahrt verändern?

Wilmsmeier: Die Freigabe der Nordumgehung hat dafür gesorgt, dass ein echter Run auf die anliegenden Grundstücke eingesetzt hat. Auf dem Fuhrken-Gelände tut sich etwas, auf dem Hockeyplatz, der 15, 20 Jahre zum Verkauf stand, entsteht das Medical Plaza. Und auch auf dem ehemaligen Tiwa-Gelände ist Bewegung. Im Prinzip gibt es dort keine freien Grundstücke mehr. Und das alles ist ein Vorschuss darauf, wie die Mindener Straße/Kanalstraße umgestaltet wird.

 

Und was wird aus dem Königshof?

Wilmsmeier: Ich hoffe, es wird ein attraktives Hotel mit angemessenem Rahmenprogramm. Wenn es realisiert würde, wäre das für die Innenstadt eine Aufwertung. Wir sind immerhin schon so weit auf dem Weg, dass jetzt eine Bauvoranfrage gestellt worden ist. So nah dran wie im Augenblick sind wir in den vergangenen Jahren selten an einem konkreten Bauvorhaben gewesen. Wichtig ist, dass der Investor jetzt klar darlegt, dass sein Gesamtkonzept umgesetzt und finanziert werden kann.

 

Für wie realistisch halten Sie es, in der aktuellen Corona-Krise einen Betreiber für ein weiteres Hotel in Bad Oeynhausen zu finden?

Bökenkröger: Der Königshof ist eine Schlüsselimmobilie in der Innenstadt von Bad Oeynhausen. Wenn die dort brach liegt und nicht betrieben wird, strahlt das auf alles aus. Es ist richtig, dass die Politik im Moment Druck auf den Investor ausübt, damit es dort voran geht. Ich bin mit dem Konzept noch nicht ganz zufrieden. Es wirkt alles immer noch sehr massiv, obwohl die Anzahl der Parkplätze bereits reduziert wurde. Ich glaube – insbesondere in der Corona-Krise – kann das Ganze nur funktionieren mit einer Mischung aus Wohnungen und einem kleineren Hotelbetrieb.

 

Nun nochmals zu einem ganz anderen Bereich: Seit der Wahl am 13. September stehen ja bereits die Kräfteverhältnisse im künftigen Rat der Stadt Bad Oeynhausen fest. Wie könnte vor diesem Hintergrund in den nächsten fünf Jahren eine erfolgreiche politische Arbeit für Sie aussehen?

Bökenkröger: Wir hatten in den vergangenen sechs Jahren zunächst ein Fünfer-Bündnis, dann ein Vierer-Bündnis. Und das ist jetzt komplett abgestraft worden. Zudem haben wir einen sehr zersplitterten Stadtrat. Ich glaube, die Bürger wollen klare Verhältnisse haben und keine Mega-Bündnisse mit Kleinstparteien. Ich glaube, dass kleine Parteien wie die BBO und die UW durch das Bündnis verloren haben und sich selbst nicht entwickeln konnten. Wir müssen nun sehen, dass wir im neuen Rat neue Bündnisse und neue Mehrheiten haben. Allein schon mit Blick auf Parteien wie die AfD, die ja – leider Gottes – mit drei Mandaten vertreten sein wird. Es kann nicht sein, dass die AfD am Ende das Zünglein an der Waage ist.

Für CDU und Grüne gäbe es eine Mehrheit...

Bökenkröger: Das ist eine Tatsache. Und es gibt große Schnittmengen zwischen Schwarz und Grün. Aber das müssen am Ende die zuständigen Gremien entscheiden. Das entscheide nicht ich. Natürlich ist es einfacher, wenn man als Bürgermeister im Rat eine Mehrheit hinter sich hat.

 

Das Vierer-Bündnis kommt mit etwa 35 Prozent auf keine eigene Mehrheit mehr...

Wilmsmeier: Die CDU ist seit 20 Jahren die größte Fraktion und hat es in dieser Zeit nie geschafft, für stabile Mehrheiten zu sorgen. Große Schnittmengen zwischen CDU und Grünen sehe ich nicht. Beim ÖPNV und beim Klimaschutz sind doch Welten zwischen beiden. Hier hat unser Bündnis mit den Grünen gut funktioniert. Und wenn es darauf ankam, konkrete Maßnahmen für den Klimaschutz zu beschließen, hat die CDU in allen Fällen gekniffen und dagegen gestimmt.

 

Heißt das jetzt, dass Sie schon in Gedanken an einer Neuauflage des ehemaligen Fünfer-Bündnisses mit den Grünen basteln?

Wilmsmeier: Was möglich ist, müssen die anstehenden Gespräche zeigen. Es geht doch immer um die Sache. Wir müssen ausloten, welche Themen für welche Parteien und Bevölkerungsgruppen wichtig sind. Und dann muss man schauen, ob man Mehrheiten organisieren kann. Das wird sicherlich bei dem einen Thema leichter und bei einem anderen schwieriger werden.

 

Das heißt, Sie gehen von wechselnden Mehrheiten aus?

Wilmsmeier: Am Anfang auf jeden Fall. Dann muss man schauen, ob man sich über die Sachfragen näherkommt und vielleicht sogar zueinander findet.

 

Wie könnte ein Appell aussehen, dass möglichst viele – insbesondere auch jüngere Wähler – an der Stichwahl am Sonntag, 27. September, teilnehmen?

Bökenkröger: Wir haben einen ganz großen Strauß an Herausforderungen in den nächsten Jahren in Bad Oeynhausen. Und jeder Bürger kann mitentscheiden – auch durch die Wahl des Bürgermeisters –, wie es jetzt in Bad Oeynhausen weiter geht. Deshalb hoffe ich, dass möglichst viele bei der Stichwahl ihre Stimme abgeben, egal wie alt sie sind.

Wilmsmeier: Viele Jugendliche zeigen ja gerade bei Fridays for Future, dass sie Verantwortung für unsere Zukunft übernehmen möchten. Und ich glaube, man muss bei jedem jetzt an die Verantwortung appellieren, dass man, wenn man für die Zukunft etwas gestalten möchte, auch sein Wahlrecht wahrnehmen sollte. Demokratie lebt nun einmal vom Mitmachen und Gestalten.

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