Gedenkbrunnen vor Auferstehungskirche am Kurpark Bad Oeynhausen wird saniert
Damit wieder Wasser sprudelt

Bad Oeynhausen  (WB). Bald fließt im Gedenkbrunnen vor der Auferstehungskirche am Kurpark wieder Wasser. Vor wenigen Tagen hat die Sanierung des Mahnmals für die jüdischen Opfer von Verfolgung und Ermordung während des Dritten Reichs in Bad Oeynhausen begonnen.

Donnerstag, 10.09.2020, 05:00 Uhr
Freuen sich über die Sanierung (von links): Pfarrer Lars Kunkel, Architektin Dana Ellerhoff, Fred Volker Eyl (Verein Stolpersteine für Bad Oeynhausen), Bürgermeister Achim Wilmsmeier, die Bauarbeiter Ronny Schlenter und Pedro Parrios sowie Künstler Dietmar Lehmann. Foto: Malte Samtenschnieder

Möglichst bis Ende Oktober sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. „Wir wollen diesmal während des Gedenkens am Volkstrauertag einen Schwerpunkt am Brunnen setzen“, sagte Lars Kunkel, Pfarrer in der evangelischen Altstadt-Kirchengemeinde, bei einem Ortstermin.

Die Idee für den Brunnen wurde 2001 in einem Arbeitskreis der Volkshochschule geboren. Mit dem künstlerischen Entwurf wurde Dietmar Lehmann aus Minden betraut. „Der Standort war von Beginn an umstritten“, sagte Lars Kunkel.

Viele hätten nicht verstanden, warum vor einer christlichen Kirche an jüdische Opfer erinnert werden sollte. Mittlerweile sei das Mahnmal fest in die Abläufe innerhalb der Kirchengemeinde integriert. „Seit 2009 vergeht kein Volkstrauertag, an dem wir nicht an dem Gedenkbrunnen Station machen“, betonte der Pfarrer.

Bauliche Umsetzung mit Schwächen

Leider habe die bauliche Umsetzung des Brunnenentwurfs von Dietmar Lehmann schnell Schwächen gezeigt. Dadurch, dass mehrfach Lkw über die Edelstahlwanne gefahren seien, sei die Konstruktion so stark beschädigt worden, dass immer mehr Wasser austrat. Lars Kunkel: „Vor vier, fünf Jahren hatten wir keine andere Wahl, als den Brunnen stillzulegen.“

Damit wollte sich der Pfarrer aber nicht abfinden. Also suchte er nach Wegen, die Sanierungskosten zu bewerkstelligen. „Wir sind überglücklich, dass uns die Stadt mit 50.000 Euro unterstützt“, sagte Lars Kunkel. Weitere 10.000 Euro hätten die Kirchengemeinde, der Kirchenkreis Vlotho und private Spender aufgebracht.

„Wir freuen uns, dass wir als Stadt helfen können“, sagte Bürgermeister Achim Wilmsmeier. Auch er wies auf die Jahr für Jahr gemeinschaftlich mit der Altstadt-Kirchengemeinde organisierte Gedenkfeier zum Volkstrauertag hin, bei der der Brunnen immer eine wichtige Rolle gespielt habe. Er freue sich, dass das Mahnmal passend zum Volkstrauertag wieder hergestellt sein solle.

Ende Oktober soll alles fertig sein

In diesem Punkt ist Dana Ellerhoff, Architektin im Kirchenkreis Vlotho, optimistisch: „Die Baufirma hat mir versichert, dass sie bis Ende Oktober mit der Sanierung fertig sein will.“ Ergänzend sollen mehrere Sitzquarder, die zugleich als Überfahrsperre dienen sollen, aufgestellt werden. Zudem ist das Errichten einer Stele mit Informationen zur Historie des Gedenkbrunnens geplant. Dirk Schormann sei damit beauftragt.

„Mit Hilfe der Stele wollen wir eine Verbindung schaffen zwischen dem zentralen Mahnmal an der Auferstehungskirche und den mehr als 30 Stolpersteinen, die sich dezentral im Stadtgebiet verteilen“, sagte Lars Kunkel. Langfristig sei angedacht, den sanierten Gedenkbrunnen auch bei Stadtführungen einzubinden.

Der Pfarrer: „Es geht hier nicht darum, rückwärtsgewandt in die Vergangenheit zu schauen. Wir wollen vielmehr in die Zukunft blicken. Als Kirche und als Stadt setzen wir mit dem Brunnen ein Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Frieden.“

Das Programm für das Gedenken am Volkstrauertag soll diesmal gemeinsam mit Realschülern erarbeitet werden. Nach einer Station am Gedenkbrunnen solle die Veranstaltung am Mahnmal hinter der Auferstehungskirche fortgesetzt werden. Lars Kunkel: „Wir sind gespannt, welche Ideen die Jugendlichen dafür entwickeln.“

Zum Gedenkbrunnen

Der Gedenkbrunnen vor der Auferstehungskirche am Kurpark hat eine Grundfläche von fünf mal fünf Metern. Diese ist bedeckt von einer 15 Zentimeter tiefen Wanne, die dem leichten Gefälle des Geländes folgt.

In den gepflasterten Boden ist ein großer Davidsstern aus Edelstahl gelegt, der neben dem Hinweis auf die jüdischen Opfer von Gewalt die Inschrift trägt: „Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ (Amos 5,24)

Ein großer Findling macht auf den Brunnen aufmerksam. Er wird als Schuldstein interpretiert, der das Recht aus dem Gleichgewicht bringt. Über die gesamte Fläche fließt Wasser, dem Gefälle folgend, so dass die Inschrift noch mühelos lesbar ist. Dietmar Lehmann hat den künstlerischen Entwurf für den Brunnen 2001 erstellt.

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