Testfahrt: Neue „Oeynräder“ lassen sich per Muskelkraft oder per Elektromotor steuern
Los geht’s

Bad Oeynhausen (WB). Die Stadt Bad Oeynhausen hat mit dem Unternehmen „Nextbike“ ein neues Radverleihsystem aufgebaut. An vier Standorten lässt sich das „Oeynrad“ bereits ausleihen (diese Zeitung berichtete). Weitere sollen hinzu kommen. Das WESTFALEN-BLATT hat den neuen Service ausgiebig getestet – erst mit einem konventionellen Bike, dann mit einem Elektrofahrrad.

Dienstag, 08.09.2020, 09:00 Uhr
Philipp Kleinschnittger führt das neue „Oeynrad“ vor. Der Sattel lässt sich stufenlos einstellen. Mit wenigen Tritten in die Pedalen lässt es sich bequem fahren. Bisher lässt sich das „Oeynrad“ an vier Standorten ausleihen. Insgesamt 13 sind geplant. Foto: Frank Dominik Lemke

Das erste Fahrrad mit der rot-weißen Verkleidung am Hinterreifen trägt die Nummer 331046. Dieses soll es für die erste Testfahrt mit dem „Oeynrad“ durch Bad Oeynhausen sein. Sein Rahmenschloss am Hinterrad ist verriegelt. Mit dem Handy lässt es sich elektronisch öffnen. Die Kamera des Handys sucht eine Fläche aus schwarz-weißen Punkten. Mit dem QR-Code entsperrt es das Schloss, indem es Daten nach Leipzig sendet. Dort kümmert sich ein Computer um die Freigabe und Bezahlung. „Klack“, das hat funktioniert. Der Bügel ist von alleine nach oben gerutscht.

Mit tiefem Einstieg

Jetzt lässt sich die 331046 mit sanftem Druck aus der Halterung schieben. „Die normalen Fahrräder haben sieben Gänge. Die Klingel ist in den linken Handgriff eingearbeitet“, sagt Philipp Kleinschnittger und lenkt das Fahrrad mit eleganten Bewegungen auf eine freie Fläche vor dem Bahnhof. Der Rahmen ist so gebaut, dass Männer wie Frauen bequem aufsteigen können.

„Nextbike“ hat in der Anfangszeit mit Herren- und Damenfahrräder experimentiert. Die Herrenräder hatten die gewohnte Stange in der Mitte. Das war kompliziert. Der tiefe Einstieg der 331046 macht das Aufsitzen leichter. Der Lenker fühlt sich solide an. Nichts wackelt oder klappert. Der Sattel lässt sich stufenlos auf Körpergrößen von 1,60 Meter bis 2 Meter einstellen. Am Lenker ist ein Korb befestigt, mit dem sich bis zu 15 Kilogramm transportieren lassen.

Sportlich durch die Kurven

„Los geht’s“, sagt Philipp Kleinschnittger, „Es ist ganz einfach.“ Der Antritt im ersten Gang ist zügig. Die ersten Meter machen sofort Lust auf mehr. Auf den ersten Blick sieht das „Oeynrad“ gar nicht danach aus. Es lässt sich sportlich durch die Kurven ziehen. Bei einem zu engen Radius zieht der Schwerpunkt des Stahlrahmens das Vorderrad etwas nach außen. Doch das macht sich früh genug bemerkbar. Die Reifen quietschen auf dem Asphalt.

Das Gummi ist noch neu. Dritter, vierter, fünfter Gang, bis hoch in den siebten. Wer will, kann ordentlich rein treten. Doch am besten fühlt sich das „Oeynrad“ beim gemütlichen Radeln an. Die Kugellager laufen leicht. Nichts schleift. Lenker und Sattel sind so gebaut, dass der Rücken gerade bleibt. Wer damit unterwegs ist, wirft gerne einen Blick nach links und rechts und genießt den Fahrtwind an der Nase.

Akku reicht bis zu 80 Kilometer

Zurück an der Radstation. Philipp Kleinschnittger hält schon das nächste Rad bereit: die 331083, ein Elektrofahrrad mit blau-weißer Verkleidung. Der Rahmen ist dicker. Im Tretlager ist der Elektromotor verbaut. Der Akku reicht bis zu 80 Kilometer. Fünf LEDs zeigen den Ladezustand an. „Bei den Elektrofahrrädern sind drei Gänge verbaut. Aufgrund der Unterstützung reichen die völlig aus“, sagt der Projektmanager.

Also los. Ein Tritt in die Pedale und – hoppla! Bloß festhalten. Der Elektromotor schiebt so richtig nach vorne. Schalten, Treten, Lenken. Der Elektromotor schnurrt mit Vorfreude auf die nächsten 80 Kilometer aufgeregt vor sich hin. Bremsen, wieder Anfahren – mit Motorunterstützung ist das auch im dritten Gang kein Problem. Die Kurveneigenschaften sind im wesentlichen die gleichen wie beim Rad ohne Elektromotor. Das „Oeynrad“ macht richtig Spaß.

Vier Stationen

„Nextbike“ hat in Bad Oeynhausen vier Fahrradstation aufgebaut. Bis zum Frühjahr 2021 sollen es 13 werden. Die App für das Handy ist im Google Play-Store erhältlich. Die Registrierung ist kostenlos. Nähere Informationen gibt es im Internet: www.nextbike.de.

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