Heinz-Walter Höltkemeier stellt eigenes Konzept für eigenverantwortliches Lernen vor
Rollentausch im Unterricht

Bad Oeynhausen (WB/LyB). „Klassische Unterrichtsstunden sind nicht das Richtige“, findet Heinz-Walter Höltkemeier. Gerade in der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, dass der lehrerzentrierte Unterricht an seine Grenzen stößt. Deshalb hat der Pensionär, der 42 Jahre im Schuldienst tätig war, sich ein Konzept überlegt, das die Selbstständigkeit und Eigenmotivation fördern soll.

Dienstag, 01.09.2020, 03:30 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 17:02 Uhr
Heinz-Walter Höltkemeier wünscht sich, dass die Schüler mehr zu Selbstständigkeit gefördert werden. Seine konzeptionellen Ideen hat der ehemalige Gymnasiallehrer in einem Buch zusammengefasst und in der Druckerei vorgestellt. Foto: Lydia Böhne

In der Druckerei hat Heinz-Walter Höltkemeier aus seinem Buch „Gebt unseren Schulkindern mehr Chancen! – Schule neu denken nach Corona“ gelesen und über seine Veränderungsideen gesprochen.

Bevor Heinz-Walter Höltkemeier über seine Impulse spricht, gibt er den Anwesenden einen kleinen Einblick in seinen Schuldienst, der am ersten Tag mit einer verbotenen Schneeballschlacht begonnen und ihm den Spitznamen Enfant Terrible eingebracht hatte. Obwohl der Pensionär als Jugendlicher nie Lehrer werden wollte, wie er berichtet, habe er seinen späteren Beruf sehr geliebt.

Ab 1988 war Heinz-Walter Höltkemeier als Lehrer für Englisch und Pädagogik sowie ab 1998 als Erprobungsstufenleiter am Herder-Gymnasium in Minden tätig. „Dort habe ich meine Konzepte durchprobiert“, ergänzt der Bad Oeynhausener. Vorlagen von renommierten Didaktikern habe er laut eigener Aussage nie verwendet.

Sein Unterrichtskonzept habe darauf beruht, die Schüler zum eigenverantwortlichen Lernen zu erziehen. Ein Ansatz, der das Lernen im Homeoffice in Corona-Zeiten erleichtert hätte, ist sich der Autor sicher. Durch den klassischen Unterricht würden die Schüler seiner Ansicht nach nicht darauf vorbereitet werden, sich Inhalte ohne Anleitung und Hilfen anzueignen. Ein wichtiges Stichwort in diesem Zusammenhang sei auch die Chancengleichheit, die dadurch ins Wanken gerate.

„Nachhaltigkeit und Transparenz“

Sein Konzept nennt Höltkemeier „Nachhaltigkeit und Transparenz“. Voraussetzung ist die Ausstattung aller Schüler mit Tablets oder Notebooks, um sich zu vernetzen, Präsentationen zu erstellen oder zu recherchieren sowie eine Einweisung in den Umgang damit. „Ich schätze, dass die Regierung dafür etwa drei Milliarden Euro in die Hand nehmen müsste. Ein Investitionsvolumen, das sich relativiert, wenn man es mit der Hilfe für die Lufthansa vergleicht“, sagt der Pädagoge.

Das Konzept sieht vor, dass die Schüler in Gruppen Themen erarbeiten und so wie der Lehrer es tun würde, für ihre Mitschüler aufbereiten, erläutern, Material erstellen und sogar Hausaufgaben geben. „Lernen durch Lehren“, beschreibt Heinz-Walter Höltkemeier. Der Lehrer nimmt sich zurück und wird während der Präsentationen zu einem Teil der Klasse.

Das erstellte Material hat Höltkemeier abschließend immer auf einer öffentlichen Internetseite gesammelt, so dass die Schüler immer auf eine verbindliche Grundlage beispielsweise für das Abitur zurückgreifen konnten. Vorteile dieser Methode seien laut des Pensionärs beispielsweise der Unterricht auf Augenhöhe, das Vertiefen des Stoffes durch das Finden eigener Beispiele sowie die Chancengleichheit für alle.

Umrissen hat der Bad Oeynhausener in seiner Lesung außerdem sein Konzept für den Umgang mit Mobbing in der Schule sowie die Vernetzung der Schulen, die für einen bruchlosen Übergang von der Grund- in die weiterführende Schule sorgen soll. Ein Konzept, das auf Höltkemeiers Tätigkeit als Gründer des ersten deutschen „Schulforums“ beruht, einer Mindener Initiative zum stadtweiten, Schulformen übergreifenden Austausch zur Förderung der schulischen Laufbahn aller Kinder.

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