Prozess in Bielefeld: Drogen-Transport bringt Bad Oeynhausener Rentner vor Gericht
Folgenreiches Malheur mit Jogginghose

Bad Oeynhausen/Bielefeld (WB). Dieser Kommissar Zufall ist ein echt fieser Typ. Steht einfach an der Straße, und schon fällt man ihm in die Hände. Und dann sitzt man im Gerichtssaal, leider erst nach ein paar Monaten Untersuchungshaft, und muss über so seltsame Dinge sprechen wie Jogginghosen ohne Bündchen in den Beinen.

Freitag, 07.08.2020, 03:31 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 05:03 Uhr
Ein 64-Jähriger aus Bad Oeynhausen muss sich vor dem Bielefelder Landgericht wegen des Transportes von Heroin verantworten. Foto: dpa.

Die Geschichte hat drei Hauptpersonen, aber nur eine von ihnen sitzt auf der Anklagebank. Nennen wir sie den „fahrenden Fritz“, um seine Tätigkeit zutreffend zu beschreiben – die anderen beiden den „mischenden Martin“ und den „liefernden Ludwig“. Der „fahrende Fritz“ ist vor dem Landgericht Bielefeld angeklagt, weil er Ende Februar mit mehr als 130 Gramm Heroin im Auto angehalten wurde: an der Detmolder Straße in Bad Oeynhausen, von einer Polizeikontrolle, die der böse Kommissar Zufall dort platziert hatte. Denn den Beamten ging ins Netz, was Kollegen von ihnen aus dem Auge verloren hatten – den silberfarbenen Lexus mit dem „fahrenden Fritz“, einem 64 Jahre alten Rentner aus Bad Oeynhausen am Steuer.

Er war zuvor – ohne es selbst zu merken – von Observationsteams begleitet worden, die ihn von Kassel an über drei Autobahnen verfolgt hatten, seit er den „liefernden Ludwig“ besucht und dort das Heroin übernommen hatte. Auf den „liefernden Ludwig“ waren zuvor die Drogenfahnder des Polizeipräsidiums Nordhessen gestoßen und bei der Überwachung seines Telefons auf den Kontakt zum „fahrenden Fritz“.

Heroin fällt aus der Jogginghose

Der ist sich seiner Schuld bewusst, abzustreiten gibt es ohnehin nichts. Denn die Polizisten in der Verkehrskontrolle hatten schon angesichts der rentneruntypischen Hibbeligkeit des Mannes den Verdacht, da könnten Drogen im Spiel sein. Waren sie auch: Nicht nur in Wischspuren am Lenkrad der Luxuslimousine, sondern auch in der Hose des „fahrenden Fritz“.

Pech für den Ertappten, dass seine Jogginghose, in deren Bund er flugs noch vor dem Aussteigen die beiden Päckchen mit Heroin steckte, nur oben, aber nicht an den Beinen mit Gummizug versehen war, wie hartnäckige Nachfragen des Gerichts am ersten Verhandlungstag ergaben.

Gleich, ob er nun, wie er selbst sagte, aus Angst vor der ohnehin nicht mehr vermeidbaren Entdeckung eines der Päckchen mit dem Fuß unter sein Auto kickte, oder dieses aus dem Motorraum zu Boden fiel, wie einer der Polizisten aussagte: Der „fahrende Fritz“ hatte nicht nur 130 Gramm mittelgutes Heroin von Kassel nach Bad Oeynhausen gefahren, sondern auch zwei Messer. Womit er sich die Anklage wegen bewaffneten Drogenhandels einhandelte, verbunden mit einer Strafandrohung von fünf Jahren, und zwar mindestens.

Das mit dem Heroin gibt der Rentner zu, aber die Messer, die seien ja gar keine Waffen. „Ich habe keine Zähne mehr, aber ich esse gerne Äpfel“, erklärt er per Dolmetscher, da habe er immer dieses Messerchen im Auto liegen. Das sei kaputt, weil die Spitze abgebrochen sei, Äpfel aber schneide es noch perfekt.

Wohnung zum Dorgen mischen benutzt

Und das lange Messer im Kofferraum, das sei ein Teil vom kompletten Schaschlik-Set: Am 23. Februar feierten die „russischstämmigen Männer“ den Tag der Roten Armee, „dann treffen sich die und feiern und trinken“. Und essen selbst geschnittenes Schaschlik.

Wie er überhaupt zu der Drogen-Fahrerei gekommen sei, wollen die Richterinnen natürlich vom „fahrenden Fritz“ wissen. Das sei wegen des „mischenden Martin“, sagt der Angeklagte: Der sei ein ein alter Kumpel und habe ihn etwa letzten November gefragt, ob er für ihn ab und zu mal nach Kassel fahren könne – und ob er seine Wohnung in Bad Oeynhausen zum Drogen mischen besuchen dürfe.

„Wenn Du alles hinterher wieder tiptop saubermachst“, dann dürfe er das, habe er geantwortet. Schließlich habe er sich ein paar Hundert Euro verdienen wollen, aber bis heute kein Geld gesehen – außer 100 Euro fürs Tanken. Den echten Allerweltsnamen des „mischenden Martin“ lieferte der „fahrende Fritz“ dem Gericht, und auch, wo er zu finden ist: 25 Minuten Fußweg entfernt vom Bahnhof in Hannover. Seine Telefonnummer kenne er aber nicht.

Nächste Woche will das Gericht weiter verhandeln.

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