„Kulturbühne“ – Folge 5 – Heute: Kleines Theater Rehme
Wie die Faust aufs Auge: Goethe in der Corona-Zeit

Bad Oeynhausen (WB). Die Botschaft des Stücks ist klar: Wir sind noch da – und zwar stärker denn je! Das Ensemble des Kleinen Theaters Rehme (KTR) trotzt nicht nur Corona. Die Schauspieler hatten sogar den Mut, ein Stück zu adaptieren, das in der Krisenzeit ein klares Bekenntnis zeigt: zum kulturellen Anspruch für Bad Oeynhausen. Und zur gesellschaftspolitischen Mission von Theater. Bühne frei für ein Ensemble, wo Idealismus der Wirtschaftlichkeit die Stirn bietet.

Donnerstag, 06.08.2020, 11:19 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 19:32 Uhr

Dieses Jahr ist doppelt hart für das Kleine Theater Rehme: Zuerst wurde dem Ensemble die Wirkungsstätte entzogen. Und dann kam Corona – und „bremste alles aus voller Fahrt aus“, wie Johannes-Paul Kindler es nennt.

Seit Jahren ist das KTR ein „kulturelles Kleinod“, als Zimmertheater eine Intimbühne und zugleich ein Schaufenster in szenische Abläufe, die zwar auf der Bühne vorgeführt werden, sich aber doch auch im Inneren der Betrachter abspielen. Die künstlerische Handschrift von Johannes-Paul Kindler hat das Ensemble über die Grenzen der Kurstadt hinaus bekannt gemacht. Doch was tut jemand, der von sich sagt: „Ich bin Bad Oeynhausen“, wenn die Stadt ihn lediglich mit vorläufigen Räumlichkeiten unterstützt und die Pandemie ihn wie eine Bugwelle übermannt? Weitermachen!

Proben wieder erlaubt

Seit Juni darf das Ensemble wieder proben. Nach wochenlanger Not, wo sich professionelle Schauspieler mit Sprecherjobs und unattraktiven Werbeaufträgen durchschlagen mussten. Wo die staatliche Soforthilfe nicht mal reichte, um die Ausfall-Honorare der Fest-Verpflichteten zu decken, um Raummiete zu begleichen, die Vorlaufkosten für Technik und Bühnenbild zu finanzieren. Wo ein fünfstelliger Euro-Betrag aus den Rücklagen bereits für das Überleben des Ensembles aufgewendet werden musste. Und derzeit niemand weiß, ob zu erwartende Einnahmen überhaupt kostendeckend sein können, geschweige denn Rücklagen ermöglichen werden.

„Wir üben täglich bis zu zehn Stunden“, schildert Mandy Fuchs den bedingungslosen Eifer aller Mitwirkenden. Seit Ende Juli ist „Faust“ am Museumshof zu sehen. „Von 15 geplanten Aufführungen sind derzeit nur fünf vorgesehen“, sagt die Schauspielerin.

Der Grund: gestreckte Abläufe, höhere Sicherheitsabstände, Hygieneauflagen. Doch der Museumshof sei als Open-Air-Bühne aktuell „ein erstklassiger Spielort“ für Goethes Drama um menschliche Allmachtsphantasien und ihre Abgründe. Weitere Aufführungen nach der Premiere in der vergangen Woche sind am Freitag, 7. August, 19.30 Uhr, Sonntag, 23. August, 18 Uhr, Dienstag, 1. September, 19.30 Uhr und Samstag, 12. September, 19.30 Uhr. Seit vier Jahren ist Dr. Hanna Dose von den städtischen Museen verlässlicher Partner an der Seite des Ensembles und ermöglicht eindrucksvolle Freiluft-Inszenierungen.

Empfänglichkeit des Publikums der größte Lohn

Doch wenn der Winter kommt, sichern nur geschlossene Räume das Überleben des Theaters. Noch immer wartet das Ensemble auf konkrete Angebote. Kreditinstitute halten sich zurück mit Finanzierungszusagen an eine Crew, die keine Routine-Erträge nachweisen kann. Und Sponsoren allein können die Kluft nicht schließen, die sich aktuell auftut.

„In zwei Jahren sind wir weg vom Fenster, wenn wir jetzt nicht die Kurve kriegen und uns fest etablieren“, mutmaßt Johannes-Paul Kindler. Doch das soll ihn nicht hindern, weiterhin seine ganze Kreativität in das KTR zu investieren. „Es geht hier um die Qualität in der Kunst“, sagt der Theatergründer. Der lebendige Aufruf zur Auseinandersetzung mit zeitkritischen Themen ist ihm Ansporn für die tägliche Arbeit. Die Empfänglichkeit des Publikums dafür sein größter Lohn.

„Wenn die Zuschauer mitgehen, das spüre ich genau. Das ist alle Mühe wert“, sagt der leidenschaftliche Schauspieler. Und damit schließt sich der Kreis dort, wo er seinen Anfang genommen hat: Ein Theatermensch brennt für die Bühne, beschenkt seine Heimatstadt mit einem anspruchsvollen Portfolio. Und kämpft mit ganzer Kraft für deren Fortbestand – Corona hin oder her.

Kategorie: „Künstler im Hauptberuf“

Bis 9. August: Anrufen und GOP-Karten gewinnen

Sie möchten im Rahmen der „Kulturbühne“ dem Kleinen Theater Rehme Ihre Stimme geben? Dann rufen sie bis diesen Sonntag, 9. August, über die Gewinn-Hotline 01379/883007 (0,50 €/Anruf dt. Festnetz, ggf. andere Mobilfunkpreise) an. Unter allen Anrufern werden ein Mal zwei Karten für den Besuch einer Vorstellung im GOP-Varieté verlost. Es hat nach einer Corona-Zwangspause den Spielbetrieb am 24. Juli wieder aufgenommen. Der Rechtsweg ist bei der Aktion ausgeschlossen.

Die Aktion auf einen Blick

Bis Ende November stellt das WESTFALEN-BLATT in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Bad Oeynhausen-Porta Westfalica jeweils donnerstags einen Künstler vor, je sieben aus den Kategorien „Künstler im Hauptberuf“ , „Nachwuchs“ und „ehrenamtliche Kunst auf Vereinsebene“ . Die Leser können den jeweiligen Künstler bis zum Sonntag nach Veröffentlichung des Beitrages durch einen Anruf über eine Hotline unterstützen. Unter allen Anrufern werden pro Folge ein Mal zwei Karten für eine Vorstellung im GOP-Varieté verlost.

Im Dezember stellt die Redaktion die drei Künstler jeder Kategorie nochmals im Kurzporträt vor, die die meisten Anrufe erhalten haben. Dann besteht erneut die Möglichkeit, für diese Künstler über eine Gewinn-Hotline anzurufen. Die Zahl der Anrufe entscheidet über die Vergabe der Preisgelder (pro Kategorie). Sie sollen 2021 übergeben werden, in dieser Verteilung: „Künstler im Hauptberuf“: 1. Preis 1500 Euro, 2. Preis 1000 Euro, 3. Preis: 500 Euro; „Nachwuchs“ und „ehrenamtliche Kunst auf Vereinsebene“: 1. Preis je 750 Euro, 2. Preis je 500 Euro, 3. Preis je 250 Euro.

In Folge 1 der „Kulturbühne“ ist die Bildhauerin Astrid Mulch vorgestellt worden.

In Folge 2 der „Kulturbühne“ ist die Theatergruppe „Newcomers“ vorgestellt worden.

In Folge 3 der „Kulturbühne“ ist der Quartettverein Bad Oeynhausen vorgestellt worden.

In Folge 4 der “Kulturbühne” ist die Violinistin Veronika Bejnarowicz vorgestellt worden.

 

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