Statistik im Mühlenkreis zeigt: 140 Kilo Restmüll pro Kopf ist Spitzenwert im Mühlenkreis
Bad Oeynhausener produzieren den meisten Abfall

Bad Oeynhausen (WB). Die Kurstadt ist Spitzenreiter – leider nicht im Positiven: Bad Oeynhausen führt mit einer Jahresmenge von 140 Kilogramm Restabfall pro Kopf die Müllrangliste des Kreises Minden-Lübbecke an. Der BUND appelliert aber nicht nur an die Bürger, Müll einzusparen, auch die Politik wird zur Handlung aufgefordert.

Dienstag, 04.08.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 04.08.2020, 10:00 Uhr
Kornelia Fieselmann (von links) und Thomas Dippert von der BUND- Kreisgruppe Minden-Lübbecke setzen sich für Müllreduzierung ein. Verpackungsmaterial lässt sich zum Beispiel mit einem Einkauf bei Orhan Bro und Dimitrij Nikulicev einsparen. Foto: Lydia Böhne

Die geplante Erweiterung des kreiseigenen Heizkraftwerks Minden, bei der die Kreis-Abfallverwertungsgesellschaft (KAVG) in der Anlage am Osthafen in Minden die Kapazitäten verdoppeln will, hat der BUND zum Anlass genommen, um nachzuforschen, woher der Müll überhaupt kommt und wo Bad Oeynhausen im kreisweiten Vergleich liegt.

Minden auf Platz 2

Laut Zahlen der Kreisverwaltung, die die kommunale Hausmülltonne betreffen, ist die Kurstadt der traurige Spitzenreiter. Auf Platz zwei liegt Minden mit einer Menge von 133 Kilogramm. Am besten schneidet Preußisch Oldendorf ab, dort liegt die produzierte Menge Müll pro Jahr unter 100 Kilogramm pro Kopf.

Thomas Dippert vom Vorstand der BUND-Kreisgruppe Minden-Lübbecke sieht die Verschärfung der Satzung über die Abfallentsorgung der Stadtwerke Bad Oeynhausen als einen Grund für die große Menge an Müll: „Dem Bürger wird ein Mindestvolumen von fünf Litern pro Person und Woche aufgezwungen.“

Eine Vorschrift, gegen die Thomas Dippert als Privatperson bereits Einspruch eingelegt hat. „Es wird voraussichtlich am 19. September darüber entschieden“, fügt das BUND-Mitglied hinzu. Die kleinste Tonnengröße beläuft sich auf 80 Liter.

Müllvermeidung das Ziel

Außerdem ärgert sich der Bad Oeynhausener über die Reduzierte Anzahl von Altglascontainern in der Kurstadt: „Vor allem im Norden gibt es große Defizite. In Eidinghausen ist der Container an der Grundschule Eidinghausen wegen der Baustelle weggefallen.“

Bei der Thematisierung der Menge an Restmüll hat der BUND auch die Zusammensetzung im Hinblick auf eine kürzlich veröffentlichte Studie des Umweltbundesamtes (UBA) unter die Lupe genommen.

Laut dieser Studie sind zwei Drittel des Abfalls in der Restmülltonne falsch entsorgt. Zu großen Teilen handelt es sich dabei um Biomüll und Wertstoffe. Die Studie hat einen Verbrauch von 139,2 Kilogramm pro Einwohner und Jahr ermittelt. Ein Durchschnitt, dem Bad Oeynhausen mit seinen 140 Kilogramm entspricht.

Karten als Lösung?

„Die Kommune muss etwas gegen die Falschentsorgung tun“, findet Thomas Dippert. Als Lösung schlägt das Vorstandsmitglied die Detektion von Freundstoffen im Hausmüll vor. „Dann gibt es erst eine gelbe Karte, dann eine rote, und dann wird der Müll eben nicht mehr geleert“, erläutert Dippert die Idee.

Dass die Stadtwerke die Abholungskosten nach Volumen abrechnen, verleite laut Dippert dazu, falsch zu entsorgen. Als Alternative schlägt der Bad Oeynhausener beispielsweise ein Abwiegen bei der Abholung vor, wie es in Spenge im Kreis Herford gehandhabt wird. Die Müllmenge pro Kopf und Jahr beträgt 80 Kilogramm.

Als bestes Mittel empfiehlt der BUND jedoch die Abfallvermeidung, zu der er mit den Kampagnen „Plastikfrei – Ich bin dabei“ und Plastikfasten aufruft. „Mit den fünf Hausmitteln Natron, Soda, Essig, Kernseife und Zitronensäure kann man Putzmittel für den gesamten Haushalt herstellen“, erläutert Kornelia Fieselmann von der BUND-Kreisgruppe.

Starterset erhältlich

Ein Starterset mit allen Zutaten und Rezepten bietet ein BUND-Workshop. „Man kann seinen Alltag Schritt für Schritt ändern“, empfiehlt Dimitrij Nikulicev von Bio-Provinz. Seit mehr als zwei Jahren betreibt er den Unverpacktladen an der Herforder Straße gemeinsam mit Orhan Bro. Dort besteht auch die Möglichkeit, sich Behälter erneut befüllen zu lassen, beispielsweise mit Spülmittel.

Kommentare

Matthias F  wrote: 04.08.2020 15:32
Dass der BUND am liebsten alles verbieten würde, was mit einem gewissen Wohlstand zu tun hat, sollte hinreichend bekannt sein. Wirkungsvolle Mittel sind nicht zum Spaß erfunden worden. Man war froh, als man aufgrund von wirtschaftlichem und technischen Fortschritt endlich nicht mehr auf diese rudimentären, kaum brauchbaren Hausmittel angewiesen war. Und wozu Mülltonnen abwiegen? Sie werden doch schon nach Volumen bezahlt. Wenn ich beispielsweise ein paar alte Fliesen oder andere Gegensände aus Keramik entsorge (ja, die dürfen in den Restmüll), wiegt die Tonne gleich ein paar Kilo mehr. Da kann es nicht sein, dass ich gleich das erheblich mehr bezahlen muss.
Total 1 comments
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7519454?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F
Vier Menschen in Trier bei Vorfall mit Auto getötet
Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr nahe der Fußgängerzone in Trier.
Nachrichten-Ticker