Nach „Der Alte muss weg“ veröffentlicht Carla Berling „Klammerblues um zwölf“
Trennung von alten Zöpfen

Bad Oeynhausen (WB). Sie ist gerade 60 geworden. Ein Fakt, dem Carla Berling inzwischen gelassener gegenübersteht und weniger Bedeutung beimisst. Aber es ist ein Thema, das sie in ihrem neuen Buch „Klammerblues um zwölf“ thematisiert, auch und gerne mit der von ihr bekannten Prise Humor. Ihre Hauptakteurin ist nur wenig jünger, stürzt sich mit 57 Jahren auf 270 Seiten ins Leben, verknallt sich noch einmal und schneidet auch manchen alten Zopf ab. Über das Buch, das am 13. Juli in den Handel kommt, und mehr hat Claus Brand mit Carla Berling gesprochen.

Montag, 06.07.2020, 07:45 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 07:50 Uhr
In ihren Geschichten schneidet Autorin Carla Berling auch gerne mal alte Zöpfe ab. Foto: Philippe Ramakers.

 

Frau Berling, haben Sie noch Angst vor dem Älterwerden?

Carla Berling : Auf keinen Fall! Ich hab eher Angst vor dem alt sein, vor Gebrechlichkeit, Krankheit, Einsamkeit und dem Verlust geliebter Menschen. Das Alter ist eine erstrebenswerte Angelegenheit, im Prinzip gilt doch: Je höher es wird, desto besser. Aber die Rahmenbedingungen wünsche ich mir unkompliziert.

 

Auch die Corona-Krise kann Ängste auslösen. Wie hat sie sich auf Sie ausgewirkt, vom Lebensgefühl her und als Autorin?

Berling : Zuerst hatte ich Panik. Bis vor wenigen Jahren gehörten Existenzangst und Geldsorgen zu meinem Leben. Zuletzt war aber alles entspannt, ich hatte viele Lesungen – auf denen viele Bücher verkauft wurden. Bei bis zu 40 Auftritten im Jahr lief es also. Dann wurde restlos alles abgesagt. Buchhandlungen waren geschlossen – null Einkommen. Aber auch als Autor hat man Betriebskosten wie den Beitrag für die Krankenkasse etc.. Gott sei dank bin ich ein sparsamer Mensch und kann eine Zeit lang eine solche Situation überbrücken. Das Lebensgefühl war zunächst also Angst. Im Alltag hat sich – bis auf die fehlenden Auftritte – nichts geändert. Ich bin seit 17 Jahren im Home-Office und daran gewöhnt, alleine konzentriert und diszipliniert zu arbeiten.

 

Auf fünf Krimis um Ermittlerin Ira Wittekind folgte im Vorjahr die Komödie „Der Alte muss weg“. Jetzt kommt „Klammerblues um zwölf“ heraus. In wenigen Worten: Worum geht es bei der Geschichte um Protagonistin Fee (57)? Wofür steht diese Frau, deren Gatte gerade ungeplant verstorben ist?

Berling : Sie steht für eine Situation, in der jemand alles verliert: den Partner, den Job, das Einkommen und das Zuhause. Die Jugend und die Figur hatte sie schon früher verloren. Und das Buch steht für Mut, Freundschaft und Lebensfreude.

 

Die Idee für das neue Buch ist an einem Silvesterabend entstanden. Was hat es damit auf sich?

Berling : Wir haben mit Freunden zuhause gefeiert, ich hatte die Musik zusammengestellt. Es gab Baby-Boomer-Sound: Von den 1960ern bis zu den 1980ern. Jeder hatte schnell Erinnerungen, die durch die Musik lebendig wurden. Musik kann einen schnell in eine andere Zeit beamen. Ich dachte: Für jedes Gefühl gibt es ein Lied. Und dann wusste ich: Das ist die Prämisse für eine neue Geschichte.

 

Wann haben Sie das letzte Mal um Zwölf einen Klammerblues getanzt?

Berling : Am 3. Juni, als ich um Mitternacht 60 wurde, habe ich mit meinem Mann vor dem Sofa getanzt.

 

Ihre Hauptdarstellerin schneidet alte Zöpfe ab. Welchen müssen Sie noch abschneiden?

Berling : Ehrlich gesagt: Alles schon erledigt!

 

Hat Ihr Mann Martin das neue Werk schon gelesen? Wenn ja, wie hat er es kommentiert?

Berling : Martin liest jeden Abend mit. Wenn er nach Hause kommt, lese ich ihm vor, was ich geschrieben habe. Er kommentiert es als erster. „Klammerblues“ ist sein Lieblingsbuch. Wegen der Lebensfreude. Und wegen des positiven Sounds, obwohl es keine Heile-Welt-Story ist, sondern eine Geschichte aus dem richtigen Leben.

 

Was sagt Ihre beste Freundin dazu?

Berling : Ich habe vier beste Freundinnen. Sie lieben es. Sie spielen sogar kleine Rolle darin – nicht als Figuren, sondern als Inspirationen.

 

Wie viele Bücher müssen verkauft werden, ob im Handel oder online, damit Sie das neue Buch als Erfolg werten? Oder spielt das kaum eine Rolle?

Berling : Oh, das spielt eine große Rolle! Es müssen so viele Bücher verkauft werden, dass ich ein Jahr von den Honoraren leben kann – denn so lange dauert es, bis ein neues Buch geschrieben ist.

 

Nach dem Schreiben eines Buches ist vor der neuen Idee: Lassen Sie uns daran teilhaben?

Berling : Das Buch für 2021 ist schon geschrieben und liegt bereit fürs Lektorat im Heyne-Verlag. Es beginnt mit einer total missglückten Silberhochzeit …

 

Das Vorgängerwerk „Der Alte muss weg“ ist jetzt auch als Hörbuch erhältlich, Sie haben es selbst eingelesen. Sind Sie gut darin?

Berling : Die einen sagen so, die anderen so... Aber bisher sind die Kritiken der Käufer fast nur gut bis sehr gut. Es war eine tolle Erfahrung – und es wird nicht das letzte Hörbuch sein, das ich einlese.

 

Ist das Genre Krimi für die Autorin Carla Berling tot?

Berling : Es ruht. Zurzeit möchte ich mich mit keinem Drama ausein­andersetzen. Und, soviel Ehrlichkeit muss sein: meine Komödien werden viel häufiger gelesen als die OWL-Krimis.

 

Der letzte Satz in Ihrem Buch lautet: „Es gibt keine Zufälle.“ Wofür steht er?

Berling : Dafür, dass man Chancen sehen und sie auch nutzen muss. So nach dem Motto: Glück ist, wenn man’s merkt.

 

Zuletzt: Gibt es schon Überlegungen für neue Lesungen oder bremst die Pandemie solche Pläne derzeit gänzlich aus?

Berling : Die abgesagten Lesungen waren ja fast überall ausverkauft und die meisten Buchhändler verschieben die Auftritte – aber auf wann, das weiß noch niemand.

Zur Person

Carla Berling (60) lebt in Köln. Bis 2003 war sie in Bad Oeynhausen zu Hause, hat dort zuvor 42 Jahre gelebt. Aus ihrer ersten Ehe mit ihrem 2011 verstorben Ehemann Hartmut Wehmeier hat sie zwei Söhne. Leonard (32) lebt in Berlin und arbeitet im Marketing-Management für einen Hersteller von Navigationssystemen. Ihr Sohn Marlon (30) ist ausgebildeter Sänger, Tänzer und Schauspieler und lebt in Hamburg.

Carla Berling ist wieder verheiratet. Im Zeitraum von 1995 bis 2002 war sie als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion des WESTFALEN-BLATTES tätig.

 

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