Europaschule Bad Oeynhausen benötigt schnelleres Internet – WLAN nur in 40 Prozent der Räume
Nachholbedarf bei der Digitalisierung

Bad Oeynhausen  (WB). In puncto Digitalisierung gibt es an der Europaschule Bad Oeynhausen einiges nachzuholen. Das haben Schulleiter Dirk Rahlmeyer und seine Stellvertreterin Andrea Brabender im Gespräch mit dieser Zeitung deutlich gemacht.

Samstag, 04.07.2020, 06:30 Uhr aktualisiert: 04.07.2020, 06:40 Uhr
Noch sind Smartboards wie hier im Klassenraum von Lehrerin Jana Petersmeyer (2. von rechts) an der Europaschule Mangelware. Schulleiter Dirk Rahlmeyer (von rechts), seine Stellvertreterin Andrea Brabender und Johannes Sfalanga (pädagogischer Mitarbeiter) hoffen, dass sich das im Zuge der Digitalisierungsbemühungen der Stadt in den nächsten Jahren ändert. Foto: Malte Samtenschnieder

„Nur in 40 Prozent unserer Räume gibt es drahtloses Internet. Das ist dann aber auch nur sehr langsam“, sagte Dirk Rahlmeyer. Um hier möglichst bald Abhilfe zu schaffen, hoffe er zum einen, dass die von der Stadt in Aussicht gestellte Anbindung an das Glasfasernetz möglichst noch in diesem Jahr erfolgt. Zum anderen sei die Ausstattung des gesamten Schulgebäudes mit weiteren Accesspoints für eine flächendeckende WLAN-Versorgung seit langem überfällig.

Auch im Hinblick auf internetfähige Endgeräte muss die Europaschule laut Dirk Rahlmeyer aufrüsten. „Derzeit sind insgesamt zehn Smart-TV-Geräte schwerpunktmäßig in der Oberstufe im Einsatz. Zudem gibt es in acht Klassenräumen Smartboards“, sagte der Schulleiter. Der Bedarf an internetfähigen Präsentationsmöglichkeiten sei deutlich größer. Fest installierte Beamer in Klassen- und Fachräumen – vielerorts Standard – seien beispielsweise so gut wie gar nicht vorhanden.

Defizite und Pionierarbeit

Trotz dieser Defizite gehöre die Europaschule in anderen Bereichen zu den Pionieren. „Seit fünf Jahren schaffen wir für alle Oberstufenschüler Tablets an“, sagte Dirk Rahlmeyer. Zudem verfüge ein Drittel der Lehrer der Europaschule über umfangreiche digitale Kompetenzen. Der Schulleiter: „Im Rahmen des Erasmus-Programmes haben sie an internationalen Schulungen teilgenommen.“

„Bislang werden die Möglichkeiten der Tablets aber nicht voll ausgeschöpft“, erläuterte Andrea Brabender. Sie seien ursprünglich eingeführt worden, um grafische Taschenrechner zu ersetzen. Deshalb sei auf jedem Tablet eine Taschenrechner-App installiert.

„Es gäbe aber natürlich auch die Möglichkeit, Wörterbücher oder sonstige Fachbücher herunterzuladen“, sagte die stellvertretende Schulleiterin. Diesbezüglich stecke man noch im Vorbereitungsstadium. Auch Versuchssimulationen in den Naturwissenschaften mit Hilfe von Tablets oder computergestützte Auswertungen von Untersuchungen im Sportunterricht seien derzeit Zukunftsmusik.

Für jüngere Schüler stehen an der Europaschule ebenfalls mobile Endgeräte zur Verfügung – allerdings als Leihgeräte. „Aktuell haben wir zwei Klassensätze, die bei Bedarf fachübergreifend eingesetzt werden können“, sagte Dirk Rahlmeyer. Im Zuge der Digitalisierungsbemühungen der Stadt sollen 2021 weitere 135 Tablets hinzukommen. „Die Anzahl entspricht der Größe eines Jahrgangs“, sagte der Schulleiter.

Gemeinsame Plattform

„Ein wichtiger nächster Schritt bei der Digitalisierung wäre die Einführung einer anwendungsfreundlichen Plattform, auf die sowohl Schüler als auch Lehrer von überall per Internet zugreifen können“, sagte Dirk Rahlmeyer. Dass dieses wichtige Tool an der Europaschule bislang nicht zur Verfügung gestanden habe, habe die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern während der coronabedingten Schulschließung seit Mitte März erschwert.

Die Corona-Krise habe zu einer weiteren Erkenntnis geführt. „Wir haben gesehen, dass Schule deutlich mehr ist als Unterricht“, sagte Dirk Rahlmeyer. Zwar sei es gelungen, per E-Mail mit den meisten Schülern Nachrichten auszutauschen und sie über das Internet mit Aufgaben für einzelne Unterrichtsfächer zu versorgen.

„Wir hatten aber nicht wirklich die Möglichkeit, den Schülern zu helfen, wenn sie während des Homeschoolings technische Probleme etwa beim Herunterladen der Arbeitsblätter oder inhaltliche Fragen zu den Aufgaben hatten“, sagte Dirk Rahlmeyer. Der soziale Kontakt, das Gespräch zwischen Schüler und Lehrer oder zwischen den Schülern, sei in der Zeit der Schulschließung weggefallen.

Homeschooling

Zu den Erfahrungen mit dem Homeschooling hat die Europaschule 700 von insgesamt 1200 Schülern befragt. Es handelte sich um Schüler der Jahrgänge fünf bis zehn sowie der Stufe Q1. Gemeinsam mit einer Handvoll Kollegen hat Johannes Sfalanga, pädagogischer Mitarbeiter in einem Team des ESTA-Bildungswerkes, die Antworten ausgewertet.

„Die Untersuchung hat gezeigt, dass die Voraussetzungen in den einzelnen Familien sehr unterschiedlich sind“, sagte Johannes Sfalanga. Wenn Väter oder Mütter in der Lage gewesen seien, die Kinder während des Homeschoolings zu unterstützen, seien die Kinder meist gut mit den Aufgaben klar gekommen.

Schwierigkeiten seien aufgetreten, wenn beide Eltern berufstätig gewesen seien, wenn zu Hause die technischen Voraussetzungen für das Bearbeiten der Aufgaben (kein Tablet, kein Computer, kein Drucker) gefehlt hätten oder auch wenn es innerhalb der Familien sprachliche Barrieren gegeben habe.

Ergänzungsstunden

Um Unterrichtsdefizite aus der Zeit der coronabedingten Schulschließung auszugleichen, will die Europaschule im nächsten Schuljahr ein Ergänzungsstundenkonzept umsetzen. „Es sieht vor, dass Schüler der Jahrgänge fünf bis zehn jeweils eine Stunde Unterricht pro Woche in den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch zusätzlich erhalten“, sagte Dirk Rahlmeyer.

Für die Jahrgangsstufe zehn sei noch eine weitere vierte Stunde vorgesehen. Diese könne je nach Bedarf des Schülers für eins der genannten Fächer genutzt werden. Dirk Rahlmeyer: „Der zusätzliche Unterricht soll möglichst von den jeweiligen Fachlehrern erteilt werden.“

Dem Zusatzangebot für Deutsch, Mathematik und Englisch stehen Einschnitte in anderen Bereichen gegenüber. „Wir haben bereits die meisten für das Winterhalbjahr geplanten Schulfahrten abgesagt, mit der Option, sie im Sommerhalbjahr nachzuholen“, sagte der Schulleiter. Das sei eine Vorsichtsmaßnahme, weil ja noch niemand genau wisse, ob und in welchem Umfang unmittelbar nach den Sommerferien wieder ein „normaler“ Präsenzunterricht beginnen könne.

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